Ehre sei dem Blute Jesu - In laetitia!

DIE MAXIMEN DES HL. PHILIPP NERI
mit Mini-Kommentaren aus dem Oratorium von Aufhausen


Januar

1. Januar
Wann werden wir anfangen, Gutes zu tun?

Was heißt „Gutes tun“? Sicherlich mehr als: Jeden Tag eine gute Tat vollbringen – wenn das auch ein guter Einstieg sein kann. Niemand ist gut außer Gott, dem Einen, sagte Jesus zu jenem Mann, der ihn fragte, wie man das ewige Leben erlangen könne (vgl. Mk 10,17f). „Gutes tun“ bedeutet also, Gott an die erste Stelle in seinem Leben zu stellen und seinen Willen mit Liebe tun, denn Gott ist die Liebe (1 Joh 4,16).

2. Januar
Kein Tag ohne klare Linie! (Nulla dies sine linea): Lass keinen Tag vorbeigehen, ohne etwas Gutes zu tun.

Wer oder was kann und soll die Leitlinie, oder die Richtschnur, in meinem Leben sein? Es ist Gott. Ihn aber erkenne ich erst dann wirklich, wenn ich selber Gutes tue. Jeder Tag ist so viel wert, wie viel ich an ihm geliebt habe. Das aber ist nicht so sehr eine gefühlsmäßige Angelegenheit, sondern praktisches Tun.

3. Januar
Wir dürfen nicht saumselig sein, Gutes zu tun, so lange wir Zeit haben; denn der Tod wird seine Zeit auch nicht versäumen.

Auf dem Weg in die Ewigkeit, also im Purgatorium oder im Fegfeuer, wird uns besonders wehtun, wenn wir sehen, wie viel Gutes wir hätten tun können, aber wir haben nicht geliebt. Wie schade um jede verpasste Gelegenheit!

4. Januar
Glücklich die jungen Leute – denn sie haben noch Zeit vor sich, Gutes zu tun.

Wie schön und kostbar ist es doch, wenn man schon in jungen Jahren den wahren Sinn des Lebens erfasst hat, nämlich die Liebe zu Gott und den Mitmenschen! Denn in diesem Alter hat man gewöhnlich noch mehr Gelegenheit, Gutes zu tun, als Menschen kurz vor Torschluss.

5. Januar
Man tut gut daran, sich irgendeinen geistlichen Weg zu wählen, und sich an ihn zu halten, und ihn nie aufzugeben.

Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen! In jungen Jahren darf und soll man Umschau halten, aber schließlich muss man sich für eine Spiritualität entscheiden. Man sollte ja auch nicht alle Musikinstrumente ausprobieren oder Sportarten immer wieder wechseln, wenn man es zur Meisterschaft bringen will.

6. Januar
Wer etwas anderes will als Christus, weiß nicht, was er will; wer etwas anderes verlangt als Christus, weiß nicht, was er verlangt; wer für jemand anderes arbeitet als für Christus, der weiß nicht, für wen er arbeitet.

Der Weg zum wahren und ewigen Glück hat einen Namen: Es ist Jesus Christus, der Gottes- und Menschen-Sohn, den der Ewige Vater als Erlöser und Heiland aller Menschen auf die Welt gesandt hat. Es gibt keine wichtigeren und schöneren Entdeckungen als ER. Die meisten Menschen aber kennen ihn nicht wirklich oder genügend. Darum gibt es keine kostbarere Aufgabe für das Leben, als Jesus echt kennen zu lernen und bekannt zu machen.

7. Januar
Niemand soll eine Maske tragen; sonst wird er Böses tun, und wer eine aufhat, soll sie verbrennen.

Wenn ein Mensch nicht echt ist, sondern nur eine Rolle spielt, sich angeberisch benimmt, immer wieder so tut als ob..., dann ist er eine lebendige Lüge. Der „Vater der Lüge“, der Satan, hat mit ihm leichtes Spiel und verstrickt ihn in immer neue und schlimmere Betrügereien. Der Beginn eines wirklich guten Lebens ist die Wahrhaftigkeit im Dasein wie im Tun.

8. Januar
Wer ein geistliches Leben führen will, soll gleichmäßig bereit sein, Lieblichkeit und Tröstung in den göttlichen Dingen zu erfahren, oder auch in der Trockenheit des Geistes und der Andacht zu leiden und auszuhalten, so lang es Gott gefällt, ohne sich darüber zu beklagen.

Am Anfang eines bewusst gelebten geistlichen Lebens schenkt Gott meistens viele Entdeckungen und Erlebnisse, die glücklich machen. Das darf und soll man mit Dankbarkeit annehmen und auch genießen. Es kommen dann aber auch schwierige Zeiten, in denen Glaube, Hoffnung und Liebe ernsthaft auf dem Prüfstand stehen. Wie gut, wenn jemand bereit ist, das eine wie das andere Gott zu überlassen und auch in schweren Stunden zu danken. Denn Gott weiß, was wir brauchen.

9. Januar
Gott braucht die Menschen nicht.

Oft nehmen sich die Leute selber für zu wichtig, als ob alles von ihnen abhinge. Ja, man darf und muss gelegentlich auch arbeiten, als ob die Rettung der ganzen Menschheit von dieser meiner Anstrengung abhinge. Aber gleichzeitig gilt es, auch immer wieder, alles in die Hände Gottes zu legen, als ob man selber gar nichts bewirken könnte. Gott aber, der auch aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen kann (Mt 3,9) will mit uns schwachen Menschen zusammenarbeiten.

10. Januar
Wenn Gott mit uns ist, dann haben wir nichts zu fürchten.

Es kommt darauf an, Jesus „im Boot“ zu haben (vgl. Mk 4,35-41). Dann braucht man sich vor nichts und niemandem zu fürchten. Wenn mir jemand Schaden zufügt, habe ich die Gelegenheit, durch Vergebung und Barmherzigkeit Gott näher zu kommen. Wenn mich jemand mit der Zulassung Gottes ins Jenseits befördert, dann hilft er mir, dort schneller anzukommen, wo ich ja die ganze Zeit hinwill – zu Jesus!

11. Januar
Wer möchte, dass man ihm vollkommen gehorcht, darf nur wenig Befehle geben.

Welche Eltern, Vorgesetzte, Erzieher, Ordensobere, Vorarbeiter... würden nicht froh sein, wenn sie mehr Gehorsam von ihren Schutzbefohlenen erfahren würden! Um diesen aber beim Gehorchen zu helfen, genügt es nicht, immer wieder über den Gehorsam zu sprechen. Manchmal erreicht man mehr, wenn man weniger anordnet, aber mehr informiert, erklärt, motiviert..., und zu Eigenverantwortung anregt.

12. Januar
Man soll sich für gering einschätzen, und sich nicht mit Dingen beschäftigen, für einen zu hoch und zu wunderbar sind ("in mirabilibus super se").

Der Umgang mit heiligen Dingen schützt nicht vor Hochmut und Stolz. Eitelkeit und Kariere-Streben können auch in klösterliche und geistliche Kreise eindringen. Es gibt Menschen, die wollen Musiker werden, obwohl sie kein Gehör dazu haben, andere träumen von akademischen Titeln obwohl sie eher praktisch veranlagt sind. Da wäre es besser, lieber einen bescheidenen Weg zu gehen und auf ihm etwas Gutes vollbringen, als ein unzufriedener Träumer zu sein: Lieber ein guter Messner er sein als ein problematischer Pfarrer!

13. Januar
Wir sollen unsere guten Vorsätze immer wieder erneuern und nicht den Mut verlieren, wenn Versuchungen sich dagegen erheben.

Es ist eine „normale“ Erfahrung, wenn man auf einem neuen Lebensabschnitt, in einer Ausbildung, im Studium... in Krise gerät und sich denkt, dass man wohl den Weg verfehlt hat und alles „hinschmeißen“ möchte. Wenn die Entscheidung für diesen Weg mit Bedacht und gestärkt durch guten Rat gewählt wurde. Dann kann man davon ausgehen, dass der Versucher am Werk ist. Ihm sollten wir es nicht zu leicht machen! An Schwierigkeiten kann man wachsen und stark werden.

14. Januar
Der Name Jesus mit Ehrfurcht und Liebe ausgesprochen, hat eine gewisse Kraft, das Herz zu besänftigen.

Geht es hier um das eigene Herz, oder dass des anderen? Wohl um beides. Jedenfalls fürchtet sich der Teufel vor dem Namen Jesu noch mehr als vor dem Weihwasser. Das ist gut zu wissen und heilsam anzuwenden, wenn man die Nähe des Bösen erfährt oder zu erfahren meint. Im Namen Jesu ist Rettung und Heil. Aber Ehrfurcht und Liebe sollten wir beim nennen dieses Namens nie vergessen – auch wenn nicht Unheimliches zu spüren ist.

15. Januar
Gehorsam ist der kürzeste Weg zur Vollkommenheit.

Wer gehorcht, horcht auf das, was Gott besser gefällt. Ganz gleich, ob man die Stimme Gottes im eigenen Herzen vernimmt oder durch die Verantwortlichen, durch rechtmäßige Regeln oder den Seelenführer – es geht immer darum, das Wort Jesu zu beherzigen: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Lk 9, 23).

16. Januar
Wer im geistlichen Leben wirkliche Fortschritte machen will, muss sich immer und in allen Dingen von seinen Obern leiten lassen; und wer nicht (z.B. in einer Ordensgemeinschaft) unter dem Gehorsam lebt, muss sich freiwillig einem erfahrenen und klugen Beichtvater unterwerfen und demselben an Gottes statt gehorchen, indem er ihm offen und aufrichtig den Zustand seiner Seele offenbart; ohne seinen Rat sollte er nie einen Entschluss fassen.

Hier geht es nicht nur um Priester und Ordensleute, sondern um alle, die es erfasst haben, dass der Sinn unseres Lebens darin besteht, uns durch die Ereignisse und Herausforderungen des irdischen Lebens auf eine immer tiefere Freundschaft mit Gott vorzubereiten. Die Oberen, Beichtväter und Seelenführer sind uns gegeben, um sicherer auf dem Weg zu Gott voranzukommen. Egoismus, Hochmut, Überheblichkeit, heimlicher Stolz... nehmen uns oft die objektive Sicht auf uns selber. Wie gut ist es doch, jemanden zu haben, der uns objektiver raten kann!

17. Januar
Nicht verleiht uns in unseren Handlungen eine größere Sicherheit oder zerreißt die Fallstricke, die der Teufel uns legt, kräftiger, als wenn wir im Gutes-tun lieber dem Willen eines Anderen folgen als unserem eigenen.

Am häufigsten belügt sich der Mensch selber. Darum ist es gut, ein gesundes (wenn auch nicht übertriebenes!) Misstrauen sich selber gegenüber zu pflegen. Der Versucher kommt mit seinen Künsten nicht weit, wenn jemand in aller Demut einem gut ausgewählten Berater mehr vertraut als sich selber.

18. Januar
Ehe man seinen Beichtvater wählt, sollte man es wohl bedenken; aber wenn er einmal gewählt ist, soll man ihn nur aus den dringendsten Gründen ändern, und das größte Vertrauen auf seinen Seelenführer setzen.

Es ist eine Gnade Gottes, wenn man überhaupt einen guten Beichtvater findet, der auch die geistliche Begleitung übernehmen kann und dazu bereit ist. Um diese Gabe muss man sehr beten. Aber auch ein kluges Nachdenken ist gefragt. Nicht der mir mehr sympathischere Ratgeber ist für mich auch immer der geeignetere. Entscheidend ist, dass ich nicht eine liebe freundschaftliche Beziehung suche, sondern jemanden, der bereit ist, mir den Willen Gottes zu sagen, wo ich unklar sehe.

19. Januar
Wenn es dem Teufel misslungen ist, einen Menschen zum Fall zu bringen, so wendet er all seine Kräfte an, um Misstrauen zwischen dem Beichtkind und dem Beichtvater zu säen, und dadurch erlangt er nach und nach am Ende seinen Zweck.

Misstrauen zu säen war von Anfang an die Taktik des „Vaters der Lüge“. Das sieht man an dem Gespräch zwischen Eva und Satan im Paradies (Gen 3,1-6). Bisher hatten die Stammeltern geglaubt, dass die Anordnungen Gottes gut sind. Jetzt zerstören die Verdächtigungen des Teufels das Vertrauen...
Welche Verdächtigungen nagen jetzt am Vertrauen zu meinem Beichtvater und Seelenführer?

20. Januar
Personen, die in der Welt leben, können sich in ihrem eigenen Hause heiligen; denn weder das Leben am Hof, noch in der Werkstatt oder sonst an der Arbeit ist ein Hindernis, Gott zu dienen.

Alle Menschen sind zur Heiligkeit berufen – unabhängig von Stand, Beruf, Besitz, Alter... Nicht nur das Kloster oder eine geistliche Gemeinschaft geben die Möglichkeit, nach voller Einheit mit Jesus Christus zu streben. Auch die Schwierigkeiten seitens der Familie, der Politik, des gesellschaftlichem Lebens... sind eine Gelegenheit im Geheimnis des Kreuzes zu wachsen. Aber man sollte sich helfen lassen...

21. Januar
Gehorsam ist das wahre Opfer, das wir Gott auf dem Altar unseres Herzens darbringen.

Wer gehorcht, verzichtet auf einen Teil seiner freien Willens-Entscheidung und tut, was ein anderer möchte. Wer Gott gehorcht, schenkt sein volles Vertrauen dem Schöpfer und Erlöser. Das ist das kostbarste Geschenk, das wir Gott darbringen können. Wer in allem Gott mehr gehorcht als den Menschen, schenkt sich Gott ganz. Er sucht in allem das zu erkennen und zu tun, was Gott am besten gefällt.

22. Januar
Um wahrhaft gehorsam zu sein, ist es nicht genug, zu tun, was der Gehorsam befiehlt; wir müssen es auch tun, ohne (allzu viel) darüber nachzusinnen.

Ein altes Sprichwort sagt: Ein gutes Kind gehorcht gern, genau, geschwind. Wer länger als nötig überlegt und sich wehrt, das Angeordnete zu tun, der zeigt Unlust, Bequemlichkeit und Stolz, wenn nicht sogar Misstrauen, Eigenwillen, Mangel an Glaube und Liebe...Die Grenze des Gehorsams ist die Sünde, denn „Sünde“ bedeutet Trennung von Gott. Weder Eltern, Ordensobere oder andere Vorgesetzte haben das Recht zu verlangen, was gegen Gottes Gebot verstößt.

23. Januar
Die seligste Jungfrau Maria soll unsere Liebe und unser Trost sein.

Ein kleines Kind läuft zur Mama, wenn etwas wehtut. Sie sagt ein gutes Wort, umarmt, küsst, lenkt vom Schmerz ab und weiß immer ein tröstendes Wort. Die Mutter Jesu ist auch unsere „Himmel-Mama“, zu der wir mit allen Sorgen, ja sogar mit unseren kleinen „Weh-Wehchen“ hinlaufen dürfen. Und sie freut sich darüber, wenn sie uns bemuttern darf.

24. Januar
Die guten Werke, die wir aus eigenem Willen tun, sind nicht so reich an Verdiensten wie jene, die wir aus Gehorsam verrichten.

Wer Freude daran hat, anderen zu helfen und Gutes zu tun, ist ein angenehmer und hoch zu schätzender Partner, Erzieher, Mitarbeiter... Es kann sich aber hinter dieser Freude auch ein gewisser Egoismus verstecken: Man braucht es, gebraucht zu werden und genießt es, so sozial und edelmütig... zu sein. Vielleicht macht man sich auch damit wichtig, schafft sich Positionen und wartet auf Ehrungen... Das alles fällt weg, wenn man im Gehorsam das tun, was einem aufgetragen ist.


25. Januar
Das schönste Gebet, das wir verrichten können, ist, zu Gott zu sprechen: „Wie du weißt und willst, oh Herr, so tu mit mir!“

Wer so betet, schenkt von neuem Gott sein volles Vertrauen. Das aber ist die kostbarste Gabe, die wir Gott darbringen können. Alles, was existiert, hat Gott geschaffen (außer der Sünde). Er braucht keine materiellen Opfer (vgl. Ps 50, 8-15). Unser Vertrauen ist jedoch das einzige, was er sich nicht selber erschaffen kann. Das hängt ganz und gar von uns ab. Es ist unser größtes „Kapital“: Wir armseligen Menschen können Gott beschenken – ähnlich wie kleine Kinder, die den Eltern viele Sorgen und Kummer bereiten, aber durch ihr dankbares Vertrauen wieder alles „gutmachen“...


26. Januar
Wenn Trübsale, Krankheiten und Widerwärtigkeiten kommen, so sollen wir nicht erschrocken davon laufen, sondern sie männlich überwinden.

Die schwierigen Ereignisse und Herausforderungen in unserem Leben sind keine Bosheit dessen, der das zugelassen hat. Sie sind vielmehr eine Einladung, zu trainieren, zu kämpfen und dadurch stärker zu werden. Gott fordert von uns mich mehr, als wir leisten können. Aber man muss sich in aller Demut helfen lassen, um zu siegen.

27. Januar
Es ist nicht genug zu erkennen, dass Gott das Gute will, das wir erstreben, sondern dass Er es durch uns getan haben will, auf unsere Weise und zu unserer Zeit; dies alles können wir aber nur durch wahren Gehorsam feststellen.

Wir dürfen uns nicht zu sicher sein wenn es darum geht zu entscheiden, ob unsere Pläne und Methoden wirklich optimal sind und dem Willen Gottes voll entsprechen. Wer sich immer wieder von den eigenen Vorstellungen frei macht und offen ist für den Gehorsam sowie für Korrekturen, wer auch auf andere hört, die etwas von der Sache verstehen und in dieser Angelegenheit kompetent sind, wird gerade durch diesen Gehorsam die Gabe der Unterscheidung und Erkenntnis noch deutlicher erlangen.

28. Januar
Um vollkommen zu sein, müssen wir nicht bloß unsere Oberen ehren und achten; wir müssen auch Gleichgestellten und Untergebenen Hochschätzung entgegenbringen.

Der Gehorsam den zuständigen Oberen gegenüber ist kein Automat, der von eigenem Nachdenken und Suchen dispensiert. Bevor man den Oberen um eine Entscheidung bittet, soll man sich zuerst selber mit Hilfe auch anderer erfahrener Personen beraten und wenn möglich schon eine oder verschiedene Lösungs-möglichkeiten mitbringen – in der Bereitschaft die Entscheidung des Vorgesetzten auch anzunehmen.

29. Januar
Umgang mit unseren Nächsten sollen wir ein größtmöglich gefälliges Wesen annehmen, und durch diese Freundlichkeit ihn für die Tugend zu gewinnen suchen.

Das Sich-Bemühen um ein freundliches Gesicht ist keine falsche Maske. In einem Geschäft ist es selbstverständlich, dass der Verkäufer die Kunden liebenswürdig behandelt – ganz gleich, was in seinem Inneren vor sich geht. Ein echter Christ lässt sich nicht von der Sympathie oder von der Nützlichkeit leiten, sondern er bemüht sich, alle Menschen zusammen mit Gott-Vater anzuschauen, der Sonn und Regen allen schenkt, den Bösen wie den Guten (vgl. Mt 5,43-48).

30. Januar
Ein Mensch, der ein gewöhnliches Leben unter dem Gehorsam führt, ist mehr zu schätzen, als jener, der nach seinem eigenen Willen große Bußwerke übt.

Philipp Neri hat den Gehorsam besonders hoch geschätzt, weil der Gehorsame wirklich für Gott lebt. Eigenwille Bußübungen können auch ein Zeichen von Leistungsdrang sein. Es kann sich sogar ein gewisser Ehrgeiz, ja Selbstsuch und Stolz hinter dem Streben nach asketischer Spitzenleistung verstecken. Der Gehorsam aber schützt die Demut.

31. Januar
Wenn man eine einzige Leidenschaft abtötet, so gering sie sein mag, so ist dies ein größeres Hilfsmittel im geistlichen Leben, als viele Entsagungen, Fasten und Geißelungen.

Leidenschaften bedeuten Abhängigkeiten, z.B. Alkohol, Filme, Zigaretten, Porno... und vieles mehr. Wer daran hängt, hat einen Teil seiner Freiheit verloren. Das aber schränkt auch das geistliche leben ein, besonders die Fähigkeit zu lieben. Asketische Übungen können auch hilfreich, ja notwendig sein, aber man kann auch von ihnen abhängig werden! (vgl. 1 Kor 13,3).
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Februar

1. Februar
Wer weise sein will, ohne die wahre Weisheit, oder selig werden ohne den Seligmacher, der ist nicht gesund, sondern krank, ist nicht weise, sondern ein Tor.

