Ehre sei dem Blute Jesu - In laetitia!

PRIESTER UND LAIENBRÜDER
IN EINER EINZIGEN GEMEINSCHAFT?


1. Die Oratorien des hl. Philipp Neri sind Priestergemeinschaften, zu denen auch Laienbrüder gehören können. Ist das in der Praxis realisierbar? Sind da nicht die einen lediglich die Diener der anderen? Ist eine solche „Zweiklassengesellschaft“ noch zeitgemäß?

Wenn die Mitbrüder, die ein solches Oratorium bilden, ihre Berufung gut verstanden haben und sie gut zu leben versuchen, dann sind alle Mitbrüder die Diener von allen und gemeinsam dienen sie allen Menschen der Umgebung – jeder mit dem Charisma, das ihm zuteilwurde. Es geht darum, wie Jesus zu leben, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben wie ein Sühneopfer für die Welt darzubringen (vgl. Mk 10,45). Unter-schiedliche Dienste sind nicht unterschiedliche Klassen. Ein Oratorium bildet in gewisser Weise eine Familie in der es ganz natürlich unterschiedliche Dienste und Aufgaben gibt. In einer gesunden Familie lieben sich trotzdem alle gegenseitig.

2. Theoretisch klingt das ja schön und gut, aber die Praxis zeigt doch ziemliche Unterschiede: z.B. kann ein Laienbruder nicht Oberer (Präpositus) eines Oratoriums werden. Die Priester haben auch in der Liturgie und Seelsorge gewöhnlich leitende Ämter und Aufgaben. Die Laienbrüder stehen dagegen meistens mehr im Schatten.

Es gibt Menschen, die fühlen sich wohler im Schatten als in der Sonne, die wollen lieber hinter den Kulissen arbeiten als auf der Bühne stehen. Wer Laienbruder in einer Priestergemeinschaft wird, braucht eine besondere Begabung und Freude am verborgenen Dienen, das vielleicht nur der Herrgott sieht, schätzt und belohnt. Das setzt einen hohen Grad von Leben aus dem Glauben voraus. Da genügt es nicht, in jungen Jahren voll begeistert sein Leben Gott zu weihen. Diese Hingabe braucht auch immer wieder Erneuerung und Vertiefung wie auch geistliche Begleitung, damit sie ausreifen kann. Alle Mitbrüder im Oratorium brauchen eine hohe Wertschätzung und Übung der Demut. Die Laienbrüder sollten „doppelt so viel“ davon mitbekommen haben. Wenn sie ihre Berufung voll leben, machen sie auch schneller Fortschritte auf dem Weg zur Heiligkeit.

3. Sind die Priester nicht zu sehr daran gewöhnt, immer an der Spitze zu stehen? Sind sie wirklich gemeinschaftsfähig?

Nicht alle Priester haben die gleiche Begabung für das Gemeinschaftsleben. Darum gibt es ja in der Kirche so viele verschiedene Wege, den priesterlichen Dienst zu verwirklichen. Der hl. Philipp hat sich sehr gegen alle persönlichen Würden und Auszeichnungen gewehrt. Sein treuester und berühmtester Schüler, Cäsar Baronius, hat damals wohl am meisten Küchendienst getan und gleichzeitig die wissenschaftliche Kirchen-Geschichts-Schreibung begründet. Kardinal wurde er im Gehorsam dem Papst gegenüber ... Je mehr ein „Welt-Priester“ das Leben in Gott zur Quelle seiner Seelsorge macht, umso gemeinschaftsfähiger und demütiger wird er auch. Je höher er auf den Stufen kirchlicher Ämter und Würden voranschreitet, umso mehr will und soll er schon durch sein Dasein dienen – bis hin zum Papst, der „Diener der Diener“ Gottes ist, der am allermeisten in der Kirche gehorchen muss.

4. Die Aufgabe der Priester ist ziemlich eindeutig: sie haben die Gabe und die Aufgabe, mit Autorität das Wort Gottes zu verkünden, die Gläubigen zu heiligen (Gebet, Sakramente) und die Herde Christi zu leiten. Wie könnte man das besondere Charisma der Laienbrüder in einer Priestergemeinschaft verdeutlichen?

In der Apostelgeschichte wird davon berichtet, dass am Anfang die Apostel selber sich um alles gekümmert haben, z.B. auch um die praktischen Dinge wie die Organisation der Agape und die Versorgung der Bedürftigen. Das führte dazu, dass sie zu wenig Zeit zum Gebet und zur Verkündigung des Evangeliums hatten (vgl. Apg 6,1-7). Dieses Problem wurde dadurch gelöst, das man Diakone bestellte, die sich mehr um die materiellen und karitativen Angelegenheiten kümmerten, um so die Apostel zu Gunsten ihrer mehr priesterlichen Aufgaben zu entlasten. Daraus entwickelte sich dann das Diakonat der Kirche. Laienbrüder sind keine geweihten Diakone. Aber ihre besondere Berufung kann man durchaus mit dieser urkirch-lichen Erfahrung verdeutlichen. Priester und Laienbrüder ergänzen einander im Dienst für Kirche und Welt und machen so das Apostolat wirkungsvoller.

