Ehre sei dem Blute Jesu - In laetitia!



Der Heilige

im Alter
 




Der hl. Philipp und die Jugend




Ein Portrait
von 1645






Die Chiesa Nuova




Eine Büste mit der Herz-Reliquie

Was ist das Oratorium?

Ein alter Oratorianer meinte einmal: “Wir sind nur eine Randbemerkung in der Geschichte der Kirche.” Aber eine eigenartige Randbemerkung, denn seit vierhundert Jahren gibt es Oratorianer, und doch haben sie weder Gelübde noch Versprechen. Im Allgemeinen sind sie sehr individualistisch, leben aber dennoch ein intensives Gemeinschaftsleben. Sie haben eine Regel, aber die ist im Grunde die Beschreibung des Familienlebens, das der Hl. Philipp in Rom begonnen hat. Dieser hat übrigens Jahre gebraucht, ehe er mit den Niederschriften der ersten Regel zufrieden war. Denn Philipp betonte immer wieder, dass er überhaupt keinen neuen Orden gründen wolle. Eigentlich war es die Kirche selber, die dieser Familie des Oratoriums im Rom der Renaissance Dauer geben wollte und deshalb im Jahre 1575 das Oratorium anerkannte.

Wer hat das Oratorium gegründet?

Später, als die kleine Gemeinde aus Laien und Priestern auch in San Girolamo keinen Platz mehr hatte, zog man in die “neue Kirche” um, die “Chiesa Nuova” im Herzen Roms. Damals war dann auch schon die sogenannte Kongregation entstanden, eine Gruppe von Weltpriestern, die zusammenlebte und deren erste Aufgabe die Betreuung des Oratoriums, das heißt der großen Gruppe von Laien und Priestern, war.

Angefangen hat also das Oratorium tatsächlich mit dem Hl. Philipp Neri. Den Grund des Oratoriums hat aber ein anderer gelegt, wie Philipp immer wieder betonte. Kurz vor seinem Tod hat er das Geheimnis aufgedeckt: Während er wieder einmal, wie oft, sich in den Katakomben von St. Sebastian in Rom zum Gebet zurückgezogen hatte, erlebte er auch körperlich die Begegnung mit der Liebe Gottes. Nach dem Zeugnis von P. Consolini, der Philipp in seiner letzten Lebenszeit besonders vertraut war, sah Philipp eine feurige Kugel in seine Brust eindringen und spürte dann, wie seine Brust sich über dem Herzen ausdehnte ... Der Kirchenhistoriker von Pastor schreibt über dieses Ereignis: “Diese mystischen Zustände, die Philipp sein ganzes Leben lang begleiteten, erreichten ihren Höhepunkt an Pfingsten 1544 in einem Ereignis, das man mit den Wundmalen des Hl. Franz von Assisi vergleichen mag.” Er nannte es auch einen Einbruch des Hl. Geistes in sein Leben, ein Ereignis, das nicht mit Worten zu fassen war, aber genau datierbar ist und ihn auch äußerlich veränderte. Wichtiger aber ist, daß daher seine beharrliche Weigerung stammt, seine Gemeinschaft durch Versprechungen und Gelübde zu binden. “Einziges Band ist die gegenseitige Liebe”, daran hielt er fest. Und damit ist das stärkste Band genannt, das es gibt: die Liebe.

Kardinal Newman sagte von Philipp: „Er ließ keine äußeren Formen oder Gebräuche zu, die als Eigenart des Oratoriums gelten sollten, außer der gegenseitigen Liebe und harter Arbeit.“

Aber Philipp hat wie Paulus erfahren, dass die Bindung der Liebe erst die wahre Freiheit des Christen möglich macht. Das ist ja das Geheimnis des Hl. Philipp: Seit seinem Pfingsterlebnis in den Katakomben weiß er sich gebunden an den heiligen Gottesgeist, gepackt von seiner Liebe, die er weitergeben muss, aber auch ganz frei von dem, was die meisten Menschen treibt. Kein Wunder, dass seit Philipp Neri der Oratorianer eine besondere Verehrung für den Hl. Geist hat, denn mit dem Pfingstereignis im Leben des Hl. Philipp hat ja alles angefangen.


Wallfahrts-Kirche Maria-Schnee



Wappen des Oratoriums in Aufhausen


Gemälde am Deckengewölbe in Maria-Schnee


Gnadenbild
Maria-Schnee,
Aufhausen






Gründung und Entwicklung des Aufhausener Oratoriums

   Der aus München stammende und im Ruf der Heiligkeit verstorbene Propst Johann Georg Seidenbusch (1641-1729) gründete im Jahre 1676 (bzw. 1695) in Aufhausen bei Regensburg eine Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri. Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern stellte am 28. Dezember 1678 einen Dotationsbrief aus; am 19. Mai 1692 folgte die bischöfliche Konfirmationsurkunde, und am 6. Juli 1695 errichtete Papst Innozenz XII. die Kongregation des Oratoriums in Aufhausen. Johann Georg Seidenbusch wurde der erste Propst, und seinem Einfluss und seiner Willenskraft war es zu danken, dass von dem kleinen Aufhausen aus Zweigniederlassungen in München und Wien gegründet werden konnten.


Johann Georg Seidenbusch (1641-1729),
Gründer des Aufhausener Oratoriums

   Im Jahre 1886 starb der letzte Priester des ursprünglichen Instituts, Pfarrer Jakob Sellmayr. Die Benediktinerabtei Metten übernahm am 15. Oktober 1890 die Verwaltung der Pfarrei und des so genannten „Nerianerinstitutes“ also des Patrimoniums des Oratoriums.

   Mit Zustimmung des Bischofs von Regensburg, Dr. Gerhard Ludwig Müller, wurde die Gemeinschaft der „Brüder vom Heiligen Blut“ durch den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. in die „Kongregation des Oratoriums des Hl. Philipp Neri in Aufhausen“ umgewandelt und so lebte das ursprüngliche Oratorium von Johann Georg Seidenbusch wieder auf.