Das Kennenlernen der Bibel und die Person Jesu Christi gehören zusammen. Es genügt nicht das Studium, um das Wort Gottes wirklich zu verstehen. Entscheidend ist auch die persönliche Nähe zu Jesus von Nazareth, dem Sohne Gottes und Mariens. Um einen Menschen wirklich zu kennen und zu verstehen, muss man mehr von ihm wissen als das, was die klinische Untersuchung feststellt.


2. Februar
Die Andacht zur seligsten Jungfrau Maria ist wirklich notwendig, weil es kein besseres Mittel gibt, von Gott Gnaden zu erlangen, als durch seine heiligste Mutter.

Maria ist der Weg, den Gott gewählt hat, um selber Mensch und Erlöser der Menschen zu werden. Zu keinem anderen Menschen hat der Gottessohn eine größere Nähe und ein größeres Vertrauen gewonnen, als zu seiner Mama. Diese Beziehung hat nicht aufgehört. Es ist eine Erfahrung vieler Gläubigen, dass dort, wo Maria das Sagen hat, die Gegenwart und Hilfe Gottes besonders spürbar wird.


3. Februar
Man sollte sogar in kleinen Dingen, die von keiner großen Bedeutung zu sein scheinen, sich zwingen, gehorsam zu sein, denn so macht man sich die Übung des Gehorsams auch in wichtigen Dingen leicht.

Was im Großen gekonnt sein will, muss im Kleinen geübt werden! Besonders an kleinen Aufmerksamkeiten und Gesten kann eine Freundschaft wachsen oder sie kann durch sie auch in Krise geraten, wenn nicht gar zerstört werden. Wer in den Wichtigsten Entscheidungen des Lebens, z.B. Beruf, Berufung, Ehepartner…, den Willen Gottes treffen will, muss in kleinen und alltäglichen Situationen anfangen, immer wieder nach dem Willen Gottes zu fragen.


4. Februar
Wer immer im Gehorsam handelt, darf versichert sein, dass er bei der Rechenschaft über seine Handlungen vor Gott keine Furcht haben muss.

Die Frage, ja das Suchen nach dem Willen Gottes kann in Fleisch und Blut übergehen. Selbst dann, wenn sich jemand in gewissen Situationen irrt und etwas Falsches tut, zählt bei Gott die gute Absicht und Grundausrichtung des Lebens mehr als einzelne Fehlgriffe.

5. Februar
Die Vollkommenheit besteht nicht in solchen äußerlichen Dingen, wie z. B. Tränenvergießen und dergleichen, sondern in wahren und echten Tugenden.

Manche Leute meinen, dass sie dann besonders fromm wären, wenn sie gefühlsmäßig Höhen und Tiefen durchmachen. Sie suchen immer wieder nach stimmungsvollen Gottesdiensten und sind unglücklich, wenn eine Zeit der inneren Trockenheit eintrifft. Wahre Frömmigkeit zeigt sich aber nicht so sehr im Aufwallen des Gemütes, sondern in der Fähigkeit und Bereitschaft, schwierige Situation und Aufgaben so zu bestehen, wie es Gott gefällt. Denn das Wort „Tugend“ kommt von „Tauglichkeit“.

6. Februar
Tränen sind kein Zeichen, dass man in der Gnade Gottes steht; und wenn jemand beim Sprechen über heilige und fromme Dinge in Tränen ausbricht, bedeutet das noch nicht, dass er ein frommes Leben führt.

Tränen können eine Gabe Gottes sein, die hilft, alte Verwundungen aus der Seele „auszuspülen“, sie können aber auch nur ein Zeichen sein, dass jemand „nahe am Wasser gebaut hat“, also schon bei kleinen Gemütsbewegungen oft auch gegen den eigenen Willen zu weinen beginnt. Man soll Tränen nicht allzu sehr unterdrücken, sie aber auch nicht provozieren. Die Heiligkeit hängt aber nicht von diesen Begleiterscheinungen ab, sondern von der Nähe zu Gott, die oft auch eine Nähe zum Kreuz bedeuten kann.

7. Februar
Heiterer Sinn stärkt das Herz und macht uns beharrlich im guten Leben; deshalb sollte der Diener Gottes immer wohlgemut sein.

Wer Gott wirklich dienen will, darf sich nicht zu sehr vom Wetter oder anderen Umständen im Leben abhängig machen oder von ihnen einengen lassen. Sich selber und auch andere durch Humor und gute Späße aufzumuntern ist ein kostbares Geschenk für die ganze Umgebung. Es ist keine künstliche Falschheit, wenn jemand seine persönlichen Sorgen und Kümmernisse Gott übergibt, und dem anderen ein Lächeln schenkt. Wenn es aus Liebe geschieht, ist es allemal ein kostbarer Dienst.

8. Februar
Wenn man von einer Versuchung oder von irgendeiner andern Widerwärtigkeit befreit wurde, dann muss man sich bemühen, Gott für die empfangene Wohltat Dankbarkeit zu zeigen.

Wer für die Hilfe „von oben“ dankt, erspart nicht nur dem „Geber aller Gaben“ eine gewisse Enttäuschung. Dankbarkeit für die Rettung in der Not ist auch gleichzeitig ein Schutz in neuen, ähnlichen Schwierigkeiten. Undankbarkeit macht leichtsinnig und neigt zu falscher und gefährlicher Selbstsicherheit.

9. Februar
Wir müssen die Widerwärtigkeiten, die Gott uns schickt, annehmen, ohne zu viel darüber nachzugrübeln, und wir dürfen es als gewiss ansehen, dass es das Beste ist, was uns begegnen konnte.

Gott schickt uns keine Schwierigkeiten und er lässt sie auch nicht zu, weil er uns ärgern oder wehtun will. Gott weiß besser, was wir brauchen, um an Leib und Seele gesund heranzuwachsen. Ein Trainer muss seinen Sportlern viel zumuten und ihnen viel abfordern, wenn er sie zu Spitzenleistung hinführen will. Bei dem irdischen Seelen-Couch oder Arzt kann es nützlich, ja notwendig sein, auf Probleme aufmerksam zu machen. Gott aber weiß, was für uns gut ist. Er fordert nicht mehr, als wir mit seiner Hilfe schaffen können.

10. Februar
Wir dürfen nie vergessen, dass Gott alles gut macht, auch wenn wir den Grund dessen nicht gleich einsehen.

Eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes geistliches Leben ist der Glaube an die Liebe und Güte Gottes. Kinder müssen nicht immer verstehen, warum die Eltern dies und jenes von ihnen fordern. Das Vertrauen zu den Eltern hilft ihnen über schwierige Situationen hinweg. Die Augen zumachen und sich führen lassen ist ein Zeichen von großem Vertrauen.

11. Februar
Jedermann sollte gern die Meinung eines Andern gelten lassen, wenn sie auch der eigenen widerspricht und die Dinge von der guten Seite nehmen.

Ein gutes Gespräch, ein echter Dialog beginnt damit, dass man zunächst einmal auf den Gesprächspartner hinhört, ihn zu verstehen versucht – auch mit dem Herzen! Dann wächst Vertrauen und Offenheit. Es geht aber nicht darum, taktisch dem anderen überlegen zu sein und die eigenen Argumente besser einzubringen. Vielmehr geht es darum, gemeinsam der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Da muss man aber zunächst einmal herausfinden, was der andere richtig sieht und was man selber vielleicht übersehen hat.

12. Februar
Nichts ist zweckmäßiger, um den Geist des Gebetes zu erwecken, als die Lesung geistlicher Bücher.

Das gute Beten ist eine Gabe Gottes, aber man kann auch selber viel zu tun, diese Gabe zu erlangen und sie gut zu behandeln. Das Beispiel großer Beter und ihre Erfahrung so wie das Wissen von Gebets-Experten können sehr hilfreich sein, auch selber auf diesem Gebiet weiter zu kommen.

13. Februar
Empfange häufig die heiligen Sakramente, versäume die Predigten nicht, und lies oft im Leben der Heiligen.

Sakramente sind eine Begegnung, ja eine Vereinigung mit Gott. Wer die Sakramente (z.B. der Buße und der Eucharistie…) nicht routinemäßig, sondern bewusst, würdig und häufig empfängt, lebt in einer größeren Nähe Gottes. (Gute) Predigten vertiefen die Freude am Glauben und das Verstehen der Glaubens-Wahrheiten. Die Heiligen aber sind die Experten und Meister des Glaubens, die uns immer wieder mit ihrer Begeisterung für Gott und in ihrer Hilfsbereitschaft für den Nächsten entflammen können.

14. Februar
Habe Gott immer vor Augen!

Gott hat uns erschaffen und die Vereinigung mit ihm ist der Sinn und das Ziel unseres Lebens. Alles, was wir nicht (wenigstens unterbewusst) für Gott tun, ist Zeitverlust, wenn nicht sogar Untreue dem gegenüber, der uns bis zur Hingabe am Kreuz geliebt hat und mit Sehnsucht auf uns wartet.

15. Februar
Wenn man Gelegenheit zur Sünde hat, so kehre man derselben den Rücken und vermeide die Sünde.

Mit der Sünde darf man nicht spielen und auch nicht diskutieren. Das kann man am besten aus dem Bericht vom Sündenfall, also aus dem Gespräch zwischen Eva und der Schlange ablesen. Sünde ist der Bruch mit Gott, „Absonderung“, also Entfernung von Gott. Da gibt es nichts zu verhandeln! Sich entschieden abwenden und wenn nötig die Flucht zu ergreifen, ist die beste Antwort für den Versucher.

16. Februar
Es gibt nichts Gutes in dieser Welt: Vanitas vanitatum, et omnia vanitas. (Eitelkeit der Eitelkeiten, und alles ist Eitelkeit)!

Die „Welt“ mit all ihrer Oberflächlichkeit, ihren falschen Idealen, Schein-Werten, Verführungskünsten… ist wie ein Kartenhaus, das früher oder später zusammenbricht. Diese Welt kann nicht glücklich machen. Die Welt aber, in der Gott der Mittelpunkt ist, schenkt schon hier viel Freude und Frieden, weil der Schmerz in Liebe verwandelt wird. Eine solche „Welt“ ist die Vorstufe für die Ewigkeit bei Gott, für den Himmel.

17. Februar
Wir müssen am Ende sterben.

Der Himmel beginnt auf dieser Erde, die Ewigkeit in unserer Zeit. Der volle Übergang zum vollendeten Leben in Gottes Herrlichkeit führt durch den Tod des Leibes. Darauf muss man nicht nur immer gefasst sein. Es kommt darauf an, „sterben zu lernen“, alles loszulassen und von Gott her zu bewerten.

18. Februar
Anfänger im geistlichen Leben sollten sich besonders in der Betrachtung über die vier letzten Dinge üben.

Man kann nicht alles auf einmal lernen und beherzigen. Es ist sehr nützlich, wenn man in den ersten Schul-Klassen des Glaubenslebens lernt, mit folgenden Tatsachen bewusster umzugehen: Tod, Gericht, Himmel oder Hölle!

19. Februar
Wer nicht in die Hölle hinabsteigt, so lange er noch (auf dieser Erde) lebt, läuft große Gefahr, dahin zu kommen, wenn er tot ist.

Manchmal nennt man eine sehr schreckliche Situation im Leben auch in Übertragenem Sinn eine „Hölle“, Ehe, Familie, Kloster, Einsamkeit, Arbeitsplatz… alles kann wie eine Hölle werden, wenn keinerlei Verständnis, Rücksichtnahme, Achtung der Menschenwürde… da ist und vor allem Streit, Neid und Hass den Ton angeben. Der Haupt-Unterschied besteht allerdings darin, dass die irdische Grausamkeit einmal aufhört, während die wahre Hölle ewig ist. – Menschen, denen es auf dieser Erde „zu gut“ geht, laufen Gefahr, dass sie zu leichtsinnig werden, und somit tatsächlich in die unendliche Hölle geraten. Menschen aber, die auf dieser Erde Schweres durchmachen, leben gewöhnlich vorsichtiger und kommen beim Jüngsten Gericht besser weg.

20. Februar
Das größte Hilfsmittel zur Beharrlichkeit im geistlichen Leben ist eine tiefe Verwurzelung im Gebet, namentlich unter der Leitung des Beichtvaters.

Es ist keine Kunst, sich (z.B. bei Exerzitien oder auf Wallfahrten…) für ein hochfliegendes geistliches Leben zu schwärmen. Schwieriger ist es, wirklich durchzuhalten und weiter zu wachsen. Echtes und standhaftes Gebet kann über die zu erwartenden Krisen hinweghelfen. Dabei kann ein guter Couch (Geistlicher Begleiter, Seelenführer) sehr von Nutzen sein!

21. Februar
Nichts fürchtet der Teufel und sucht es so sehr zu verhindern, wie das (echte) Gebet.

Nicht jedes Aufsagen von Gebeten ist wirkliches Gebet, und nicht jede Teilnahme an „wunderbaren“ und „herrlichen“ Gottesdiensten ist auch aus der Sicht Gottes wertvoll. Denn manchmal suchen die „frommen Seelen“ mehr sich selber (den eigenen Genuss) als die Ehre Gottes. Echtes Beten bedeutet, sich mit Gott zu vereinen. Das kann dem Teufel, der uns von Gott abspenstig machen will, ganz und gar nicht gefallen. Echtes Beten vertreibt ihn aber!

22. Februar
Eine vortreffliche Methode, sich vor dem Zurückfall in schwere Fehler zu hüten, besteht darin, jeden Abend zu sagen: „Morgen bin ich vielleicht schon tot!“

Der Schlaf wird manchmal auch der kleine Bruder des Todes genannt. Man weiß ja niemals, ob man am nächsten Morgen noch aufwacht! Darum sollte man nie einschlafen, bevor man sich nicht mit Gott und allen Menschen versöhnt hat – wenigsten durch das Verzeihen fremder Schuld. Da geht es nicht um Angstmache, sondern um nüchternen Realismus.

23. Februar
Ein Mensch ohne Gebet ist wie ein Tier ohne den Gebrauch der Vernunft.

Auch die Tiere sind von Gott zu seiner größeren Ehre und zur Freude für Engel und Menschen geschaffen. Aber sie sind nicht zur Freundschaft mit Gott berufen. Sie können manchmal auch lachen und weinen, aber sie leben nach ihren Instinkten ohne eine bewusste Beziehung zu Gott aufnehmen zu können. Ein Mensch, der nicht zu Gott aufblickt und mit ihm Kontakt aufnimmt, nicht dankt und nicht einmal um etwas bittet, ist einem Tier sehr ähnlich.

24. Februar
Der Ordensstand ist der beste der verschiedenen Stände, aber eignet sich nicht für alle.

Es kommt nicht darauf an, auf welchem Weg man zu Gott in die Ewigkeit geht – wichtig ist, dass man ankommt. Und das Fahrzeug muss auch stimmen: Ein Traktor eignet sich nicht für die Autobahn und ein Flugzeug nicht für die Einkaufsfahrt in der Stadt. Es kommt nicht nur auf das Ziel an, sondern auch auf die Wahl des richtigen Verkehrsmittels. Man kann auf jedem Lebensweg heilig werden – sei es in der Einsamkeit, in einer natürlichen Familie oder auch in der geistlichen Familie (Kloster). Der Weg, auf dem man am meisten zu lieben vermag, ist für den Suchenden der beste. Man sollte sich aber von erfahrenen Leuten beraten lassen, um herauszufinden, für welchen Weg man wohl am besten geeignet ist, auf welchem man am ehesten heilig werden kann. Denn dazu sind wir alle berufen!

25. Februar
Ein überaus vorzügliches Mittel, wirklich beten zu lernen, besteht darin, dass man sich für unwürdig hält, eine solch große Gnade zu empfangen und sich ganz in die Hände Gottes übergibt.

Vorformulierte Gebete können eine große Hilfe sein. Die Psalmen sind ein Ausdruck der Gebetserfahrung des Volkes Gottes schon im Alten Testament. Sie sind zeitlos gültig, zumal sie als Wort Gottes inspiriert sind. Es kommt aber darüber hinaus darauf an, zu seinem ganz eigenen Gebet zu finden. Es ist dabei ganz entscheidend, dass man herausfindet, dass echtes Gebet mehr ein Geschenk des Himmels ist als eine eigene Leistung. Welch eine Gnade, wenn man dann seine ganze Armseligkeit Gott übergeben kann. Dann fängt das Beten nochmals an.

26. Februar
Die wahre Vorbereitung zum Gebet besteht in der Übung der Abtötung; denn wer sich dem Gebete hingeben will, ohne sich abzutöten, gleicht einem Vogel, der fliegen will, ehe er flügge ist.

Es gibt verschiedene Stufen des Gebetes. Man fängt wie ein kleines Kind zunächst einmal an, nachzusprechen, was die Großen sagen, ohne eigentlich alles zu begreifen (z.B. das Vaterunser). Wie gut, wenn man dann eines Tages fähig und willig wird, auch eigene Gebete zu formulieren oder im Herzen zu sprechen. Das „Gipfel-Gebet“, also die volle Hingabe an Gott, setzt voraus, dass man sich selber loslässt mit allem, was für die volle Einheit mit Gott hinderlich ist.

27. Februar
Wir können niemals zu einem beschaulichen Leben gelangen, wenn wir uns nicht zuerst fleißig im tätigen Leben üben.

Das Streben nach einem kontemplativen Leben kann eine Flucht sein. Manche Leute haben Angst vor dem Leben und meinen, in einem geschlossenen Kloster finden sie Ruhe und Frieden. Das kann eine große Täuschung sein. Bevor man lernt, den Willen Gottes in einem kontemplativen leben zu erfassen und zu erfüllen, muss man bereit sein, „in der Welt“ nach dem Willen Gottes zu fragen, ihn ohne Bedingungen anzunehmen und zu tun.

28. Februar
Wir müssen den Eingebungen des Geistes folgen, wie sie uns Gott im Gebet schenkt, so dass wir, wenn sie uns z.B. geneigt machen, über die Passion zu meditieren, nicht wünschen sollen, ein anderes Geheimnis zu betrachten.

Es ist im Glaubensleben wichtig, auf seine innere Stimme zu hören. Jeder Mensch ist etwas anders gebaut als die anderen. Darum gibt es keine Automatisierung im geistlichen Leben. Man soll einen erprobten und von der Kirche anerkannten Weg wählen, dann aber auch sich vom Geist Gottes immer wieder leiten lassen. Diese innere Beweglichkeit erlaubt es Gott, mit und durch uns unerwartete Dinge zu vollbringen.

29. Februar
Wenn man zur Kommunion geht, so sollte man denselben Einge-bungen des Heiligen Geistes folgen, die man im Gebet hatte, und sich nicht nach neuen Betrachtungen umsehen.

Es ist gut, wenn man für den Empfang der Heiligen Kommunion feste Gebete hat, die immer parat sind, auch wenn trockene Zeiten kommen. Noch wichtiger aber sind die spontanen Gebete aus dem eigenen Herzen, mit denen man Jesus begegnet. Diese brauchen nicht einmal immer Worte. Ein stilles Ausruhen am Herzen Jesus kann manchmal viel mehr ausdrücken als so manche schönen Worte.
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März

1. März
Wir dürfen nie für jemanden um eine bestimmte Gnade beten, außer unter der Bedingung: „Wenn es Gott gefällt“ (oder ähnlich).

Wer wollte behaupten, dass er klüger oder liebevoller wäre als Gott selber, dass er besser wisse, was für uns wirklich und nachhaltig gut ist?! Darum dürfen sich unsere Gebete nicht den Plänen Gottes widersetzen. Wenn wir Gott bei allen unseren Bitten gleichzeitig die volle Freiheit lassen, schenken wir ihm das Kostbarste, was wir ihm geben können: unser Vertrauen. Der Glaube, dass es so am besten ist, wie Gott etwas schickt oder zulässt, schenkt uns gleichzeitig großen Frieden und innere Gelassenheit.

2. März
Fühlt eine fromme Person eine große Seelenruhe, wenn sie Gott um etwas bittet, so ist es ein gutes Zeichen, dass Gott es entweder schon gewährt hat oder in Kürze gewähren wird.