5. Inwiefern könnte der hl. Josef für die Laienbrüder ein besonderes Beispiel sein?
Die Heilige Familie von Nazareth vereinigte ganz verschiedene Berufungen, die einander dienten und ergänzten. Die Mutter Jesu hat ihr Kind „durch Überschattung des Heiligen Geistes“ empfangen, also ist Gott selber der Vater Jesu. Josef diente Jesus und Maria u.a. durch die Sorge um den Unterhalt der Familie. Er kümmerte sich um das Haus, das lebensnotwendige Einkommen, den Schutz in Gefahren und um vieles mehr. Er hat sich deswegen nicht erniedrigt gefühlt. Vielmehr war er zu allem bereit, weil er diesen Dienst als Wille Gottes erkannte und so auch ausübte. Die Laienbrüder in einer Priestergemeinschaft haben ganz ähnliche Aufgaben. Sie müssen nicht predigen, aber ihr stilles Dasein, Beten und Arbeiten kann oft mehr überzeugen als schöne Worte. So nehmen die Laienbrüder indirekt an der Mission der ganzen Gemeinschaft teil.

6. Wie kann man einem jungen Mann helfen, der selber gerne Priester werden möchte, aber die zuständigen Verantwortlichen der Kirche sehen das anders und können diesen Berufungs-Wunsch nicht bestä-tigen?

Niemand kann sich selber eine Priester- oder Ordensberufung geben – sie muss durch die kirchlichen Oberen von Jesus selber kommen. Die Grundberufung jedes Christen ist die Berufung zur Heiligkeit. Wer diese Berufung nicht echt angenommen hat, sollte gar nicht über eine besondere Aufgabe in der Kirche nachdenken, sondern erst den Untergrund entsprechend vorbereiten, bevor er mit dem Hausbau beginnt. Wer aber vor allem die Berufung zur Heiligkeit verstanden und angenommen hat – und das unabhängig von einem besonderen Weg (Familie, Einsamkeit, geistliche Gemeinschaft) – für den ist das „Priester-werden“ nicht mehr das Allerwichtigste. Wer aus schulischen oder gesundheitlichen Gründen nicht Priester werden kann, ist deshalb noch nicht automatisch zum Ordensbruder berufen. Wenn aber die Bereitschaft zum vollen Dienst am Reiche Gottes echt und dauerhaft ist, wenn es nicht mehr darum geht, „jemand“ zu sein, sondern wirklich in der Verborgenheit zu dienen, für den kann die Berufung zum Ordensbruder echt sein, bzw. echt werden. Wer Gott und der Kirche wirklich dienen will, für den ist der Platz, oder die Rolle in der man dient, nicht mehr entscheidend. Glücklich, wer auch in dieser Frage die „heilige Gleichgültigkeit“ erlangt hat, oder sich ehrlich um sie bemüht.

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GEISTLICHE VATERSCHAFT

1. Vater ist Gott allein:
Von IHM kommt alles Leben –
die Menschen dienen nur dabei,
indem sie Bedingungen schaffen,
die es erlauben das weiterzuschenken,
was sie selbst empfangen haben.

2. Nur im übertragenen Sinn
kann man den „Vater“ nennen,
der – sei es leiblich oder geistlich –
durch Christus neues Leben weckt:
Allein durch IHN existiert
alles, was lebt,
und in IHM entwickelt es sich.

3. „Geistlicher Vater“ wird jener,
der im Heiligen Geist lebend
für andere zum Priester wird:
zum Mittler zwischen Gott
und den Menschen –
sei es im gemeinsamen Priestertum,
sei es im sakramentalen.

4. Der Priester ist ein Prophet:
Im Suchen von Licht und Weisheit
erzieht der geistliche Vater zur Wahrhaftigkeit –
er duldet keine Falschheit,
oder Scheinheiligkeit,
und fordert Echtheit in allem.

5. Der Priester ist ein Mann des Gebetes:
In seinem Herzen treffen sich Himmel und Erde –
Was er sagt, ist erfüllt von Gott,
und zu Gott hin lenkt er
alle menschlichen Anliegen –
in Liturgie, Kontemplation und Aktivität

6. Der Priester ist “guter Hirte”:
Durch ihn leitet Christus jene,
für die er mit seinem eigenen Blut
bezahlt hat ...
Behutsamkeit und Kraft,
Geduld und Feuer.
Der geistliche Vater – er ist wie ein Kind!