Die innere Gelassenheit deutet auf eine große geistliche Reife hin. Wer in unendlichem Vertrauen Gott alles überlassen hat, der ist zu allem bereit. Jedes Kreuz wird ihm zum Segen. Mit einem solchen Menschen arbeitet Gott sehr gerne zusammen. Darum sagt Jesus: Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7).

3. März
Man sollte nie denken, dass man schon genug Gutes getan hätte, oder sich mit irgend einem Grad an Vollkommenheit begnügen dürfte, den man etwa erreicht haben könnte, weil uns Christus das Maß unserer Vollkommenheit vorgegeben hat, indem er sagte: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“

Ein zufriedener Mensch ist eine Wohltat für seine Umgebung. Für Geschäftsleute kann es ratsam sein, den Betrieb zu verkleinern und nicht ehrgeizig nach immer mehr zu streben. Im Glaubensleben ist das anders: Jesus hat uns in der Bergpredigt eine Aufgabe erteilt, die es nie erlaubt, sich auf Stillstand einzurichten (Mt 5,48). Darum schreibt auch der hl. Petrus in seinem ersten Brief: Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden (1 Petr 1,15).

4. März
Das Angenehme, das manche Leute im Gebet empfinden, ist die Milch, die unser Herr denen zu kosten gibt, die gerade anfangen, Ihm zu dienen.

Wir sind Gott dafür dankbar, dass er die Anfänger im geistlichen Leben oft etwas verwöhnt, z.B. mit Wohlgefühl beim Gebet. Das kann man mit der Milch für kleine Kinder vergleichen. Es ist aber gut, wenn man von Anfang an weiß, dass es nicht immer so bleibt. Wie wichtig kann es sein, schon im Voraus Gott die Bereitschaft zu erklären, auch härtere Kost anzunehmen. Und man sollte auf keinen Fall dieses Versprechen vergessen und nicht zu jammern anfangen, wenn die Prüfungen tatsächlich eintreffen.

5. März
Das Gebet verlassen, wenn wir gerufen werden, um für unseren Nächsten irgend einen Akt der Nächstenliebe zu tun, heißt nicht eigentlich das Gebet verlassen, sondern Christus um Christi willen verlassen: Wir verzichten auf das geistlich Angenehme, um Seelen zu gewinnen.

Für manche Menschen ist das Gebet oft angenehmer als die praktische Hilfe für jemanden, der in Schwierigkeiten ist. Aber auch durch die Hilfe für Notleidende vereinigen wir uns mit Jesus Christus, der in jedem Mitmenschen gegenwärtig ist. Darum sollte man nie das Gebet und die Sorge um Hilfsbedürftige gegeneinander ausspielen. Jedes Mal dienen wir Gott – vorausgesetzt, dass unser Gebet echt und die Hilfe durch den Glauben getragen ist.

6. März
Es ist besser, wenn man vom Gebet weggeht mit dem großen Wunsch wieder zu demselben zurückzukehren, als wenn man vom Gebet gesättigt und überdrüssig ist.

Ein voller Magen ist nicht nur für ein ernsthaftes Studium hinderlich – auch für das aufmerksame Gebet kann es besser sein, wenn man nicht zu satt ist. Ein echter und reifer Beter freut sich nicht so sehr darüber, dass er seine „Pflicht erfüllt“ hat, sondern er sehnt sich nach der Rückkehr zum Gebet, wenn andere Dinge ihn vom Gebet weggezogen haben.

7. März
Die Weisheit der Schrift lässt sich besser durch Gebet als durch Studium erforschen.

Ein Fach-Studium der Bibel kann auch für das Gebet nützlich sein, aber ohne Gebet kommt auch der Exeget nicht weit. Jedenfalls gibt es Einsichten, die man nicht in den Bibliotheken gewinnt, sondern „auf Knien“.

8. März
Wirkliche Güte beim Dienst an den Kranken ist ein direkter Weg, um zur vollkommenen Tugend zu gelangen.

Nicht nur das Gebet bringt uns Gott näher. Auch ein freundlicher Dienst ohne Murren und Stöhnen ist ein Weg zur Heiligkeit, z.B. bei schwierigen Kranken, in der Küche, beim Putzen, Waschen, am Bau, im Garten…

9. März
Die Frauen sollen sich nicht wünschen in der Öffentlichkeit aufzutreten, sondern zuhause bleiben und sich dort um ihre Familien kümmern.

Es kann notwendig sein, dass eine Frau für den fehlenden Mann einspringt. Es scheint in unseren Tagen auch gut zu sein, dass Frauen im öffentlichen Leben ein Wort mitzureden haben. Das aber sollte nie auf Kosten der Familie und der Erziehung der Kinder gehen. Für eine Frau muss die Familie immer den Vorrang haben, vor der Karriere im Beruf und in der Politik… – es sei denn, sie verzichtet auf Ehe und Familie.

10. März
Wir müssen unermüdlich um die Gabe der Standhaftigkeit beten.

Wir Menschen sind schwach und rückfällig. Geistliche Feuerwerke genügen nicht für eine gute Entwicklung des Glaubens-Lebens. Es kommt auf Krisen-Festigkeit und Durchhalte-Vermögen an. Auch diese Gaben wollen erbetet sein.

11. März
Wegen Ablenkungen oder Nervosität dürfen wir das Gebet nicht verlassen, selbst wenn es sinnlos erscheint fortzufahren. Wer seine ganze gewohnte Gebetszeit ausharrt und seinen Geist immer wieder liebenswürdig zum Gegenstand seines Gebetes zurückruft, wird viel gewinnen.

Es gibt gute Gründe, eine Gebetszeit zu unterbrechen, z.B. um einem Notleidenden zu helfen (vgl. 5. März). Aber man darf die Hilfsbereitschaft nicht als Vorwand benutzen, einer gewissen Unlust am Beten nachzugeben. Innere Spannung oder Zerstreutheit überwindet man nicht durch Fliehen vor der Anstrengung. Aber unser Ausharren im Gebet soll liebenswürdig sein, denn es ist doch Jesus, durch den wir unsere Gebete zum Himmel schicken: „durch Christus unseren Herrn.“

12. März
Wenn wir uns in Bescheidenheit und Selbsterkenntnis üben, wenn wir uns unserer eigenen Unfähigkeit versichern, und wenn wir Gott um seinen Beistand bitten, während wir Durststrecken in unserem Gebetsleben zurücklegen, dann können wir sicher sein, dass all das ein wirkliches und kraftvolles Gebet war.

Ein gutes Gebet erkennt man nicht immer an einer gehobenen Stim-mung oder an „frommen“ Gefühlen. Es ist eher die Demut, mit der man sich der Wahrheit über sich selbst stellt, die ein Gebet wertvoll macht. Gerade Durststrecken können dabei sehr hilfreich sein und haben deshalb eine wichtige Funktion in unserem geistlichen Wachstum: Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet. Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt. Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen… (Jak 1,2-4).

13. März
Die beste Arznei gegen die Trockenheit des Geistes, ist die Vorstellung ein Bettler vor Gott und den Heiligen zu sein. Genauso, wie ein richtiger Bettler in den Straßen umhergeht und um Almosen bettelt, stellen wir uns vor, von Einem zum Anderen zu gehen und um geistliche Almosen zu bitten.

Wie soll man damit umgehen, wenn im geistlichen Leben, z.B. beim Gebet, innerlich alles leer und lustlos wird? Zunächst kommt es darauf an, sich zu verdemütigen: Das geschieht dadurch, dass man zunächst zugibt, Hilfe zu brauchen. Das Bettler-Sein kann uns helfen, inneren, vielleicht unbewussten Hochmut und Selbstsicherheit abzubauen. Wie groß ist dann die Freude, wenn plötzlich doch eine Gnade das innere Leben wieder aufblühen lässt!

14. März
Wir sollen ein geistliches Almosen auch ganz körperlich erbitten, indem wir zuerst zu der Kirche des einen Heiligen, dann zu der des Anderen hingehen und dort unsere Bitten vorbringen.

Bei Gebeten kommt es nicht nur auf Gedanken oder Worte an. Da kann auch die Körpersprache hilfreich, ja wichtig sein, z.B. das Stehen, Gehen, Knien, Falten oder Ausbreiten der Hände… Auch eine Wallfahrt, das Aufsuchen einer Kirche, die einem bestimmten Heiligen geweiht ist, die Verehrung von Bilder und Reliquien,… gehören zur Körpersprache. Unser ganzer Leib kann und soll am Gebet teilnehmen, denn wir sind Leib, Seele und Geist (vgl. 1 Thess 5,23).

15. März
Ohne Gebet wird niemand lange im geistlichen Leben ausharren. Daher müssen wir täglich zu diesem kraftvollen Mittel der Rettung zurückgreifen.

Man hat das Gebet oft auch mit dem Atemholen, oder ganz allgemein mit einer Nahrung für die Seele verglichen. Auch das praktische Helfen zur Rettung von Armen und Notleidenden stärkt den Glauben. Wenn dieses aber nicht genügend durch das Gebet begleitet wird (Eucharistie, Anbetung, Bibel-Betrachtung…), kann auch der caritative Einsatz zur oberflächlichen Geschäftigkeit werden, die innerlich vielleicht sogar leer macht (z.B. Burnout).

16. März
Wenn junge Menschen sich vor der Gefahr der Unreinheit be-wahren wollen, dann sollen sie nicht sofort nach dem Essen auf ihre Zimmer zurückkehren, weder um zu lesen noch um zu schreiben oder sonst etwas zu tun. Stattdessen sollen sie sich noch ein wenig miteinander unterhalten. Denn zu dieser Zeit überfällt uns der Teufel noch stärker als gewöhnlich. Dieser Dämon wird in der Schrift „Mittagsdämon“ genannt, und schon der heilige David betete, von ihm befreit zu werden.

Um die Gabe der Reinheit zu erlangen und zu erhalten, muss man nicht nur beten, sondern auch klug auf gewisse Regeln achten, die sich auf uralte Erfahrungen stützen. Nach dem Mittagessen, besonders wenn dies üppig war, ist es nicht gut, sich sofort auf die „faule Haut“ zu legen und seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Nach einer kleinen gemeinsamen Rekreation ist es leichter mit Angriffen auf die Reinheit fertig zu werden.

17. März
Wenn junge Menschen ihre Reinheit bewahren wollen, dann sollen sie schlechte Gesellschaft meiden.

Ein altes Sprichwort weist darauf hin, wie sehr die Umgebung auf uns Einfluss hat, besonders auf junge Menschen: „Sage mir, mit wem du gehst – und ich sage dir, wer du bist!“ Unreinheit ist besonders ansteckend. Schlechte Witze, erotisch durchsetzte Diskotheken, jede Form von Porno… sind Gift für die Bewahrung und Vertiefung der Reinheit. Man muss sie meiden wie der Teufel das Weihwasser!

18. März
Ebenso sollen sie ihre Körper nicht verweichlichen.

Auch Verweichlichung ist für die Reinheit gefährlich. Ein gesunder Sport, der sich von Übertreibung und Ehrgeizig fernhält, kann dabei eine wichtige Hilfe sein. Auch das rechte Maß beim Essen und Trinken, das pünktliche Aufstehen und die Ordnung im Zimmer… können beim Kampf um die Reinheit sehr hilfreich sein.

19. März
Gott hat die Angewohnheit, das menschliche Leben mit Sorge und Trost zu durchflechten; wenigstens in einer innerlichen Weise.

Wir brauchen Sonne und Regen, Arbeit und Freizeit, Fasten- und Festtage… Das Leben soll nicht langweilig werden! Darum schickt uns Gott nicht nur das Erlebnis von Erfolg – er lässt auch die Niederlage zu. Sicherheit und Ungewissheit… das alles stärkt unsere gesunde geistliche Entwicklung. Die Dankbarkeit bei allem ist ein besonderes Zeichen von Gottvertrauen und Reife.


20. März
Junge Menschen sollten sehr sorgfältig die Faulheit vermeiden.

„Müßiggang ist aller Laster Anfang!“ So warnt ein bekanntes Sprichwort. Es ist für alle Menschen gültig und aktuell, besonders aber für Jugendliche. Sie sollten ein gutes Hobby pflegen und bewusst gegen Trägheit und Faulheit ankämpfen. Aber auch das andere Extrem ist gefährlich, das Abhängig-, ja Süchtig-werden z.B. von Computerspielen.

21. März
Wenn die Väter ihren Söhnen eine gute Ausbildung gegeben haben, so werden die Söhne, die ihnen nachfolgen und den ihnen vorgezeichneten Weg fortsetzen, die Freude erleben, zu sehen, wie ihre Familie auf den Wegen der Heiligkeit und Gottesfurcht voran-schreitet.

Eine gute Ausbildung ist überaus entscheidend für den Start ins Leben. „Ausbildung“ ist aber nicht nur beruflich zu verstehen. Eine einseitig berufliche Karriere kann echte Bildung sogar behindern. Zur ihr gehört der ganze Mensch mit Leib, Seele und Geist! Die richtige Schule, der gemeinsame Urlaub… besonders aber der Friede und die Einheit unter den Eltern ist das, was die jungen Menschen vor vielen Gefahren bewahrt und nach einer Zeit des Suchens im persönlichen Glauben festigt.

22. März
Junge Menschen sollten häufig die Sakramente, besonders das Bußsakrament empfangen, um ihre Reinheit zu bewahren.

Der regelmäßige Empfang des Bußsakramentes (z.B. etwa monatlich) ist eine große Hilfe und besonders in den Reifejahren dringend anzuraten. Dabei ist es besonders wichtig, einen ständigen Beichtvater zu haben, der auch in diesem Lebensabschnitt zum geistlichen Begleiter werden kann.

23. März
Wir dürfen uns niemals selbst zu viel zutrauen, weil das der bevorzugte Weg des Teufels ist, uns erst in Sicherheit zu wiegen und dann zu Fall zu bringen.

Wer sich seiner selbst zu sicher ist, macht oft die größten Fehler. In der übertriebenen Selbstsicherheit kommt oft ein versteckter Stolz zum Vorschein, den der Versucher geschickt auszunützen versteht. Ein gesundes Misstrauen sich selbst gegenüber bewahrt vor gefährlichem Leichtsinn. Das ist ähnlich wie bei jungen Autofahrern, die erst nach dem ersten Blechschaden vorsichtig und damit verkehrssicher werden.

24. März
Die Versuchungen des Fleisches sollten wir fürchten und vor ihnen davonlaufen, auch in Krankheit und selbst im Alter, ja, sogar solange wir unsere Augenlider öffnen und schließen können, denn der Geist der Zügellosigkeit schenkt keinem Menschen etwas – niemals und nirgendwo.

„Alte Scheunen brennen am besten!“ So versichert eine Volksweisheit aus Erfahrung. Auch in reiferen Jahren bleibt der Mensch altersgemäß angreifbar. Der hl. Paulus zählt im Galaterbrief als Beispiel folgendes auf: Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben (Gal 5,19-21).

25. März
Unser guter Herr Jesus, das fleischgewordene Wort, hat sich selbst hingegeben, damit uns nichts fehlt. Er ist bis zum schrecklichen und schändlichen Tod am Kreuz gegangen.

Am heutigen Tag feiert die Kirche das Hochfest von der Verkündigung des Herrn: Der Sohn Gottes wird unter dem Herzen seiner Mutter Maria ein Mensch – in allem uns allen gleich außer der Sünde. Aus Liebe wird er Mensch, um Sühne zu leisten für die Sünden der Menschheit – bis hin zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,5-11).

26. März
Eines der wirksamsten Mittel, um uns rein zu halten, besteht darin, echtes Mitleid mit denen zu haben, die in ihrer Schwäche fallen. Wir dürfen niemals damit prahlen, dass wir davon frei wären. Mit aller Demut sollten wir uns bewusst machen, dass alles, was wir haben, aus dem Erbarmen Gottes stammt.

Stolz ist Nahrung für die Unreinheit – Demut aber der Sieg über sie. Wer sich mit Hochmut über jene erhebt, die gefallen sind, wird selbst bald daniederliegen. Das Bewusstsein der eigenen Verletzlichkeit, die Dankbarkeit für das behütende Erbarmen Gottes und die demütige Hilfe für die Gestrauchelten sind ein großer Schutz für die Reinheit.

27. März
Wer kein Mitleid mit den Fehlern anderer Menschen zeigt, steht in der großen Gefahr, selbst bald zu fallen.

Selbstsicherheit und Herzenshärte führen zur Niederlage, denn „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Dazu rät auch der hl. Paulus: Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt. Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt (1 Kor 10,12-13).

28. März
Was die Reinheit angeht, besteht die größte Gefahr darin, die Ge-fahr nicht zu fürchten: Wenn ein Mensch sich selbst nicht miss¬traut, und wenn er ohne Furcht ist, dann ist es aus mit ihm.

Übertriebene Selbstsicherheit führt zu Leichtsinn und dieser zum Unglück. Misstrauen kann eine schwere Last sein, aber auch die Rettung. Immer aber gilt es zu beten: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen (vgl. Mt 6,13).

29. März
Der Teufel benutzt im Allgemeinen das „schwache Geschlecht”, wenn er uns zu Fall bringen will.

Das ist aus der Sicht von Männern gesagt. Wer im Hinblick auf körperlich schwere Arbeiten physisch „schwächer“ ist, muss es nicht auch moralisch sein. Die Frauen haben andere Schwächen und Stärken als die Männer. Eine besondere Schwäche gerade bei Männern mit guten und feinfühligen Herzen, kann das Mitleid sein.

30. März
Um gut anzufangen, und noch besser aufzuhören, ist es wirklich notwendig, jeden Tag die Heilige Messe mitzufeiern, es sei denn, dass uns ein gerechter Grund hindert.

Nachdem Jesus uns die Eucharistie geschenkt und die Kirche diese im Zweiten Vatikanischen Konzil „Quelle und Gipfel“ des Lebens genannt hat, darf die Bequemlichkeit kein Grund sein, die tägliche Heilige Messe zu vernachlässigen. Es geht da nicht nur um die Feier der kirchlichen Gemeinschaft, sondern auch um die persönliche Heiligung durch die volle Begegnung mit Christus.

31. März
Ein hervorragendes Mittel, um uns rein zu halten, besteht darin, all unsere Gedanken, so schnell wie möglich unserem Beichtvater mit der größtmöglichen Ehrlichkeit offenzulegen und nichts in uns verborgen zu halten.

Die Demut, die vor dem Beichtvater nichts aus falscher Scham verborgen hält und die Klugheit, die sich nicht nur zu Sünden bekennt, sondern auch die größeren Versuchungen beim Namen nennt, sind ein besonders großer Schutz für die Reinheit.
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April

1. April
Um die Tugend der Keuschheit zu erlangen und zu bewahren, haben wir einen guten und erfahrenen Beichtvater nötig.

Das ist besonders wichtig in den „Sturm- und Drang-Jahren“ der Jugend- und Reifezeit. Dadurch, dass der Beichtvater seinen Schützling immer besser kennt, kann er ihm auch besser Rat geben. Es geht um mehr als um die Lossprechung! Wenn eine Abhängigkeit entstanden ist, sollte diese schrittweise überwunden werden. Die gemeinsame Sorge um das Problem und das gemeinsame Gebet sind eine ganz wichtige Hilfe.

2. April
Wer den ersten Platz einzunehmen wünscht, soll den letzten wählen.

Ohne Demut gibt es keinen Fortschritt im geistlichen Leben. Wie gut ist es, wenn es gelingen sollte, sich davon zu überzeugen, dass der „letzte Platz“ in der Logik des Evangeliums der Erste ist!

3. April
Sobald man fühlt, dass man in Versuchung gerät, soll man seine Zuflucht zu Gott nehmen und mit Andacht jenes Schutzgebet aus-sprechen, das die Väter der Wüste so hoch hielten: „O, Gott, komm mir zu Hilfe – Herr, eile mir zu helfen!“ oder jenen Vers: „Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott!“

Besonders dann, wenn es um Versuchungen gegen die Reinheit geht, ist es so wichtig, dass man sich nicht auf ein Kräftemessen einlässt. Dieses wäre eine sichere Niederlage! In solchen Situationen ist die Flucht aus dem „Schlachtfeld“ die einzige Rettung. Dazu muss aber auch Zuflucht genommen werden, nämlich zur Hilfe „von oben“!

4. April
Wenn sinnliche Gedanken kommen, so müssen wir unseren Geist sogleich auf irgendetwas anderes richten.

Bei Gedanken, die für die Reinheit gefährlich werden können, sind gewöhnlich Themenwechsel und Ablenkung als erste Maßnahmen zu empfehlen, z.B. die Beschäftigung mit einem spannenden Buch, einem beliebten Hobby…

5. April
Sage nie: „Was für große Dinge tun doch die Heiligen!“ sondern sage vielmehr: „Was für große Dinge wirkt Gott in seinen Heiligen!“

Die Heiligkeit ist nicht so sehr das Ergebnis eigener Anstrengung, als vielmehr die Frucht der Zusammenarbeit mit der Gnade Gottes. Man muss sich Augenblick für Augenblick durch den Heiligen Geist führen lassen und immer bewusst den Willen Gottes suchen und tun. Dann kommt man am Schnellsten ans Ziel.

6. April
Im Kampf mit dem Fleische gewinnen nur die Feigen den Sieg; diejenigen nämlich, welche fliehen.

In einem Krieg gilt die Flucht vor dem Feind als Feigheit. Es gibt sogenannte „Helden“, die lieber auf dem Schlachtfeld zugrunde gehen als zu fliehen. Im Kampf um die Reinheit ist es umgekehrt: Wer rechtzeitig vor der Auseinandersetzung flieht ist der wirkliche Held!

7. April
Wir brauchen uns weniger um den Sorgen machen, der zwar im Fleische versucht wird aber widersteht, weil er die Gelegenheiten meidet, als über einen, der nicht versucht wird aber die Gelegen-heiten (zur Sünde) nicht sorgfältig flieht.

In Versuchungen gegen die Reinheit zu geraten, ist noch keine Sünde. Aber gefährlich und schlimm wird es, wenn man diese Versuchungen selbst leichtsinnig oder zu selbstsicher provoziert, durch die Teilnahme an bestimmten Anlässen und Situationen, anstatt diese Gefahren von vornherein auszuschließen (Porno im Internet, im Kino, durch den Fernseher, in Zeitschriften, Diskotheken, ungute Bekanntschaften…).

8. April
Wenn jemand sich selber der Gefahr zu sündigen aussetzt, indem er (selbstsicher) spricht: „Ich werde nicht fallen, ich werde die Sünde nicht begehen“, so ist es beinahe ein untrügliches Zeichen, dass er fallen wird und das mit umso größeren Schaden für seine Seele.

Durch die Überschätzung eigener Fähigkeiten, kann man ungeheure Fehler machen. Es gibt ein gesundes Misstrauen gegen sich selbst und ein falsches Sicherheitsgefühl. Durch gute Seelenführung kann man auch in dieser Angelegenheit klüger – jedenfalls rechtzeitig gewarnt werden.

9. April
Es ist überaus nützlich, oft und von Herzen zu sagen: „Herr setze kein Vertrauen auf mich, denn ich falle gewiss, wenn du mir nicht beistehst;“ oder: „O mein Herr, erwarte von mir (ohne deine Hilfe) nichts, als Böses.“

Solche Gebete sind Ausdruck von heilsamer Bescheidenheit. Sie rühren das Herz Jesu an und ziehen viel Hilfe und Beistand auf uns herab.

10. April
In Versuchungen sollten wir nicht sprechen: „Ich will dieses tun oder sagen“; denn dies ist eine Art von zu großem Selbstvertrauen; wir sollten eher mit Demut sprechen: „Ich weiß zwar, was ich tun sollte, aber ich weiß nicht, was ich wirklich tun werde.“

Echte Demut bewahrt vor Überheblichkeit im Umgang mit Versuchungen. Wer seine Schwachheit vor Gott bekennt, schützt sich selber in Gefahren.

11. April
Der Gestank der Unreinheit ist vor Gott und den Engeln so groß, dass kein anderer Gestank in der Welt ihm gleichkommt.

Unreinheit ist für den Himmel ein besonders schlimmes, ja grauenhaftes Übel. Wo Unreinheit geduldet wird, verschließen sich die Tore des Himmels. Wenn die Unreinheit nicht bekämpft wird, macht sie uneinsichtig. Sie schwächt oder zerstört den Glauben, hindert beim Beten und macht rebellisch…

12. April
Wir dürfen nicht auf uns selbst vertrauen, sondern müssen den Rat unseres Beichtvaters annehmen und uns immer wieder dem Gebet anderer anempfehlen.

Niemand ist so weise und vollkommen, dass er nicht wenigstens gelegentlich den Rat eines Seelenführers oder eines anderen erfahrenen Menschen bräuchte. Es ist auch wichtig, immer wieder einmal um das Gebet aller zu bitten.

13. April
Vor der Lüge müssen wir fliehen, wie vor der Pest.

Denn wer lügt, begibt sich in die Abhängigkeit vom „Vater der Lüge“. Die Lüge zerstört das Vertrauen zwischen den Menschen und tut besonders jenem weh, der von sich gesagt hat: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich (Joh 14,6).

14. April
Wenn wir zur Beichte gehen, müssen wir uns zuerst unserer ärgsten Sünden anklagen und derjenigen Dinge, über die wir uns am meisten schämen. So stürzen wir den Teufel in größere Verwirrung und tragen mehr Frucht von unserer Beichte davon.

Oft machen es die Leute umgekehrt: Erst beichten sie die „kleinen Fische“ und dann – leise und kaum hörbar – die „größeren Brocken“. Das gibt dem Erz-Feind der Beichte, dem Satan, Gelegenheit, auch noch in die Beichte hinein zu wirken. Das demütige Bekenntnis verjagt ihn dagegen, denn Demut kann der stolze Widersacher nicht ertragen.

15. April
Eines der besten Mittel, um die Demut zu erlangen, ist eine auf-richtige und häufige Beichte.

Demut ist eine Tugend, also Tauglichkeit. Diese erlangt man nicht einseitig durch Studium und Diskussionen, sondern dazu gehören praktische Übungen und Training. Durch die Übung der häufigen und regelmäßigen Beichte, werden wir tauglich für ein Leben aus dem Glauben in enger Gemeinschaft mit Jesus Christus.

16. April
Wenn wir unsere bösen Gewohnheiten wirklich loswerden wollen, so ist es von größter Wichtigkeit, nach einem Fall die Beichte nicht aufzuschieben, und bei ein und demselben Beichtvater zu bleiben.

Je öfter wir Rückschläge im Kampf mit unseren sündhaften Schwächen einstecken müssen, umso treuer gilt es, die Beichte bei ein und demselben Beichtvater durchzuhalten. Ein häufiger Wechsel aus falscher Scham verschlimmert nur die Situation.

17. April
Beim Besuch von Sterbenden sollten wir nicht viele Worte machen, sondern ihnen vielmehr dadurch beistehen, dass wir für sie beten.

Beim Besuch eines Schwerkranken kommt es nicht auf viele Worte an. Das liebevolle Dasein ist meistens die größte Hilfe. Wenn der Sterbende christlich aufgewachsen ist, kennt er sicherlich das Vaterunser, das man langsam vorbeten sollte, auch wenn der Sterbende nicht mehr laut mitbeten kann. Vermutlich hört er es aber und er kann im Herzen mitbeten. Auch kurze Anrufungen wie z.B. „Mein Jesus, Barmherzigkeit!“ können viel für den Patienten bedeuten, ja sogar die Rettung sein.

18. April
Ein Kranker sollte Gott das Geschenk seines Willens machen. Auch wenn er lange zu leiden hat, so muss er sich doch dem göttlichen Willen unterwerfen.

Auch ein Kranker kann Gott viel schenken, wenn er immer wieder dies oder jenes Gott aufopfert, z.B. seine eigenen Pläne, die durch die Krankheit durchkreuzt wurden. Das kann ein großes Geschenk werden, z.B. für den Heiligen Vater, für die Verstorbenen im Fegefeuer oder in anderen Anliegen von Kirche und Welt. Die größte und wertvollste Gabe ist aber die Übergabe des eigenen Lebens in der Bereitschaft, den Tod schon im Voraus anzunehmen: zu jeder Zeit, an jedem Ort und unter allen Umständen… wie Gott will.

19. April
Der Kranke sollte sich nicht fürchten, wenn er versucht wird, das Vertrauen auf Gott zu verlieren; denn wenn er gesündigt hat, so hat Christus doch auch für ihn gelitten und das Lösegeld bezahlt.

Eine schwere, lange Krankheit kann von großen Versuchungen begleitet sein: Warum muss gerade ich so leiden? Ich habe doch immer gebetet und alle meine religiösen Pflichten erfüllt! In einer solchen Situation sollte man daran denken, dass die Krankheit nicht als Strafe zu verstehen ist. Jesus der Leidende und Gekreuzigte ruft in seine Nähe. Die Berufung zu leiden ist eine Gabe seiner Liebe. Dieses Leiden, wenn es aufgeopfert wird, kann viele Menschen vor dem ewigen Tod retten.

20. April
Ein Kranker möge sich in die Seitenwunde Jesu und in seine ande-ren hochheiligsten Wunden versenken; er soll sich nicht fürchten, sondern mannhaft kämpfen, so wird er siegreich aus seiner Krankheit hervorgehen.

Die Seitenwunde Jesu führt zu seinem Herzen. In ihm ist auch Platz für mich, für alle Menschen. Blut und Wasser strömen hervor und laden uns ein, durch den Glauben alle Angriffe des Bösen zu besiegen. Mit Gottes Hilfe dürfen wir jeden Schmerz in eine noch größere Liebe verwandeln.

21. April
Der wahre Weg, um in heiligen Tugenden Fortschritte zu machen, besteht darin, in heiliger Fröhlichkeit zu verharren.

Es genügt nicht, mit den verschiedensten Lastern zu kämpfen. Der reife Christ vermag fröhlich zu sein, auch wenn alles wehtut. Denn Jesus kämpft zusammen mit seinen Getreuen. Das stärkt alle Fähigkeiten und erhöht die Tauglichkeit für ein Leben nach dem Evangelium.

22. April
Die Frohsinnigen sind im geistlichen Leben viel leichter zu führen, als die Trübsinnigen.

Humor und heitere Stimmung sind nicht nur Sache der Veranlagung. Man kann auch selber viel daran tun und muss nicht immer seine Müdigkeit, Enttäuschungen, Unwohlsein… demonstrieren. Ein freundliches Gesicht zu machen, obwohl manches an Leib und Seele wehtut, ist Sache der Nächstenliebe. Man kann auch um die Gabe des Humors beten!

23. April
Wer in den Ordensstand eintreten will, sollte vor allem sich selbst lange Zeit abtöten und das besonders in Dingen, gegen die er die größte Abneigung hat.

Bevor ein Fußballer von der Ersatzbank auf das Spielfeld gelassen wird, sollte er sich warmlaufen, damit es durch plötzliche Hochleistung zu keiner Überforderung der Muskeln kommt. Ernsthaftes Ordensleben kann auch Hochleistungen erfordern (wie auch die natürliche Familie). Wie gut ist es, wenn man schon im Training ist, bevor es „ernst“ wird…

24. April
Eine außerordentliche Traurigkeit entspringt selten aus einer anderen Quelle, als aus dem Stolz.

In einer tief, lang anhaltenden Traurigkeit schwingt oft ein gewisses Beleidigt-Sein mit. Man verbirgt den verletzten Stolz unter dem Mantel der Trauer. Man muss auch Gott „vergeben“ können in der gläubigen Annahme seiner Entscheidungen – gerade dann, wenn wir sie nicht verstehen.

25. April
Nächstenliebe und Frohsinn, oder Nächstenliebe und Demut, sollte immer unser Wahlspruch sein.

Immer ist die Liebe gefragt – ganz gleich, ob in der „Verkleidung“ des Frohsinnes oder der Demut. Frohsinn und Demut sind zwei Seiten einer Medaille. Sie werden durch die Liebe zusammengehalten.

26. April
Es ist sehr notwendig, heiteren Sinnes zu sein; aber wir brauchen deshalb keine Possen zu reißen.

Heiter zu sein bedeutet etwas anderes als ein Spaßvogel oder ein Kabarettist zu sein. Die christliche Heiterkeit kommt aus dem bedingungslosen Vertrauen zu Gottes Liebe und Vorsehung. Sie erzeugt Fröhlichkeit und kehrt schnell zurück, wenn es einmal ein Unwetter gegeben hat.

27. April
Das Possenreißen hindert daran, im geistlichen Leben Fortschritte zu machen.

Wer „Possen reißt“, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich selbst, will beachtet, geschätzt sein und möglichst immer wieder im Mittelpunkt stehen. Wer im geistlichen Leben vorankommen will, braucht dieses Theater nicht mehr. Man kann auch gerne und herzlich über einen guten Witz lachen, aber die Fröhlichkeit ist tiefer angesiedelt.

28. April
Ja, noch mehr, es vernichtet sogar das Wenige, was man bereits erlangt haben mag.

Durch künstlichen, an den Haaren herbeigezogenen Humor kann man mehr zerstören als gewinnen. Christliche Fröhlichkeit strahlt, aber sie ist nicht ausgelassen. Das Gelächter wird nicht zum lauten Schreien, sondern hält sich in Maßen. Dafür kommt das fröhliche Lachen schnell zurück, wenn einmal eine Störung auftritt.

29. April
Bei Tisch, besonders wenn Gäste da sind, müssen wir von jeder Art von Speise essen und nicht sagen: „Dies und jenes mag ich nicht.“

Wichtiger als die Befriedigung der eigenen Esslust und des eigenen Geschmacks, ist die gute Harmonie bei Tisch. Das Essen soll gesund sein, aber wenn man etwas nicht verträgt, kann man ja weniger nehmen oder still auf anderes ausweichen. Bei Tisch gibt es viele Gelegenheiten, unauffällig kleine geistliche Geschenke zu machen, indem man dies und jenes, was einem nicht ganz zusagt, einfach „aufopfert“.

30. April
Die menschliche Sprache kann nicht die Schönheit einer Seele beschreiben, die im Stande der Gnade stirbt.

„Im Stand der Gnade“ zu sterben bedeutet, dass man seine Seele, gereinigt von aller Schuld, bewusst in die Hände Gottes zurücklegt. Welch ein Geschenk für Himmel und Erde zugleich!
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Mai

1. Mai
Wenn es einem Menschen sehr schwer fällt, Beleidigungen zu vergeben, so soll er ein Kruzifix betrachten und daran denken, dass Gott für ihn all sein Blut vergossen hat. Er hat nicht nur selber seinen Feinden vergeben, sondern den Ewigen Vater gebeten, ihnen auch zu vergeben.

Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den anderen links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,32-33). Die Vergebung ist die Voraussetzung für jede volle Teilnahme an der Eucharistie, ja für das echte Beten überhaupt: Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe (Mt 5,23-24).

2. Mai
Er soll sich auch daran erinnern, dass er, so oft er das Vaterunser betet, anstatt um Verzeihung seiner Sünden zu erlangen, die Rache auf sie herabruft.

Es genügt nicht das Vaterunser und andere Gebete auswendig aufzusagen, ohne an den Inhalt zu denken. Da heißt es doch, dass Gott uns so die Sündenschuld vergeben möge, wie wir es jenen gegenüber tun, die an uns schuldig geworden sind. Beim Vaterunser heißt es: Und vergib uns unsere Schuld… Der Gebrauch der Mehrzahl (unsere Schuld) sollte nicht dazu verleiten, die eigenen Sünden hinter denen der anderen zu verstecken. Darum ist es gut, bewusst die Einzahl zu benutzen: Ich bekenne Gott… dass ich viel gesündigt habe… Auch der verlorene Sohn bekennt bei seiner Heimkehr vor dem Vater: Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein (Lk 15,21).

3. Mai
Die Menschen zimmern sich in der Regel ihre Kreuze selber.

Es gibt auserwählte Seelen, denen von Gott die Aufgabe und Gnade gegeben wird, am Sühneleiden Jesu für die Sünden der Menschheit in besonderer Weise teilzunehmen. Das aber sollte man nicht verwechseln mit den Schwierigkeiten, die man sich selber eingebrockt hat. Und dennoch kann das Leiden, das man selber verschuldet hat, zu einer wertvollen Gabe umgewandelt werden, wenn man seine Fehler in dem Zusammenhang echt bereut und die Schmerzen aufopfert in den Anliegen der Kirche und der ganzen Welt.

4. Mai
Wir wollen uns vollkommen in die göttliche Liebe hineinversenken und so tief in den lebendigen Strom der Weisheit eintauchen, der aus der Seitenwunde unseres menschgewordenen Gottes strömt. So wollen wir uns selbst verleugnen und unserer Eigenliebe voll und ganz absagen. Wir wollen unfähig werden, aus dieser Wunde wieder herauszufinden.

Der hl. Philipp Neri, der selber ein aus Liebe verwundetes Herz in sich trug, betrachtete immer wieder die Seitenwunde des Gekreuzigten und das hervorquellende Blut. Dieses nennt er „Strom der Weisheit“, denn es ist das Zeichen und die Nähe der erlösenden Liebe Gottes. Der hl. Philipp Neri wollte gar nicht mehr aus dieser Herzenswunde heraustreten, sondern immer in ihr verweilen.

5. Mai
Wir dürfen das Bitten und Beten nicht aufgeben, nur weil wir nicht sofort erlangen, um was wir bitten.

Das vertrauensvolle Beten hat immer seinen Wert, auch wenn sich herausstellt, dass man um etwas Verkehrtes gebetet hat. Gott sieht und schätzt den guten Willen…

6. Mai
Wer nicht lange Zeit im Gebet verweilen kann, sollte wenigstens oft seinen Geist zu Gott, durch ein Stoßgebet erheben.

Längere Gebetszeiten (z.B. eine übernommene Anbetungsstunde), können zu einem echten inneren Kampf werden (Ablenkungen, Zerstreutheit, Müdigkeit…). Stoßgebete können da eine gute Hilfe sein, die übernommene Zeit zu überbrücken und bei Jesus auszuhalten. Auch dieser Kampf mit sich selbst, kann ein sehr wertvolles Gebet werden.

7. Mai
Wir müssen uns oft daran erinnern, was Christus sagte: Nicht wer begeistert anfängt, sondern wer bis ans Ende aushält, wird selig werden.

Die Anfangsbegeisterung nach einer tiefen Begegnung mit Gott (Exerzitien, Wallfahrten, Papstbesuch…) ist zwar sehr angenehm, aber meistens kurzlebig. Diese erste Hochstimmung ist wichtig, aber sie muss rechtzeitig in solide Bahnen gelenkt werden, damit sie nicht allzu schnell wieder erlischt.

8. Mai
Wir müssen alles Affektierte Gehabe verabscheuen, sei es im Sprechen oder in der Kleidung, oder in sonst etwas.

Gefühle sind notwendig, und sie können kostbar sein. Aber sie können auch durch künstliches Gehabe mehr zerstören als aufbauen. Wie gut und angenehm ist doch schlichte Natürlichkeit ohne Demonstration!

9. Mai
Wenn eine skrupelhafte Person zu der Überzeugung gekommen ist, dass sie einer Versuchung nicht nachgegeben hat, dann darf sie nicht weiter darüber nachgrübeln, um zu sehen, ob sie auch wirklich völlig widerstanden hat, oder nicht. Denn die Versuchung kommt durch solche Überlegungen unnötig oft zurück.

Wenn man in einer Versuchung schwach geworden ist, dann tut man gut daran, diese Angelegenheit sofort der Barmherzigkeit Gottes zu übergeben. Jede weitere Beschäftigung damit, kann kontraproduktiv sein und das Problem nur noch vergrößern. Ein übertriebenes Jammern und Beklagen über eigene Schwächen, deutet manchmal auf einen versteckten und beleidigten Stolz hin.

10. Mai
Wenn man durch Skrupel belästigt wird und wissen will, ob man einer Versuchung, speziell in Gedanken, nachgegeben hat oder nicht, dann kann man das so nachprüfen: Wenn man während der Versuchung zum Laster immer eine lebendige Liebe zur entgegengesetzten Tugend und einen tiefen Hass auf dieses Laster hatte, ist das im allgemeinen ein guter Beweis, dass man nicht nachgegeben hat.

Man kann auch in Gedanken und durch das Spielen mit sündhaften Vorstellungen sündigen. Aber besser als der krampfhafte Versuch, den Grad einer solchen Sünde herauszufinden, ist die Erneuerung der Liebe zu Jesus, die auch die notwendigen Tugenden reinigt und stärkt.

11. Mai
Skrupelhafte Leute sollten sich immer und in allen Dingen nach dem Urteil ihres Beichtvaters richten und sich daran gewöhnen, ihre eigenen Skrupel zu verachten.

Skrupel sind eine Krankheit, eine übertriebene Empfindlichkeit für Mängel und Schwächen, die mehr behindert als nützt. Es ist nicht leicht, aber möglich, diese Krankheit einzudämmen. Der Preis dafür ist ein ganz konsequenter Gehorsam dem Beichtvater (Seelenführer, Geistlichen Begleiter) gegenüber und die Medizin ist das wachsende Vertrauen auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit.

12. Mai
Die Skrupel sind eine Krankheit, die zwar gelegentlich einen Waffenstillstand mit einem Menschen schließen wird, aber selten einen Frieden. Allein die Demut wird über sie siegen.

Zur Eindämmung und Beherrschung der Skrupulosität gehört es, sich (und anderen) einzugestehen, dass man dieses Problem hat und Hilfe braucht. Das ist heilsame Demut (vgl. Alkoholiker).

13. Mai
Selbst bei körperlichem Unwohlsein sind geistliche Heilmittel am hilfreichsten.

Denn der Mensch ist Geist, Seele und Leib. Allgemein bekannt sind psychosomatische Krankheiten (z.B. Magenprobleme, die auf die seelische Verfassung drücken, traurig machen lassen…). Es gibt aber auch Beziehungen zwischen der psychischen und spirituellen Ebene. Ein altes Sprichwort versichert: Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Bei einem guten Gewissen kann man besser schlafen, und der Schlaf ist oft die beste Medizin…

14. Mai
So viel Liebe, wie wir den Geschöpfen schenken, so viel entziehen wir dem Schöpfer.

Es ist so gut und schön, durch die Pflege der Schöpfung den Schöpfer zu preisen. Aber die übertriebene Tierliebe, Sorge um Arterhaltung usw. entwickelt sich oft zu einem gewissen Pantheismus, in dem die Grenzen zwischen Schöpfung und Geschöpf verwischt werden. So kann man die „Schöpfung“ zum Götzen machen…

15. Mai
Ein Beichtkind sollte seinen Beichtvater nicht dazu drängen, ihm eine Erlaubnis zu geben, die gegen seine Überzeugung ist.

Wer mit der regelmäßigen Beichte auch echte Seelenführung verbinden möchte, muss wirklich durch den Beichtvater auf Jesus selber hören und durch den Gehorsam Jesus die Antwort geben.

16. Mai
Wer die geringste Neigung zum Geiz in sich hat, der wird nie den mindesten Fortschritt in der Tugend machen.

Dann sagte er (Jesus) zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt (Lk 12,15). Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist (Kol 3,5).

17. Mai
Die Habsucht und der Geiz sind die Pest der Seele.

Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet (1 Tim 6,7-10).

18. Mai
Die Erfahrung lehrt, dass Menschen, die an sinnlichen Sünden hängen, sich eher bekehren, als jene, die vom Geiz eingenommen sind.

Es ist ein Naturrecht des Menschen, dass er etwas besitzen kann und es ist normal und gesund, wenn er besitzen will. Dabei darf er aber die Not der anderen nicht übersehen. Der Christ fühlt sich nicht als Besitzer der Dinge, über die er disponieren kann, sondern viel mehr als Verwalter. Glücklich aber, wer die Güter der Ewigkeit höher schätzt, als das, was er auf dieser Erde besitzt: Darum fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und ängstigt euch nicht! Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß, dass ihr das braucht. Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben (Lk 12,29-31).

19. Mai
Wer nach irdischen Gütern strebt, wird nie den Geist der Hingabe erlangen.

Mit „Hingabe“ ist hier die völlige Übergabe des eigenen Lebens an Gott gemeint. Darin besteht die Heiligkeit. Wenn für jemanden ein gewisser Lebensstandard zu wichtig ist, wenn es an der Bereitschaft zu einem bescheidenen Lebensstil fehlt, ja nötigenfalls ohne alle irdischen Güter, dann muss man nicht von einer besonderen Gottesnähe träumen.

20. Mai
Alle Sünden missfallen Gott, aber besonders die Sinnlichkeit und der Geiz, die am schwersten zu heilen sind.

Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit. Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. Habt darum nichts mit ihnen gemein (Eph 5,3-7).

21. Mai
Wir müssen Gott immer bitten, dass er den Geist des Geizes nicht über uns Herr werden lässt, sondern dass wir frei von aller Anhänglichkeit an diese Welt leben mögen.

Wahrhaftig, der Reichtum ist trügerisch, wer hochmütig ist, kommt nicht ans Ziel, wenn er auch seinen Rachen aufsperrt wie die Unterwelt und unersättlich ist wie der Tod, wenn er auch alle Völker zusammentreibt und alle Nationen um sich vereinigt. Werden sie nicht alle ein Spottlied auf ihn anstimmen? Ja, sie werden ihn verhöhnen und sagen: Weh dem, der zusammenrafft, was nicht ihm gehört, und sich hohe Pfänder geben lässt. Wie lange wird er es noch treiben? Plötzlich werden vor dir deine Gläubiger stehen, deine Bedränger werden erwachen und du wirst ihre Beute. Du hast viele Völker ausgeplündert; deshalb plündern jetzt die Völker dich aus, die übrig blieben, wegen des Blutes, das du vergossen hast unter den Menschen, wegen der Gewalttaten, die du verübt hast an Ländern und Städten und an all ihren Bewohnern. Weh dem, der für sein Haus unrechten Gewinn sucht und sich hoch droben sein Nest baut, um dem drohenden Unheil zu entgehen (Hab 2,5-9).

22. Mai
Wenn wir nichts in der Welt finden, was uns gefällt, so sollten wir uns gerade darüber freuen, dass uns nichts gefällt.

Denn was uns auf dieser Welt allzu sehr gefällt, zieht uns leicht von dem ab, was wirklich und nachhaltig wertvoll ist, und das sind die ewigen Güter. Darum sagt Jesus: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich (Mt 5,3).

23. Mai
Wer die christliche Vollkommenheit erlangen will, darf an nichts Irdischem hängen.

Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass man ganz und gar für Gott und mit Gott lebt. Da sind keine Kompromisse möglich. Alles Irdische hat nur so viel Sinn und Wert, wie es ein Ausdruck der Liebe zu Gott ist: Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft (Dtn 6,4-5).

24. Mai
Es ist gut, die Welt und unsere Besitztümer zu verlassen, um Gott zu dienen, aber es ist nicht genug.

Zur „Armut vor Gott“ gehört die Bereitschaft, sich ganz von Gott erfüllen zu lassen. Das zeigt sich an der ernsthaften Suche nach dem Willen Gottes, an einer Dienstbereitschaft ohne Bedingungen. Es geht um ein übernatürliches Vertrauen: Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage (Mt 6,31-34).

25. Mai
Die Größe unserer Liebe zu Gott erweist sich darin, dass wir den Wunsch haben, um seiner Liebe willen zu leiden.

Gottes Liebe zu uns hat sich darin erwiesen, dass er für uns Mensch geworden ist bis hin zum Kreuz. Wie kann ich meine Liebe zu Gott zeigen? Bin ich wirklich bereit, aus Liebe auch zu leiden und das Leiden in noch größere Liebe zu verwandeln? Herr, erbarme dich!

26. Mai
Lasst uns nach der Reinheit des Herzens streben; denn der Heilige Geist wohnt nur in reinen und kindlichen Seelen.

„Die Reinheit des Herzens“ bedeutet mehr als Tadellosigkeit im erotischen Bereich. Das „Herz“ umfasst im biblischen Sprachgebrauch die gesamte Persönlichkeit, die Gesinnung, das Denken, Fühlen und körperliche Verhalten… Ein Herz ist „rein“, wenn es ohne Falsch ist, ohne Hintergedanken und Täuschungsversuche. Darum ist ein reines Herz eine Wohnung für den Heiligen Geist. Das kann man besonders deutlich an Maria, der Mutter Jesu, sehen.

27. Mai
Der Heilige Geist ist der Lehrmeister des Gebetes und macht, dass wir beständigen Frieden und Freude genießen, die ein Vorgeschmack des Himmels sind.
Der Heilige Geist ist die Liebe, die VATER und SOHN in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit verbindet. Wo der GEIST GOTTES gegenwärtig ist, bewirkt er Ruhe und Frieden – die Voraussetzungen für übernatürliche Freude und den Beginn des Himmels auf der Erde.

28. Mai
Wenn wir wünschen, dass der Heilige Geist uns beten lehrt, so müssen wir uns Demut und Gehorsam üben.

Das Gebet, das der Heilige Geist lehrt, bedeutet viel mehr als den Gebrauch von Gebetbüchern und liturgische Perfektion. Wo der Heilige Geist wirkt, da ist Lobpreis und Hingabe, Einheit und Glück. Dazu kommt es aber nur zum Preis von Demut und Gehorsam.

29. Mai
Die Frucht, die wir aus dem Gebet ziehen sollen, besteht darin, zu tun, was dem Herrn gefällt.

Wir bitten und betteln manchmal um viele Dinge, die gar nicht so wichtig sind. Das Wertvollste aber der Wille Gottes für uns wie für andere: Dein Wille geschehe – wie im Himmel so auf Erden!

30. Mai
Ein tugendhaftes Leben besteht darin, Laster, Sünden, böse Gedanken und böse Neigungen abzutöten, und uns in der Erlangung heiliger Tugenden zu üben.

Um ein Leben zu führen, das für die Freundschaft mit Gott „tauglich“ ist, kommt es nicht nur darauf an, alles zu beseitigen, was Gottes Gegenwart im eigenen Herzen behindert. Man muss nach dem Ausreißen von Unkraut und der Vernichtung von Schädlingen auch neue, fruchtbare Gewächse anpflanzen. Auf diese weist z.B. auch der Galaterbrief hin: Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, sodass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt. Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz. – Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht. Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen (Gal 5,16-25).

31. Mai
Lasst uns demütig sein und uns zu den Niedrigen zählen: Gehorsam, Demut, und Loslösung von allem Irdischen!

Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt (Eph 5,1).
… macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der Anderen (Phil 2,2-4).
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Juni

1. Juni
Die Liebe, welche die seligste Jungfrau zu Gott hatte, war so groß, dass sie durch ihre Sehnsucht, sich mit Ihm zu vereinigen, tiefen Schmerz empfand; daher sandte ihr der Ewige Vater, seinen einzigen und geliebten Sohn, um sie zu trösten.

Die Unbefleckte Empfängnis, die Maria im Hinblick auf die Mutterschaft für ihren göttlichen Sohn zuteil wurde, war nicht nur eine überaus große Gnade, sondern auch eine ungewöhnliche Last. In ihrer ungewöhnlichen Feinfühligkeit für alles Göttliche und auch für alles Sündhafte, litt sie mehr, als alle anderen Menschen schon von klein auf. Darum ist ihr Sohn für sie auch der größte Trost, den Gott ihr geschenkt hat.

2. Juni
Wenn ihr zur himmlischen Glorie gelangen möchtet, so müsst ihr den Weg einschlagen, der durch Dornen führt.

Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn (Mt 7,13-14).

3. Juni
Bevor wir die heilige Kommunion empfangen, sollten wir uns in vielen tugendhaften Taten üben.

Man soll sich schon vor dem Empfang der Heiligen Kommunion immer wieder fragen: Was kann ich Jesus schenken, wenn er zu mir als „Gast“ kommt. Was halte ich für ihn bereit? Was freut ihn besonders?

4. Juni
Weder Gebet noch Kommunion darf man wegen des Wohlbefindens suchen, das sie einem schenken. Dies würde nämlich bedeuten, sich selbst zu suchen und nicht Gott. Vielmehr sollten wir uns deshalb so oft um beides – Gebet und Kommunion – bemühen, damit wir demütig, gehorsam, gütig und geduldig werden.

Die Heilige Kommunion ist keine Schmerztablette und auch kein Mittelchen zum Erzeugen von Wohlgefühl. Oft empfangen wir als „Zugabe“ auch Linderung im Leiden oder Steigerung des inneren Glückes, aber entscheidend ist die Vereinigung mit Jesus, die uns IHM ähnlicher macht.

5. Juni
Wenn wir diese Tugenden in einem Menschen sehen, dann wissen wir, dass er wirklich die Frucht des Gebets und der Kommunion geerntet hat.

„Tugenden“ sind Fähigkeiten für ein gutes, vorbildliches Leben so wie es Gott gefällt. Beim Erwerb der Tugenden spielt das echte Gebet eine große Rolle.

6. Juni
Aus übergroßer Liebe und Freigebigkeit hat sich Jesus uns selbst im Allerheiligsten Sakrament geschenkt.

Jesus konnte uns nichts Größeres und nichts Kostbareres schenken als sich selbst. Das hat er – eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist – durch das Sakrament des Altares, also durch die Eucharistie getan.

7. Juni
Wir sollen alle zum heiligen Abendmahle mit einem großen Verlangen nach jener heiligen Speise gehen: „Sitientes! Sitientes! (Dürstend! Dürstend!)“

Wer nur aus Gewohnheit und routinemäßig die Heilige Messe mitmacht und auch so zur Heiligen Kommunion geht, bereitet Jesus keine Freude. Im Gegenteil, es ist für ihn ein großer Schmerz! Wie viel muss sich also noch in meinem Leben ändern, dass ich mit wirklichem Durst zur Heiligen Kommunion gehen kann! Mit einem Durst, der wehtut…

8. Juni
Wenn wir deshalb eine große Empörung verspüren, weil wir nicht zur Hl. Kommunion zugelassen wurden, so ist das ein Zeichen der Härte, ja des Stolzes und zeigt die Notwendigkeit der Abtötung.

Es gab Zeiten, in den man eine besondere Erlaubnis des Beichtvaters brauchte, um die Heilige Kommunion empfangen zu dürfen. Das Warten-Müssen hat den „Frommen“ sicherlich auch wehgetan und ihren versteckten Stolz beleidigt. Wer das bei sich entdeckt, sollte nicht die Schuld bei anderen Suchen, sondern selber besser an sich arbeiten. In unseren Tagen liegt das Problem oft umgekehrt: Es gehen viele zur Kommunion, ohne daran zu denken, was das eigentlich bedeutet – nur weil „man“ jetzt nach vorne geht… Der Kommunionempfang setzt ein bewusstes Streben und Arbeiten an sich selber voraus. Es geht darum Christus immer ähnlicher zu werden.

9. Juni
Diejenigen, die im Begriff stehen, zur heiligen Kommunion zu gehen, müssen sich auf mehr Versuchungen gefasst machen, als gewöhnlich; denn der Herr will nicht, dass wir müßig herumstehen.

Wer ein intensives Glaubensleben beginnt, muss damit rechnen, dass er auch mehr angegriffen wird und Versuchungen durchmachen muss. Denn er wird ein Feind der Feinde Christi…

10. Juni
Es ist gut, in der Woche, die auf unseren Kommuniontag folgt, etwas mehr zu tun, als gewöhnlich; z. B. fünf Vaterunser und Ave Maria mit ausgespannten Armen zu beten, oder einen zusätzlichen Rosenkranz.

Der Kommunion-Empfang war nicht immer so „billig“ und häufig wie heutzutage. Darum wurde er mehr geschätzt. Man war sich mehr bewusst, dass mit diesem Empfang des Allerheiligsten Sakramentes des Altares, auch eine gewisse Verantwortung verbunden ist. Man muss sich dankbar erweisen und die empfangene Gnade schützen, damit sie nicht verloren geht.

11. Juni
Es ist nicht gut, wenn wir uns zu sehr mit vielen geistlichen Übungen beladen; besser ist es, Weniges zu unternehmen und das durch-zuhalten; denn wenn der Teufel uns überreden kann, einmal eine Übung zu unterlassen, so wird er es leicht dahin bringen, dieselbe auch das zweite und das dritte Mal zu unterlassen, bis am Ende alle unsere geistlichen Übungen verschwunden sind.

Es geht um das rechte Maß. Ein Zuviel an frommen Übungen kann genau das Gegenteil bewirken von dem was die Gebete eigentlich wollen. Es ist eine Taktik des Bösen, mit „frommen Versuchungen“ auch jene hereinzulegen, die eigentlich ganz für Gott leben wollten. Auch hinter den „religiösen Spitzenleistungen“ kann sich viel Ehrgeiz und Stolz verbergen. Darum sollen außergewöhnliche Gebets- und Bußübungen immer vom Seelen- Führer abgesegnet sein.

12. Juni
Wir müssen sorgsam auch auf unsere kleinen Fehler achten. Wer einmal anfängt rückwärts zu gehen, und es sich mit solchen Schwächen leicht macht, der hat bald ein so unempfindliches Gewissen, dass alles schief geht.

Die Treue im Kleinen hat einen Einfluss auf das Große. Durch die Nachlässigkeit in kleinen Übungen, die man auf seinem geistlichen „Trainingsplan“ hat, wird das Gewissen abgestumpft. Das aber ist gefährlich für das gesamte Glaubens-Leben.

13. Juni
Ein Diener Gottes sollte nach Wissen streben, aber niemals zu dem Zweck, um es zur Schau zu stellen.

Wissen, Fortbildung, Weiterstudium… sind eine Notwendigkeit für eine verantwortliche Arbeit in der Seelsorge. Aber man kann diese Bemühungen (vielleicht kaum bewusst) auch zum Unheil auf sich nehmen: Sich profilieren, sich einen Namen machen, berühmt werden…

14. Juni
Wir müssen immer mit Aufrichtigkeit zur Beichte gehen und uns dies zur Regel machen, dass wir nie aus Menschenfurcht unserem Beichtvater etwas verbergen, so unbedeutend es auch sein mag.

Eine Beichte, die nicht ehrlich und in wichtigen Dingen vollständig, eine Beichte ohne echte Reue und Willen zur Umkehr… ist keine wirklich Beichte, sondern eher ein Täuschungs-Manöver zur Beschwichtigung des eigenen Gewissens.

15. Juni
Wer bei der Beichte eine schwere Sünde verheimlicht, der ist voll und ganz in der Hand des Teufels.

Der ungültige und unwürdige Empfang des Sakramentes der Buße und Versöhnung, gibt dem Widersacher einen gefährlichen Einfluss auf den Menschen.

16. Juni
In der Regel sollte niemand seinen Beichtvater wechseln, noch sollten Beichtväter vorschnell die Beichtkinder anderer akzeptieren – Sonderfälle natürlich ausgenommen.

Der Wechsel des Beichtvaters muss einen schwerwiegenden Grund haben und sollte möglichst mit dem bisherigen Beichtvater vereinbart sein. Auf keinen Fall darf man sich erlauben, für die „leichteren Sünden“ den einen zu bemühen und für die „größeren Brocken“ einen anderen aufzusuchen…

17. Juni
Wenn jemand, der lange Zeit ein geistliches Leben geführt hat, in einen ernstlichen Fehler fällt, so gibt es kein besseres Mittel, ihn wieder aufzurichten, als wenn man ihn ermutigt, seinen Fall irgend einem geistlich gesinnten Freund zu offenbaren, mit dem er besonders vertraut ist; dann wird ihn Gott, um seiner Demut willen, wieder in seinen ersten Zustand zurückbringen.

Demut öffnet das Tor zur Gnade und zieht die Barmherzigkeit auf die Erde hernieder: Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden (Lk 15,32).

18. Juni
Um die Beharrlichkeit im Guten bei jungen Leuten zu sichern, ist es durchaus notwendig, dass sie böse Gesellschaften meiden und nur mit guten Menschen umgehen.

Der unwahrscheinlich große Einfluss der Kameraden, ist schon in den ersten Schulklassen deutlich sichtbar. Darum ist es so wichtig, dass die Eltern für ihre Kinder, bei der Auswahl von Gruppen und Vereinen, einen wirksamen Einfluss ausüben (altersgemäß). Wichtiger als der Ruf einer Schule oder eines Sportvereins, ist der Geist, der dort herrscht. Reifere Jungend braucht viel Gespräch und Motivation.

19. Juni
Im geistlichen Leben gibt es drei Stufen: Die Erste kann das tierische Leben genannt werden. Es ist das Leben derjenigen, die fühlbaren, geistlichen Erlebnissen nachjagen, die Gott gewöhnlich den Anfängern verleiht, um sie durch jenes innere Wohlgefühl zu einem tieferen geistlichen Leben anzulocken, gerade so wie ein Tier durch einen sinnlichen Gegenstand angezogen wird.

Es ist nicht nur, aber besonders für junge Menschen wichtig, dass die Frömmigkeit auch sinnlich erfahrbar wird: Stimmungsvolle Erlebnisse mit Lichtern, rhythmischen Liedern, Tänzen, Pilgerfahrten, fröhliches Miteinander…


20. Juni
Die zweite Stufe kann das „menschliche Leben“ heißen. Es ist das Leben derjenigen, die kein inneres Wohlgefühl erfahren, aber mit Hilfe der Tugend ihre Leidenschaften bekämpfen.

Auf der zweiten Stufe brauchen Junge wie Ältere die Erfahrung, dass sich das Leben ändert, dass die geistliche Betätigung durch Gebetstreffen, Glaubensgespräche, Bibelarbeit, Katechese… hilft, mit persönlichen, familiären und schulischen… Problemen fertig zu werden: Glau-ben und Gebet machen fähig, das Leben zu meistern.

21. Juni
Die dritte Stufe kann ein „engelgleiches Leben“ genannt werden; es ist das Leben, das jene erreichen, die sich lange Zeit in der Bezähmung ihrer Leidenschaften geübt haben, und deshalb von Gott ein stilles, ruhiges und beinahe engelgleiches Leben empfangen. Schon in dieser Welt empfinden sie wegen nichts eine Unruhe.

Engel leben in einer besonderen Einheit mit Gott. Sie sind von Gott durchdrungen und nehmen durch Anbetung und Lobpreis, teil an Seiner Liebe. Auch die Menschen sind zu einer solchen Einheit mit Gott berufen. Sie kann und soll auf dieser Erde beginnen und im Himmel vollendet werden.

22. Juni
Es ist gut, auf der zweiten dieser drei Stufen zu verharren, weil der Herr die dritte zu seiner Zeit gewähren wird.

Auf der ersten Stufe wird man von den Fortgeschrittenen mitgetragen – so wie in der Familie die kleinen Kinder von den Erwachsenen. Je mehr die Kinder aber heranwachsen, ihr eigenes Ich entdecken und jugendlich selbständig werden, müssen sie lernen, auch ihren eigenen Teil zu tun und an sich zu arbeiten. Nur so können sie auch geistlich erwachsen werden.

23. Juni
Wir dürfen nicht zu eilig jungen Leuten vertrauen, die ein tiefes religiöses Leben führen; wir müssen warten, bis ihnen die Flügel gewachsen sind und dann sehen, was für einen Flug sie nehmen.

Jugendliche Frömmigkeit ist in der Regel noch nicht belastbar. Oft geht es darum, sie wie reife Menschen anzusprechen, sie aber gleichzeitig auch noch zu behüten wie die Kleinen, (ohne das merken zu lassen).

24. Juni
Äußere Abtötungen sind eine große Hilfe zur Erlangung innerer Abtötung und der übrigen Tugenden.

Wer nicht vom Leben geschont wird und viel harte Schläge einstecken muss, hat es oft umso leichter, auch geistlich zu wachsen, wenn er sie im Glauben sieht und annimmt.

25. Juni
Wer den Verlust seiner Ehre nicht ertragen kann, kann nie einen Fortschritt im geistlichen Leben machen.

Ein Jünger Jesu bezieht seine Ehre nicht von den Menschen, sondern von Gott: Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt (Mt 5,10-12).

26. Juni
Es ist in der Regel besser, dem Leibe lieber mehr Nahrung zu geben als zu wenig; Denn das Zuviel kann leicht entzogen werden, aber wenn man seiner Gesundheit durch das Zuwenig geschadet hat, so ist es nicht so leicht, den Fehler wieder gut zu machen.

Bußübungen und Fasten müssen mit Maß erfolgen. Sie dürfen nicht die Gesundheit zerstören, die Voraussetzung für ein Leben und Wirken ist. Im Zweifelsfall lieber auf der sicheren Seite bleiben. Auch asketische Spitzenleistungen können voller Stolz sein.

27. Juni
Der böse Feind gebraucht häufig die Hinterlist, fromme Leute zu Bußübungen und zu Kasteiungen anzutreiben, damit sie sich, wenn sie darin zu weit gehen, selbst so schwächen, dass sie keine guten Werke von größerer Wichtigkeit mehr verrichten können, oder damit sie durch die Kränklichkeit, die sie sich zugezogen haben, so einge-schüchtert werden, dass sie ihre gewöhnlichen Gebete aufgeben und am Ende dem Dienste Gottes den Rücken zuwenden.

Darum gilt auch in diesem Fall: Außergewöhnliche Bußübungen müssen vom Seelenführer bestätigt sein, oder man unterlässt sie besser, weil sie eine Falle des Bösen sein können.

28. Juni
Wer der Abtötung seines Körpers nur geringe Aufmerksamkeit schenkt und sein Hauptaugenmerk konsequent auf die Abtötung des Willens und des Verstandes richtet, ist höher zu schätzen als diejenigen, die ausschließlich in körperlichen Bußübungen und Kasteiungen aufgehen.

Verstand und Wille sind das besondere Eigentum und Kennzeichen des Menschen, das ihn von den Tieren unterscheidet. Darum müssen Verstand und Wille auch besonders auf Gott hin ausgerichtet, ja trainiert werden. Wildwuchs muss zurückgeschnitten werden. Wenn Verstand und Wille in Gott beheimatet sind, ist auch der Leib in guten Händen und wird immer mehr ein Spiegel der Seele.

29. Juni
Wenn wir Gott dienen, sollen wir uns um Großes bemühen und uns nicht mit einer mittelmäßigen Güte zufrieden geben. Wenn möglich, sollten wir sogar versuchen, St. Peter und St. Paul in Heiligkeit und Liebe zu übertreffen.

Wir dürfen immer mehr ein Geschenk für Gott werden. Für IHN ist gerade das Beste gut genug! Es geht nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen oder stolze Plätze auf dem Treppchen der Medaillen-Träger zu ergattern. Vielmehr will echte Gegen-Liebe für Gott Dankbarkeit und Lobpreis.

30. Juni
Wenn auch ein Mensch vielleicht unfähig ist, eine solche Höhe der Heiligkeit zu erreichen, so sollte er doch danach verlangen, um so wenigstens in der Begierde zu tun, was er in Wirklichkeit nicht ausführen kann.

Auch der gute Wille und die Bereitschaft zählen und sind ein echtes Geschenk. Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde (1Kor 9,24-27).
Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren (Hebr 12,1b-3).
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Juli

1. Juli
Wir sollten Fasten und Abstinenz nicht zu hoch bewerten, wenn Eigenwille im Spiel ist.

Bußübungen sind nur so viel wert, wie sie dem Willen Gottes entsprechen! Sie sollten auch kein Leistungsdenken fördern, z.B. solche Gedanken: „Wie gut bin ich doch, das ich schon so viel schaffe…!“

2. Juli
Die Mutter Gottes ist die Ausspenderin aller Gnaden, welche die göttliche Güte den Söhnen Adams gewährt.

Da wissen wir also, an wen wir uns halten müssen! Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes (Lk 1,41b-42).

3. Juli
Wenn wir guten Rat suchen, ist es manchmal notwendig, darauf zu hören, was unsere Untergebenen denken, und sich ihrem Gebet zu empfehlen.

Die „Untergebenen“ sehen manchmal mehr als die Verantwortlichen und auch ihr Gebet kann oft viel zur Rettung einer Situation beitragen. Glücklich die Gemeinschaft, in der der Obere nicht nur guten Rat erteilt, sondern auch annimmt, Denn der Geist Gottes weht, wo er will!


4. Juli
Man sollte nie ein einziges Wort zu seinem eigenen Lobe sagen, so wahr es auch sein mag, nicht einmal im Scherze.

Das Sprichwort für dieses Thema: Eigenlob stinkt! – Grundsätzlich ist es gut und notwendig, andere Menschen zu loben, ihnen Anerkennung zu schenken. Aber auch auf diesem Gebiet ist die Übertreibung nicht hilfreich (z.B. Gratulationen zu einem Jubiläum, die wie eine Beerdigungsrede klingen…). Menschen ohne oder mit wenig Glauben müssen sich gegenseitig mit Lobliedern beehren. Glaubende warten lieber auf die Ewigkeit. Dort geht es echter und gerechter zu.

5. Juli
Wenn wir ein gutes Werk tun, und ein anderer nimmt sich davon die Ehre, so sollen wir uns darüber freuen, und dies als ein Geschenk von Gott auffassen. Jedenfalls sollten wir nicht darüber traurig sein; denn wenn andere unsere Ehre vor den Menschen verringern, werden wir sie umso mehr vor Gott wieder erlangen.

Wer auf dieser Erde zu sehr auf Ehrungen bedacht ist riskiert, dass er in der Ewigkeit zu hören bekommt: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten! (Mt 6,2).

6. Juli
Wenn uns Gott irgendeine Tugend oder eine Gabe verleiht, so sollen wir ihn bitten, dieselbe sogar vor uns selbst verborgen zu halten, damit wir unsere Demut bewahren und deshalb nicht stolz werden.

Es gibt Menschen, die sehr daran interessiert sind zu erfahren, welche und wie viel Charismen ihnen anvertraut wurden. Das kann zu Einbildung, Überheblichkeit und Stolz führen. Es genügt, wenn diese Gaben Gottes zum Vorschein kommen, wenn man mit ihnen dient – angeregt durch die Notwendigkeiten, die sich ergeben.

7. Juli
Wir sollen die Einsprechungen, die Gott uns sendet, oder die Gnaden, die er uns verleiht, niemand offenbaren.

Aber der Seelenführer muss von diesem „Geheimnis“ wissen, um die Echtheit zu prüfen und zu beraten, wie man mit dieser Gabe umgehen soll. Das demütige Verbergen dieser Gaben darf nicht dazu führen, dass jemand nicht mit diesen Gaben dient, wo es sinnvoll, oder gar notwendig ist. Es geht ja nicht um ein persönlicher Verdienst und Eigenlob sondern darum, was Jesus erwartet: So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt 5,16).

8. Juli
Um jedes Risiko von Eitelkeit zu vermeiden, sollten wir einige unserer privaten Frömmigkeitsübungen in unserem eigenen Zimmer verrichten und auf öffentlichen Plätzen niemals nach Verzückungen und sinnlich erfahrbaren Tröstungen Ausschau halten.

Denn diese mystischen Erlebnisse (z.B. das „Ausruhen im Heiligen Geist“) eignen sich gewöhnlich nicht dazu, ein Glaubenszeugnis zu geben. Man sollte sie aber auch nicht mit Gewalt verdrängen, um nicht die verborgenen Pläne Gottes zu behindern. Grundsätzlich gilt aber: Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten (Mt 6,5-6).

9. Juli
Die wahre Arznei, um uns vom Stolz zu heilen, besteht darin, die Empfindlichkeit niederzuhalten und zu beherrschen.

Dazu der hl. Paulus: …macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen (Phil 2,2-4).

10. Juli
Wenn man wegen etwas getadelt wird, so soll man es sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen; denn wir begehen oft einen größeren Fehler durch unsere Traurigkeit als durch die Sünde, wegen welcher wir getadelt werden.

Es darf, ja soll uns wehtun, wenn wir einen Fehler machen. Aber ohne Übertreibung! Wir wissen, dass wir schwach sind, aber Gott kann auch mit unserer Schwachheit viel Gutes wirken, wenn wir sie demütig annehmen und trotzdem bekämpfen. Vor einer großen Traurigkeit wegen der eigenen Fehler, muss man sich jedoch hüten. Denn sie ist ein Einfallstor für den Versucher. Gott lässt manchmal auch Schwachheiten zu, um vor Stolz zu bewahren: Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt (2Kor 12,7-9).

11.Juli
Diejenigen, welche glauben, sie haben etwas Großes erreicht, wenn sie einen geringen Grad von geistlicher Erfahrung besitzen, verdienen es ausgelacht zu werden.

Die Fähigkeit zu innigen Andachten und Frömmigkeitsübungen ist eine Gabe Gottes. Wer aber sich etwas darauf einbildet, sollte „auf diese Erde zurückgeholt“ werden. Manchmal hilft ein Ausgelacht-werden.

12. Juli
Die Demut ist die wahre Wächterin der Keuschheit.

Während der Stolz zunächst die innere, dann aber auch die äußere Keuschheit und Reinheit ernsthaft gefährdet, wenn nicht gar zerstört, schützt dagegen echte Demut. Z.B. dadurch, dass man sich und dem Beichtvater/Seelenführer gesteht, welche Versuchungen man hat…

13. Juli
Wenn ein Mensch gefallen ist, so sollte er es z. B. auf diese Art zugeben: „Ach, wäre ich demütig gewesen, dann wäre ich nicht gefallen!“

Es ist wichtig, dass man die eigenen Fehler erkennt und zugibt, sonst fällt man sehr schnell wieder in das gleiche Loch. Darum ist es gut, sich schon bei der Gewissenserforschung die Frage nach den Ursachen zu stellen und dann auch beim Bekenntnis zu sagen (z.B.): „Ich habe mich wieder selbst befriedigt, weil ich einen Film im Fernseher nicht rechtzeitig abgestellt habe…“.

14. Juli
Wir sollten mit Vergnügen hören, dass andere im Dienste Gottes Fortschritte machen, besonders wenn es unsere Verwandten oder Freunde sind, und wir sollten uns freuen, dass sie an den geistlichen Gütern Teil nehmen, die wir selbst besitzen.

Die Fähigkeit, sich über die Talente, Erfolge und Siege… anderer mitzufreuen, ist eine Voraussetzung dafür, dass wir uns im Himmel wohl fühlen. Denn die Hölle beginnt (u.a.) mit dem Neid. Gott aber steht es frei, seine Gnaden und Gaben so auszustreuen, wie es IHM gefällt. Wenn uns die Fortschritte in der eigenen Familie- und Freundeskreis noch fröhlicher machen als die der anderen, so ist das sehr natürlich und muss kein Hindernis für die Mitfreude am Wohl aller sein.

15. Juli
Um bei einem Krankenbesuch noch mehr die Seele zu gewinnen, sollten wir uns vorstellen, dass wir für Christus selbst tun, was wir für den Kranken tun; wir werden auf diese Art dieses Werk der Barmherzigkeit mit mehr Liebe und größerem geistlichen Nutzen verrichten.

Die Freude daran, den Kranken auch in der Beziehung zu Gott zu helfen, wird dadurch noch wertvoller und fruchtbarer, dass man diesen Dienst bewusst für Jesus tut – IHM und zur Freude und zum Trost. ER leidet doch auch in diesen Kranken!

16. Juli
Wenn es die Gesundheit bei jemandem nicht erlaubt, zu Ehren Christi und der seligsten Jungfrau Maria zu fasten, der wird ihnen viel besser gefallen, wenn er dafür etwas mehr als gewöhnlich Almosen gibt.

Man soll nicht jene Fasten- und Bußübungen unbedingt tun wollen, für die man nicht geeignet ist. Da haben Arzt und Seelenführer „ein Wörtchen“ mitzureden… Die Wichtigste Bußübung ist die Erfüllung des Willens Gottes und nicht das Wohlgefühl beim Vollbringen besonderer frommer Leistungen.

17. Juli
Nichts ist gefährlicher für Anfänger im geistlichen Leben, als wenn man schon den Lehrer spielen und andere leiten und bekehren will.

Gerade die Freude an der Entdeckung eines geistlichen Weges und die Erfahrung erster erfolgreicher Schritte auf ihm, verleiten nicht nur oft zu einer übertriebenen Begeisterung, die auf andere mehr abstoßend wirkt, als hilfreich ist. Auch die Neigung zu Verallgemeinerungen, können schädlich sein: Nicht für alle muss gerade der Weg der richtige sein, der dir selber Freude macht und weiterhilft.

18. Juli
Anfänger sollten sich nach ihrer eigenen Bekehrung, um sich selber kümmern und demütig sein, damit sie sich nicht einbilden, sie hätten etwas Großes getan.

Besonders für Anfänger ist es wichtig, dass sie zunächst an sich selber arbeiten und die Freude am Apostolat zurückstellen, bis die Zeit dafür reif geworden ist. Wer zu früh nach Erfolgen im Apostolat sucht, kann leichter als ein erfahrener Seelsorger in die Falle geraten, sich selber mehr zu suchen als das Heil der anderen.

19. Juli
Wenn wir unserem Nächsten wirklich helfen wollen, dann dürfen wir weder Ort noch Zeit uns selbst vorbehalten.

Wer ein Apostel sein oder werden will, muss sich ganz in den Dienst Jesu Christi und des Nächsten stellen. Da werden auch Freizeit und Urlaub (soweit überhaupt „möglich“) noch eine Gelegenheit, die „Netze auszuwerfen“… Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist (Eph 5,15-17). – Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist (Eph 6,18)…

20. Juli
Vermeide jede Ausgefallenheit; denn sie ist gewöhnlich das Mistbeet für den Stolz, und da besonders für den geistlichen Stolz.

Wer durch ungewöhnliche Verhaltensweisen und Methoden die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, sollte auf der Hut sein, dass er nicht zu selbstsicher wird, auf andere herabschaut und schließlich vor allem sich selber dient.

21. Juli
Man darf sich jedoch nicht davon abhalten lassen, ein gutes Werk zu tun, bloß um der Versuchung zu eitlem Ruhm aus dem Weg zu gehen.

Auch das kann ein Trick des Bösen sein, dass er mit dem „frommen“ Argument, die Angeberei zu vermeiden, das Gute, das getan werden sollte, ganz zu verhindern sucht.

22. Juli
Die Liebe zu Gott macht, dass wir große Dinge unternehmen.

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt 5,13-16).

23. Juli
Wir können drei Arten von Ruhmsucht unterscheiden: Die Erste könnte man „Meisterin“ nennen. Sie geht dem guten Werk voraus und ist das Ziel, um dessentwillen man das Gute tut. Die Zweite: „Gefährtin“. Jemand tut das Gute nicht zum Zweck der Ruhmsucht, aber die Selbstzufriedenheit gesellt sich bei der Erledigung der guten Tat dazu. Die Dritte: „Dienerin“. Wenn man Gutes tut und dabei die Ruhmsucht aufsteigen fühlt, dann unterdrückt man sie sofort, damit sie nicht die Oberhand gewinnt. Über allen Dingen, lass die Eitelkeit niemals Herrin sein.

Es ist sehr wichtig zu prüfen, ob ein Engagement für gute Dinge, nicht durch Ruhmsucht befleckt und behindert oder gar zerstört wird. Man kann auch mit großartigem Einsatz z.B. im Caritativen Bereich, mehr dem Widersacher als wirklich Gott und den Mitmenschen dienen.

24. Juli
Wenn die eitle Sucht nach Ruhm Gefährtin ist, so nimmt er unser Verdienst nicht weg; aber die christliche Vollkommenheit erfordert, dass sie Dienerin ist.

Ruhmsucht ist eine ganz gewöhnliche Versuchung, denn wir Menschen sind nun einmal so veranlagt, dass wir unsere Ehre suchen, verteidigen und vermehren. Bis zu einem gewissen Grad, sind Ambitionen und Ehrgeiz gesund. Sie helfen uns auch bei der Verwirklichung guter Anliegen und Aufgaben. Diese aber müssen immer die Oberhand haben und dürfen nicht hinter dem Wunsch, sich einen guten Namen zu machen, zurücktreten.

25. Juli
Wer rein aus Liebe zu Gott handelt, wünscht nichts als seine Ehre, und ist daher in allem bereit, entweder zu handeln oder auch nicht zu handeln, und zwar nicht bloß in unwichtigen Dingen, sondern auch in bedeutsamen; er ist immer in den Willen Gottes ergeben.

Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre. Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig (2Kor 4,15-18).

26. Juli
Der Herr gewährt uns oft in einem Augenblick mehr, was wir in Jahrzehnten aus eigener Kraft nicht hätten erlangen können.

So wichtig auch der persönliche Einsatz für die Arbeit im Reich Gottes ist, so gilt dennoch die alte Erfahrung der Gläubigen: An Gottes Segen ist alles gelegen! Darum auch der Grundsatz: Arbeite so, als ob aller Erfolg nur ein Ergebnis deines Fleißes wäre, und bete so, als ob alles nur von Gott abhinge. Es geht wie gewöhnlich um das rechte Mitwirken des Menschen mit der Gnade Gottes.

27. Juli
Vier Dinge sind nötig, um vollkommen die Gabe der Demut zu erlangen:
– Die Welt verachten,
– aber keinen Menschen verachten;
– sich selbst verachten, aber gleichzeitig
– verachten, von anderen verachtet zu werden.


Mit der „Welt“ ist hier nicht die Schöpfung Gottes gemeint, sondern jene Welt, die so lebt, als ob es Gott nicht gäbe – jener Bereich, in dem der „Herrscher dieser Welt“ (Joh 16,11) noch seinen Einfluss ausübt. – Jeder Mensch hat als Kind Gottes seine Würde und muss auch unabhängig von seinem Verhalten geachtet werden. – Sich selbst zu verachten bedeutet, dass man sich nicht zu wichtig nimmt: Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mk 10,45). – Wenn man aber wegen seines Glaubens oder anderer Umstände geringgeschätzt, ausgelacht oder gar verfolgt wird, so darf man das unbeachtet lassen: Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten
(Joh 15,18-20).

28. Juli
Die Vollkommenheit besteht darin, dass wir unseren Eigenwillen gefangen nehmen, und als König über ihn herrschen.

Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist (Röm 12,1-2).


29. Juli
Der Mensch soll seine eigene Meinung auch in den kleinen Dingen abtöten, wenn er sie auch einmal in den großen Angelegenheiten aufopfern will, um auf dem Weg der Tugend voranzuschreiten.

Früher sagte man: „Wer ein Haken werden will, krümme sich bei Zeiten“ oder: „Jung gewohnt – alt getan“. Es ist aber auch nicht verkehrt hinzuzufügen: „Alter schützt vor lernen nicht!“

30. Juli
Ohne Abtötung kann nichts bewirkt werden.

Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet. (…) Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden (Hebr 12,4.11-13).

31. Juli
Wir sollen die Ehre Gottes durch ein gutes Leben erhoffen und lieben.

Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig (2Kor 4,16-18).
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August

1. August
Der heilige Petrus und die übrigen Apostel und apostolischen Männer betrachteten, wie der Sohn Gottes in Armut geboren wurde und dann so ohne alle Habe lebte, so dass er nicht einmal etwas hatte, worauf er sein Haupt hätte legen können; und indem sie ihn tot und entblößt am Kreuze sahen, beraubten auch sie sich aller Dinge und schlugen den Weg der evangelischen Räte ein.

Die klassischen drei „Räte des Evangeliums“ (ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam) finden ihren vollen Sinn in der Nachfolge Christi, sei es in einer Ordensgemeinschaft, oder als einzelner in der Welt. Auch in der Ehe und Familie können diese Ideale geistiger Weise verwirklicht werden, durch keusche eheliche Beziehung, schlichter Lebensstil und innerer Loslösung von materiellen Gütern und die Ausrichtung auf den Willen Gottes in allem. Es kommt nicht so sehr auf die Art der Bindung an (Gelübde, Versprechen, persönlicher Herzenswunsch…). Entscheidend ist auf allen Wegen die persönliche Beziehung, ja Freundschaft mit Jesus.

2. August
Nichts vereinigt die Seele inniger mit Gott, oder hilft schneller die „Verachtung der Welt“ zu erlangen, als wenn man von Not und Elend geplagt wird.

Bekannt ist das Sprichwort: „Not lehrt beten“. Wir müssen um Not und Elend beten, um wieder die richtige Beziehung zu Gott und zur Welt zu haben, aber die Volksweisheit kennt auch diese Erfahrung: „Wer nicht hören will muss fühlen!“ Die Welt zu verachten bedeutet, den vielfältigen Versuchungen aus dem Wege gehen, die uns von Gott wegziehen und unser Glaubensleben schwächen wollen.

3. August
In diesem Leben gibt es kein „Fegefeuer“; es ist entweder Himmel oder Hölle; denn für den Menschen, der Gott wahrhaft dient, wird Mühsal und Plage zum Trost, und bei allem Unglück trägt er den Himmel schon in dieser Welt in sich selbst. Wer aber Gott nicht wahrhaft dient und sich den sinnlichen Freuden ergibt, der hat schon in dieser Welt eine Hölle und im Jenseits die Andere.

Das „Fegefeuer“, ist das Purgatorium, also der „Ort“ der Reinigung auf dem Weg von der Zeit in die Ewigkeit. Diese Reinigung ist schmerzlich, aber auch tröstlich, denn das Fegefeuer hat nur einen Ausgang, nämlich den in den Himmel. Wer aber auf dieser Erde die Mühsal des Lebens im Glauben annimmt und an ihr geistlich wächst, ist in gewissem Sinne schon hier im Himmel. Wer aber den sinnlichen Freuden nachjagt, der macht sich schon auf dieser Welt unglücklich (Abhängigkeiten, Streit, Enttäuschungen…). Wenn er so in die Ewigkeit hinübertritt, erwartet ihn noch Schlimmeres.

4. August
Wenn wir aus dem Lesen von Lebensbeschreibungen der Heiligen und aus anderen geistlichen Büchern Nutzen ziehen wollen, dürfen wir nicht aus Neugierde lesen oder flüchtig, sondern mit Pausen. Wenn wir in uns dann eine innere „Wärme“ verspüren, sollen wir nicht weiterlesen, sondern still halten und uns vom Geist führen lassen, der sich in uns regt. Wenn wir aber denselben nicht länger fühlen, dann dürfen wir unsere Lesung fortsetzen.

Es geht um die geistliche Lesung. Da kommt es nicht so sehr darauf an, welches Buch wir vor uns haben. Vielmehr geht es um die Offenheit für den Heiligen Geist. Nicht Information oder Studium sollen im Vordergrund stehen, wenn auch indirekt gewisse Informationen, die wir durch die geistliche Lesung erworben haben, für das Studium oder für die Predigt und den Unterricht… hilfreich sein können. Die Lesung ist so „geistlich“, wie wir uns dabei vom Heiligen Geist leiten lassen.

5. August
Um (das geistliche Leben) gut anzufangen und zu vollenden, ist die Andacht zu Maria, der göttlichen Mutter, unumgänglich notwendig.

Maria ist nicht eine unter anderen Heiligen. Sie nimmt nicht nur den „ersten Platz“ unter den Heiligen ein („Goldmedaille“), sondern sie besitzt eine einzigartige Aufgabe und Stellung in der Heilsgeschichte. Sie ist ganz Mensch, aber als „Mutter Gottes“ hat sie eine unvergleichbare und unwiederholbare Nähe zu Gott. Durch das Wirken des Heiligen Geistes hat sie – volkstümlich gesprochen – zusammen mit Gott-Vater ein gemeinsames Kind! Das verbindet sie wesenhaft mit Gott und gibt ihr im Werk der Erlösung eine einzigartige Rolle. Darum bezeichnet man sie auch als „Miterlöserin“ und „Ausspenderin aller Gnaden“.

6. August
Wir haben hier keine Zeit, zu verschlafen, denn das Paradies ist nicht für faule Leute geschaffen.

Selbstverständlich brauchen wir auch genügend Zeit zum Ausruhen und Schlafen aber auch in diesem Fall, dürfen nicht Bequemlichkeit und Wohlgefühl im Vordergrund stehen, sondern das Fit-werden für die Aufgaben, die Gott uns auf dieser Erde zugespielt hat: „Wir leben nur einmal“ – sagen die Narren (und verlieren sich im Vergnügen), „Wir leben nur einmal“, sagen die Weisen (und nützen die Zeit so gut wie nur möglich für die Ewigkeit).

7. August
Wir müssen Vertrauen auf Gott haben, denn ER ist, was er allezeit war! Wir sollen deshalb nicht mutlos werden, wenn uns Widerwärtigkeiten treffen.

Der hl. Johannes versichert uns in seinem ersten Brief, dass Gott die Liebe ist. Wer aber in der (wahren) Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm (vgl. 1Joh 4,8.16b). Beim Umgang mit den Schwierigkeiten in unserem Leben kann man feststellen, wie echt und reif unser Glaube ist. Die Heiligen waren davon überzeugt, dass Gott in seiner Liebe uns nichts schickt, oder nichts zulässt, was nicht gut wäre für unsere Heiligung. Sind wir aber dort schon angekommen, dass wir wirklich heilig werden wollen?

8. August
Man sollte einen guten Stand des Lebens nicht mit einem anderen tauschen, wenn er auch besser zu sein scheint, ohne sich vorher ernstlich zu beraten.

Objektiv steht der Ordensstand „über“ dem Stand von Ehe und Familie, oder der Einsamkeit. Aber nicht jeder Stand ist für jeden geeignet. Es kommt in dieser Welt darauf an, dass wir uns so weit wie nur möglich, Gott nähern. Wer aber einen Stand wählt bzw. zu einem anderen Stand wechseln möchte, muss sich gut überlegen und sich entsprechend beraten lassen. Denn wenn er nicht für den beabsichtigten Stand geeignet ist, macht er sich und anderen nur Schwierigkeiten. Er entfernt sich mehr von Gott, als sich IHM zu nähern.

9. August
Jedermann soll daheim bleiben, d. h. mit sich und seinen eigenen Handlungen ins Gericht gehen, ohne hinauszugehen, um herauszu-finden und zu bekritteln, was andere tun.

Kurz: „Jeder kehre vor seiner eigenen Tür!“ Das ist bekannt und bejaht, aber dennoch gibt es so viel unnütze Neugierde und unfruchtbares Geschwätz, in dem man – wenn auch meistens unbewusst – mehr Schaden anrichtet als gut macht. Dabei geht wertvolle Zeit verloren, die man besser für anderes eingesetzt hätte. Es scheint vergessen zu sein, dass es nicht nur Verleumdung gibt (Weitergabe von Falschmeldungen über andere) sondern auch „Ehrabschneidung“ (unnötiges Weitersagen von Fehlern und Schwächen anderer). Beides aber gehört in den Beichtstuhl!

10. August
Die wahren Diener Gottes ertragen das Leben und wünschen sich den Tod.

Das hat der hl. Paulus mit folgenden Worten bestätigt: Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen um bei Christus zu sein – um wie viel besser wäre das! Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe. Im Vertrauen darauf weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen ausharren werde, um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen… (Phil 1,21-25).

11. August
Es gibt nichts Schöneres auf Erden, als aus der Not eine Tugend zu machen.

Das bedeutet, dass man jede Notlage, jede erwartete oder unerwartete Schwierigkeit als eine Gelegenheit auffasst und sie durch den Glauben annimmt und besteht. So kommt man zu der Sicht und Einstellung, dass alles in unserem Leben eine Gelegenheit ist: ALLES IST EINE GELEGENHEIT ZU LIEBEN – und deshalb auch zum Helfen, zur Demut, zur Mission, zum Gebet…

12. August
Unsere Heiterkeit auch in Krankheit und Mühsal zu bewahren, ist ein Zeichen eines guten Geistes.

Wer nur dann fröhlich ist, wenn alles zu gelingen scheint, wenn eine gute, heitere Gesellschaft beisammen ist (und auch Alkohol nicht fehlt), hat die wahre Freude noch nicht entdeckt. Es kommt letztlich darauf an, dass auch die Heiterkeit im Glauben angesiedelt ist. Heilige waren und sind gewöhnlich sehr humorvoll und machen gerne Späße. Sie verstehen aufzumuntern, weil sie ja vor allem die wahren Güter und das ewige Ziel vor Augen haben und im Herzen tragen.

13. August
Niemand soll Gott um Trübsale bitten, in der Meinung, dass er sie ertragen könne; man sollte in dieser Sache so vorsichtig wie nur möglich sein. Wer das erträgt, was Gott ihm täglich sendet, tut nichts Geringes!

Es gibt Anfänger im geistlichen Leben, die Gott um schwere Kreuze bitten. Sie meinen es gut, aber überschätzen sich oft selbst. Das führt nur zu Turbulenzen! Es ist besser darum zu bitten, dass man alles annimmt und gut behandelt, was Gott von sich aus schickt oder zulässt. Besonders wichtig ist dabei, dass man auch die kleinen Kreuze des Alltags nicht übersieht sondern mit Liebe behandelt und in Segen ver-wandelt. Wer in der Gegenwart in kleinen Dingen treu ist, kommt am Schnellsten weiter, auf dem Weg zu Gott.

14. August
Diejenigen, die sich im Dienste Gottes schon längere Zeit geübt haben, dürfen sich in ihren Gebeten vorstellen, was man vielleicht alles in den verschiedensten Schwierigkeiten des Lebens erleiden muss, z. B. Schläge, Wunden, Verfolgung und dergleichen. So können sie durch ihre Liebe Christus nachahmen, und ihre Herzen im Voraus schon daran gewöhnen, wirkliches Unrecht zu vergeben, wenn es einmal kommt.

Jede Feuerwehr muss immer wieder für alle Fälle gewisse Übungen machen, von denen man hofft, dass sie nie gebraucht werden. Das kann auch gut, ja notwendig sein für ein konsequentes geistliches Leben. Nicht zufällig hat Jesus vorgewarnt: Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben! Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden (Mt 10,16-20).



15. August
Denkt an Maria, denn sie ist jene unvergleichbare Jungfrau und jene glorreiche Mutter, die ohne Verlust ihrer Jungfräulichkeit IHN empfangen und geboren hat. Ihn, den die weiten Himmel nicht fassen können.

Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten (Lk 1,41-50). (Siehe auch 5. August)

16. August
Der wahre Diener Gottes kennt keine andere Heimat als den Himmel.

Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt. – Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann (Phil 3,10-14.20-21).

17. August
Wenn Gott die Seele mit einem außerordentlichen inneren Glück erfüllt, so soll man sich auf eine ernste Traurigkeit oder Versuchung gefasst machen.

Gott ist Erzieher. Er verlangt nicht mehr, als man mit seiner Hilfe schaffen kann. Auch bereitet er auf besondere Herausforderungen vor. Erfahrene Meister des geistlichen Lebens haben dabei beobachtet, dass eine besonders glückliche Zeit eine Ankündigung schwierigerer Proben sein kann. Man braucht aber keine Angst zu haben – es genügt auf alles gefasst zu sein und mutig im Glauben zu antworten. Außerdem gilt immer: Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20).

18. August
Wenn wir dieses außerordentliche innere Glück empfinden, dann müssen wir Gott um Stärke bitten, um zu ertragen, was immer er uns senden mag, und wir müssen dann sehr auf der Hut sein, weil die Gefahr der Sünde im Hintergrund lauert.

Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht (Lk 12,39).

19. August
Eines der vortrefflichsten Mittel, die Tugend der Beharrlichkeit zu erlangen, ist die christliche Klugheit: Wir müssen nicht alles auf einmal schaffen, oder in vier Tagen ein Heiliger werden wollen.

„Wer einen langen Weg vor sich hat, der darf nicht laufen!“ Auch dieses Sprichwort birgt viel Erfahrung in sich, die in allen Bereichen aktuell ist, auch im geistlichen. Es geht wie immer um das rechte Maß, um die goldene Mitte zwischen zu viel und zu wenig, zu schnell und zu langsam. Nur in einem gibt es keine Übertreibung: In der Liebe!

20. August
In unserer Kleidung sollten wir, wie der heilige Bernhard, die Ar-mut lieben, aber nicht den Schmutz.

Manchmal wird versucht, die Nachlässigkeit und Unordnung (nicht nur) bei der Kleidung mit der Liebe zur Armut zu entschuldigen. Aber mit Ausreden kommt man nicht durch das „Jüngste Gericht“. Oft hilft es, sich zu fragen: Wie würde Maria mein Zimmer aufräumen, meine Kleider säubern… man kann sie sogar um Hilfe bitten: Sie macht immer mit!

21. August
Wer in der christlichen Vollkommenheit vorankommen will, darf nicht nachlässig über seine Fehler hinweggehen ohne besondere Gewissenserforschung, sogar außerhalb der Beichte.

Auch im Bereich der Gewissenserforschung kann es ein Zuviel geben, das mehr hinderlich ist als förderlich. Die tägliche Gewissenserfor-schung muss aber nicht zu Skrupeln führen, zumal wenn sie mit der Frage beginnt: „Wofür darf und sollte ich heute besonders danken“? Dann folgt die Bitte um Vergebung für die Nachlässigkeiten und Sünden. Und auch der dritte Teil ist sehr hilfreich: „Welchen konkreten Vorsatz wähle ich für morgen?“ – Das Vertrauen auf Gottes Barmher-zigkeit muss keine Nachlässigkeit in der Arbeit-an-sich-selber bedeuten. Aber es ist letztlich Gottes Erbarmen, in das wir uns ganz fallen lassen können und das uns heilig macht.

22. August
Man soll sich nicht so sehr an die Mittel der Askese klammern, dass man darüber hinaus den Zweck vergisst. Auch dürfen wir uns nicht so sehr auf die „Abtötung des Fleisches“ konzentrieren und dabei vergessen, den eigenen Willen „abzutöten“, was ja die Hauptsache bleibt.

Wir sind es nicht mehr gewohnt von „Abtötung“ zu sprechen. Und doch geht es darum, Unkraut und Schädlinge (Untugenden, Laster) aus dem Garten unseres geistlichen Lebens zu verbannen. Das aber geht nicht ohne Maßnahmen, die auch wehtun dürfen. Bei der „Abtötung des Willens“ (wie man traditionell sagt) könnte man es heutzutage vielleicht auch so formulieren: „Wir wollen nicht vergessen, den eigenen Willen mit dem Willen Gottes ganz zu vereinen“.

23. August
Wir sollen wohl die Tugenden von Prälaten, Kardinälen und Päps-ten wünschen, aber nicht ihre Würden.

Auch die Amtsträger in der Kirche sind Menschen und „Wo Menschen sind, da menschelt es!“ Aber Gott sei Dank – es gab und es gibt viele heiligmäßige Hirten der Kirche! Die Würde der Verantwortlichen ist eine Bürde, und wir sollten mehr darauf bedacht sein, diese Last tragen zu helfen, als die Mängel an persönlicher Heiligkeit zu kritisieren.

24. August
Die Haut der Eigenliebe hängt sehr an unserem Herzen und es tut uns weh, sie abzustreifen. Und je mehr wir daran gehen wollen, umso schmerzhafter und schwieriger ist es.

Wir werden als „Egoisten“ geboren. Die ganze Welt dreht sich um uns und wir scheinen die Wichtigsten von allen zu sein. Dann aber muss man lernen, Rücksicht zu nehmen, zu teilen, den anderen zu respektieren… Schließlich ist der junge Mensch fähig, sich zu verlieben, den anderen sogar wichtiger zu nehmen als sich selber. Das ganze Leben ist eine Schule der Liebe. Glücklich, wer seine „Hausaufgaben“ gut macht!

25. August
Diesen ersten Schritt, den wir bereits von uns aus selbst getan haben sollten, haben wir stets im Sinn, führen ihn aber nie aus.

Darum müssen wir die „Schule der Liebe“ ernster nehmen – sonst müssen wir verschiedene Klassen wiederholen, oder wir bestehen nicht die Schlussprüfung. Wir brauchen oft Nachhilfeunterricht… Aber: Bei Gott ist kein Ding unmöglich! (Lk 1,37).

26. August
Man soll seine guten Entschlüsse ausführen und sie nicht leicht ändern.

Der Mensch betrügt wohl am meisten sich selber. Unter irgendeinem Vorwand macht man es sich immer wieder ein wenig bequemer und geht so immer neue Kompromisse ein. Dabei kann der eigene Wille sehr darunter leiden und schwach werden. So kann man keine Schlacht und auch kein Match gewinnen.

27. August
Wir dürfen unsere gewöhnlichen Andachten und geistlichen Übungen nicht wegen jedem kleinen Grund unterlassen, z.B. an unseren festgelegten Tagen zu beichten, und besonders die heilige Messe an den Werktagen zu feiern. Wenn wir spazieren gehen, oder etwas dergleichen tun möchten, so sollen wir zuerst unsere gewöhnlichen Andachts-Übungen verrichten, und dann gehen.

Man muss sich wie ein Spitzensportler an feste Regeln halten. Ohne die Treue zu den festgelegten Trainingszeiten kommt man nicht weiter. Nur bei schwerwiegenden Anlässen darf man sich dispensieren.

28. August
Es ist besonders für diejenigen sehr nützlich, die das Wort Gottes verkünden, oder sich dem Gebete widmen, wenn sie die Werke von jenen Schriftstellern lesen, die mit einem „S“ anfangen, z.B. St. Augustin, St. Bernhard…

An dieser Stelle kommt der Humor des hl. Philipp Neri zum Vorschein, denn alle Heiligen beginnen im Lateinischen mit „S“ (Sankt… = Heiliger…). Es geht darum, dass die Werke der Heiligen, besonders gut die Bedeutung des Wortes Gottes erklären. Darum hat der hl. Philipp Neri auch in seinen Oratorien immer wieder das Leben der Heiligen nahe betrachtet.

29. August
Einem Christen kann nichts Wertvolleres begegnen, als dass er für Christus zu leiden hat. Es gibt keinen sichereren oder deutlicheren Beweis von der Liebe Gottes, als das Kreuz und die Widerwärtigkeiten.

Wenn ein Jünger Jesu Christi schwere Tage, ja Verfolgung und Unrecht durchzumachen hat, so ist das ein Zeichen, dass der Meister seinen Schüler schätzt und ihm größere Dinge anvertrauen will. Du aber (Timotheus) bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben und Streben, im Glauben, in der Langmut, der Liebe und der Ausdauer, in den Verfolgungen und Leiden, denen ich in Antiochia, Ikonion und Lystra ausgesetzt war. Welche Verfolgungen habe ich erduldet! Und aus allen hat der Herr mich errettet. So werden alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden (2Tim 3,10-12).
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod aus-gesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn (Röm 8,35-39).

30. August
Es gibt keinen deutlicheren Beweis für die Liebe Gottes als die Strenge und die schweren Herausforderungen, mit denen er jemanden erzieht.

Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat (Hebr 12,6).

31. August
Wenn Gott einem Menschen eine besondere Tugend zu verleihen beabsichtigt, so ist es seine Methode, dass er ihn zu dem entgegen-gesetzten Laster versucht.

Gott bereitet seine Mitarbeiter gut vor. Er hat interessante Trainingsmethoden: Um jemand in gewissen Tugenden stark zu machen, z.B. Stolz, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Barmherzigkeit…, schickt er ihm Versuchungen, die in die Gegenrichtung ziehen. So bringt die Anstrengung bei der Abwehr der Laster neue Kraft für die entsprechende Tugend hervor.
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September

1. September
Personen, die in der Welt leben, sollten fleißig die Kirche besuchen, um die Predigt zu hören, und nicht vergessen, geistliche Bücher zu lesen, namentlich das Leben der Heiligen.

Der hl. Philipp Neri spricht hier von den Schwerpunkten in der Seelsorge des Oratoriums. Sie sind bis heute aktuell, wenn es auch viel mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung gibt. Das Leben der Heiligen ist doch immer noch die beste Auslegung der Heiligen Schrift.

2. September
Wenn eine Versuchung kommt, so soll man sich an das innere Glück erinnern, das man im Gebet zu anderen Zeiten empfunden hat, und man wird so leicht Herr über die Versuchung werden.

Die Erinnerung an die schönen Stunden und tiefen Erlebnisse, ist wichtig für Krisenzeiten. Auch aus diesem Grund kann es nützlich sein, in den Zeiten, wo man besondere Gnaden erlebt, sich Notizen zu machen, die man dann später nachliest, wenn es dunkel wird. Ebenso kann das Geben von Glaubens-Zeugnissen und das Hören (Lesen) der Erfahrungen anderer eine große Hilfe sein.

3. September
Der Eifer beim Streben nach christlicher Vollkommenheit ist gewöhnlich am Anfang sehr groß, aber später verhält sich der Herr, als ob er (ohne uns) weitergehen würde. In diesem Fall müssen wir fest auf eigenen Füßen stehen und nicht unruhig werden, weil Gott seine helfende Hand zurückzuziehen scheint. Er möchte sehen, ob wir schon stark sind. Wenn wir jenen Trübsalen und Versuchungen widerstehen und sie überwinden, dann kommen das innere Glück und der himmlische Trost wieder zurück.

Wenn man einem kleinen Kind helfen möchte, gehen zu lernen, dann muss man es am Anfang fest mit beiden Händen halten. Im Laufe der Zeit lässt man es etwas lockerer und man probiert manchmal, ob es sich nicht schon alleine auf den Beinen halten kann. Auch wenn das Kind zunächst immer wieder einmal auf die Nase fällt, muss man es trotzdem schrittweise loslassen, sonst wird es nie selbständig.

4. September
Wir sollen vom Streben nach Tugend nicht ablassen. Denn zu guter Letzt endet das Ganze mit größerem inneren Glück als vorher. Der Herr gibt uns alle unsere Gnaden und Tröstungen verdoppelt zurück.

Wenn wir nach einer Zeit der Anstrengungen ein gewisses Erfolgserlebnis haben, sind wir glücklich wie ein Sportler, der nach hartem und ausdauerndem Training, sowie anfänglichen Niederlagen endlich den erhofften Sieg einfährt.

5. September
Es ist verhältnismäßig leicht, andere, selbst in kurzer Zeit für einen geistlichen Weg zu begeistern. Worauf es aber ankommt, ist die Beharrlichkeit auf diesem Weg.

Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld (Röm 8,23-25).

6. September
Wer in Zorn, Streit und Bitterkeit lebt, hat einen Vorgeschmack von der Hölle.

Die Hölle kann man sich ebenso wenig vorstellen wie den Himmel. Aber man kann eine Ahnung davon bekommen, wenn Unversöhnlichkeit und Hass regieren. Auf dieser Erde können wir noch etwas ändern – dort nicht mehr!

7. September
Um den Schutz (und die Hilfe) der heiligsten Jungfrau Maria in unseren Nöten zu erlangen, ist es sehr nützlich, nach Art eines Rosenkranzes, dreiundsechzig mal die Worte zu sprechen: „Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich!“

Dieser Rat stammt offensichtlich aus der eigenen Erfahrung des hl. Philipp Neri. Die Zahl dreiundsechzig, wird wohl nicht das Entscheidende sein. Wichtiger ist die Demut, die in diesem Hilferuf zum Ausdruck kommt. Demut und Vertrauen dringen in den Himmel ein und rühren das Herz Gottes an.

8. September
Wenn wir dieses Gebet zur Mutter Gottes verrichten, dann spenden wir ihr alles nur Mögliche Lob in sehr wenigen Worten: Wir nennen sie bei ihrem Namen „Maria“ und geben ihr die großen Titel, „Jungfrau“ und „Mutter Gottes“, und nennen dann Jesus, die Frucht ihres reinsten Leibes.

Wer Maria, die Mutter Jesu ehrt, ehrt Gott selber, der sie erschaffen hat. Um die rechte Beziehung zu Maria zu gewinnen, ist es wichtig, nicht nur ihre hervorragende Stellung anzuerkennen und hervorzuheben. Gleichzeitig kommt es darauf an, sie als Mutter anzusprechen und zu lieben: Mutter Jesu und meine Mutter!

9. September
Die Dinge dieser Welt bleiben nicht beständig bei uns; denn wenn wir sie auch noch vor unserem Tod nicht verlassen, so scheiden wir von hier mit ebenso leeren Händen, wie wir kamen.

Das Bewusstsein, das das „Totenhemd keine Taschen hat“, in denen wir etwas ins Jenseits mitnehmen könnten, diese Tatsache darf und soll uns immer wieder einen inneren Abstand geben von den irdischen Besitztümern, Sorgen und Aufgaben: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? (Lk 12,17-20).

10. September
Richtig zu leben, nimmt den ganzen Menschen in Anspruch.

„Das Leben ist ein Spiel – und wer es recht zu spielen weiß, der kommt ans große Ziel!“ Wie viel Training und Einsatz, Genauigkeit und Durchhaltevermögen… wird doch von unseren Spitzensportlern verlangt! – Unser Leben ist kein Hobby, das man so nebenbei mitlaufen lässt. Es geht ums Ganze, um die Ewigkeit. Dagegen sind die „Sorgen des Alltags“ von nur ganz geringer Bedeutung.

11. September
Die Geißelung und andere ähnliche Dinge, sollte man nie ohne Erlaubnis des Beichtvaters anwenden; wer es eigenwillig tut, wird entweder seiner Gesundheit schaden, oder stolz werden, indem er sich einbildet, er habe etwas Großes getan.

Das Wertvollste an besonderen Bußübungen, ist nicht die Leistung, sondern die innere Reife, das Sich Loslösen von „dieser Welt“, die Vertiefung der Demut, die uns liebesfähig macht. Die Versuchungen und Gefahren von Stolz, Ehrgeiz, und Selbstzufriedenheit werden durch den Gehorsam ausgegrenzt und unschädlich gemacht.

12. September
Gott hat ein besonderes Wohlgefallen an der Demut eines Menschen, der glaubt, dass er noch nicht angefangen hat, etwas Gutes zu tun.

Die stolze Zufriedenheit mit sich selber, das Reklame-machen mit Spenden, großen Taten und Verdiensten, versperren den Weg der Gnade. Es ist besser, sich selbst bescheiden etwas niedriger einzuschätzen. Aber Vorsicht! Auch das kann eine Falle sein, wenn man anfängt, mit der eigenen Demut zu demonstrieren…

13. September
Ehe wir zur Beichte gehen oder uns mit unserem Beichtvater beraten, wird es sehr nützlich sein, um den aufrichtigen guten Willen zu beten, ein wahrhaft heiliger Mensch zu werden.

Man muss sich immer wieder einmal prüfen und überlegen: Warum gehe ich jetzt eigentlich zur Beichte, was erwarte ich mir? Ist es Routine? Suche ich vor allem Trost? Ein gutes Gespräch, Aufmerksamkeit für meine Person…? Oder will ich mich wirklich bekehren, etwas ändern in meinem Leben?

14. September
Wer vor einem Kreuz wegläuft, wird auf seinem Weg ein größeres finden.

Wir brauchen unsere Kreuze! Sie sind ein Geschenk der Liebe Gottes, der uns fähig machen will, an seiner Freundschaft immer tiefer Anteil zu nehmen. Wir müssen uns keine Kreuze suchen und selber aufladen. Wer aber versucht, die Kreuze in seinem Leben ganz auszuschalten, hat noch nicht den Sinn des Lebens erfasst. Es wäre auch ein Mangel an Vertrauen auf die Güte Gottes, der weiß, was uns gut tut, wozu wir fähig sind und uns in der Schule seiner Liebe Nachhilfeunterricht gibt.

15. September
Christus starb aus Liebe für die Sünder. Wir dürfen daher vertrauen und hoffen, dass wir in den Himmel kommen, vorausgesetzt, dass wir unsere Sünden bereuen und Gutes tun.

Aus eigener Kraft können wir uns den Himmel nicht „verdienen“. Aber Jesus hat schon für unsere Eintrittskarte bezahlt – wir müssen sie nur noch abholen. Sie wird jenen ausgehändigt, die ihre Sünden zugeben, sie wirklich bereuen, und den Anderen so viel Liebe wie möglich schenken.

16. September
Wie soll ein Kranker sich mit dem bösen Feind herumstreiten? Er wird unvermeidlich besiegt werden. Es ist besser, seinen Beichtvater um Hilfe zu bitten, denn vor ihm hat der Teufel die allergrößte Furcht.

In der Zeit der Krankheit muss man mit mehr Versuchungen rechnen als gewöhnlich. Gerade da kommt es darauf an, sich helfen zu lassen. Wie gut, wenn jemand sich vor seinem Beichtvater öffnet und um Hilfe bittet.

17. September
Wer Gott dient, muss sein Möglichstes tun, dass er den Lohn für seine Arbeiten nicht schon in dieser Welt empfängt.

Das ist ein sehr vernünftiger „kaufmännischer“ Rat: Man sollte sein Kapital dort anlegen, wo der Gewinn am nachhaltigsten und sichersten ist. Leider legen zu viele Menschen zu großen Wert darauf, schon auf dieser Welt Anerkennung und Ehrungen zu erfahren. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten (Mt 6,4).

18. September
Wenn wir den Armen Almosen geben, müssen wir wie gute Diener der göttlichen Vorsehung handeln.

Manche Leute geben deshalb gerne „Almosen“, weil sie sich wohlfühlen, wenn sie die „Spendierhosen“ anhaben. Dabei geht es bei der Unterstützung anderer darum, dass wir von dem Besitz, den uns Gott zur Verwaltung anvertraut hat, im Namen Gottes zur rechten Zeit und in rechtem Maße, etwas an jene Stelle leiten, wo es hingehört: Komm, Heiliger Geist!

19. September
Wer fühlt, dass ihn das Laster des Geizes erfasst hat, der sollte nicht übermäßige Fasten-Übungen machen, sondern (zunächst) Almosen geben.

Wer fastet, konzentriert sich manchmal zu sehr auf sich selber, auf die eigene asketische Leistung. Dabei kann die soziale Komponente zu kurz kommen. Die Tugenden müssen im Gleichgewicht sein. Geiz aber verschließt das Herz und vermehrt den Egoismus.

20. September
Die Vollkommenheit kann nicht erreicht werden, ohne die größte Anstrengung.

„Vollkommenheit“ ist die volle Einheit mit Gott: Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist (Mt 5,48). Das kann man nicht aus eigener Kraft schaffen, und doch kommt es darauf an, mit der Gnade Gottes maximal zusammen zu arbeiten. Das aber erfordert auch maximale Anstrengung – bei gleichzeitigem Ausruhen am Herzen Jesu.

21. September
Sobald wir das schmutzige Kleid des Geizes abgestreift haben, sollen wir uns mit dem königlichen Gewand der entgegengesetzten Tugend, der Freigebigkeit bekleiden.

Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber (Kor 9,6-7).

22. September
Selbst mitten im Weltgetümmel können wir nach Vollkommenheit streben.

Vollkommenheit oder Heiligkeit hängt nicht von bestimmten Gebeten, Orten, Gewohnheiten… ab. Das einzige, was zählt, ist die ehrliche Suche und Erfüllung des Willen Gottes. Das kann man aber auch außerhalb des Klosters. Aber es gibt dort mehr Zerstreuung.

23. September
Nicht alles, was an sich besser ist, ist für jeden einzelnen besser.

„An sich“ oder objektiv betrachtet, ist der Ordensstand jene Lebensform, die schon der Regel nach ganz auf die vollkommene Liebe ausgerichtet ist. Aber das garantiert nicht, dass jeder in diesem Stand auch die vollkommene Liebe erreicht. Die äußere Struktur einer Gemeinschaft kann für einzelne auch hinderlich sein, so dass sie auf dem geistlichen Weg „in der Welt“ weiterkommen als im Kloster.

24. September
Bewahre die Andacht zur Mutter Gottes, schütze dich vor der Sünde, und Gott wird dich von deinen Übeln befreien.

Eine besondere Verehrung der Gottesmutter ist eine mächtige Verteidigung gegen den Versucher. Unter ihrem mütterlichen Schutzmantel können unsere inneren Verletzungen leichter ausheilen, denn wir erreichen leichter das notwendige Kind-Sein: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen (Mt 18,3).

25. September
Wenn wir mit unseren Nächsten Frieden halten wollen, so dürfen wir sie nie auf ihre natürlichen Mängel und Fehler hinweisen.

Die meisten Menschen sind mehr empfindlich im Hinblick auf ihre angeborenen „Mängel“ (z.B. rote Haare, kleiner Wuchs…), als wegen ihrer eigenen Fehler. Man sollte sie nicht provozieren!

26. September
Wir müssen zuweilen die kleinen Fehler der Anderen ebenso ertra-gen, wie auch manche natürliche Gebrechen an uns selber, die wir ganz und gar nicht wollen, dennoch ertragen müssen.

Wir können unsere Mitmenschen nicht mit Gewalt ändern. Manches muss man einfach geduldig ertragen. Wer das bewusst und mit Entschlossenheit tut, gewinnt viel innere Ruhe und auch mehr Kraft dazu. So können die Gebrechen und Behinderungen in einer Gemeinschaft oder Familie zum geistlichen Wachstum aller beitragen. Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält (Eph 4,1-3).

27. September
Leute von Rang sollen sich kleiden, wie es ihr Stand erfordert; aber Bescheidenheit sollte immer mit dabei sein.

Adel verpflichtet. Wer gehobenen, gesellschaftlichen Kreisen angehört, muss bei aller Bescheidenheit auch durch seine Kleidung und sein Auftreten jene achten, die ihm gleichgestellt sind. Demonstrative Armut kann ein schlechtes Zeugnis sein, das niemanden bekehrt.

28. September
Wir sollten nicht zu schnell sein, wenn wir andere zurechtweisen, sondern vielmehr zuerst an uns selbst denken.

Das ist vor allem wichtig, wenn man dabei seinen eigenen Ärger oder Zorn loswerden möchte. Wir sollten erst dann dem Anderen durch einen Hinweis helfen, wenn wir es eigentlich lieber nicht mehr tun möchten. Es geht um das Wohl des Anderen und nicht um eigene Wünsche.

29. September
Lasst uns daran denken, was für ein großes Glück es sein wird, immer mit den Engeln und den Heiligen Gott zu lobpreisen, wenn wir in den Himmel kommen.

Um dieses große Glück schon hier auf der Erde, wenigstens andeutungsweise, zu verkosten, und die Sehnsucht auf den Himmel zu stärken, ist es gut, immer wieder an gemeinsamen Lobpreis-Andachten teilzunehmen. Wie armselig sind jene dran, die unter ständigem Streit und Geschimpfe aufwachsen müssen. Es ist gut und wichtig, die Freude am Lobpreis schon hier auf der Erde zu erwerben und andere auf diesen Weg zu führen.

30. September
Das beste Mittel, um sich auf den Tod vorzubereiten, besteht darin, jeden Tag des Lebens so zu leben, als wäre er der Letzte.

Der Gedanke an den Tod soll unser Freund werden. Wir sollen uns jeden Tag mit so gutem Gewissen in den Schlaf fallen lassen, dass wir uns freuen würden, wenn wir im Himmel aufwachen könnten. Wie viel gewichtiger wird doch jeder Tag, wie kostbar jede Stunde und Minute, wenn wir sie wie die Letzte auf dieser Erde verbringen. Gleichzeitig gewinnen wir auch mehr Abstand zur Arbeit und den Problemen, die uns umgeben.
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Oktober

1. Oktober
Um von einem schlechten zu einem guten Leben zu wechseln, braucht man keinen besonderen Ratgeber. Wenn man aber von einem guten Leben zu einem besseren gelangen will, braucht man für diese Entscheidung Zeit, Rat und Gebet.

Der Wechsel von einem schlechten zu einem guten Leben, hat vor allem mit den 10 Geboten zu tun. Da ist es verhältnismäßig einfach zu erkennen, wie man z.B. mit Lüge oder Betrug umgehen muss. Schwieriger ist es, wenn es darum geht, die Räte des Evangeliums zu beherzigen. Um zu erkennen, ob z.B. der Weg zum Priestertum der Richtige ist, muss man sich mehr Zeit nehmen, guten Rat suchen und beten.

2. Oktober
Wir müssen Gott beständig um die Bekehrung der Sünder bitten und dabei an die Freude denken, die Gott und die Engel im Himmel über die Bekehrung eines jeden einzelnen Sünders haben.

Wer um die Bekehrung eines Sünders kämpft, macht Gott und dem ganzen Himmel eine besondere Freude, denn ER leidet viel mehr darunter als wir, wenn die Menschen ihm oft nicht trauen und klüger sein wollen als ihr Schöpfer, dabei aber sich selber unglücklich machen.

3. Oktober
Wer ohne besondere Ursache von sich selber redet und z. B. immer wieder Redensweisen gebraucht wie: „Ich habe dies und jenes gesagt“ – „Ich habe das und dass getan“, der macht sich unfähig, geistlichen Trost zu empfangen.

Ein solcher Mensch ist psychisch-geistlich im Kindesalter stecken geblieben. Er ist zu sehr auf sich selber konzentriert, nimmt sich selber zu wichtig und hat die Beziehung zur Umwelt und zu Gott nicht genügend entwickelt. Dass aber versperrt die Fähigkeit, von Gott und den Mitmenschen beschenkt zu werden.

4. Oktober
Wir sollten die Armut nicht fliehen, sondern wünschen.

Wer satt und reich ist, denkt mehr an seinen eigenen Bauch als an die Not der Anderen. Das macht egoistisch und faul. In ärmlichen Zeiten gibt es viel mehr Nachbarschafts-Hilfe. Man hat mehr Zeit füreinander… und auch für Gott. Das aber macht den Menschen glücklicher als ein üppiger und bequemer Lebensstandard.

5. Oktober
Wir müssen Gold, Silber, Edelsteine und alles, was die blinde Welt töricht hochschätzt, verachten.

Die Menschen werden oft durch Eitelkeit, übertriebenes Streben nach Besitz und Angeberei… unfähig, jene Werte kennen zu lernen und zu schätzen, die man nur in einem einfachen und schlichten Leben erfahren kann: In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt. Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen. Wende dich von diesen Menschen ab (2Tim 3,1-5).

6. Oktober
Lasst uns lernen, Gott schon auf dieser Erde Lob und Preis darzubringen, denn wir hoffen, ihn dereinst im Himmel lobpreisen zu können.

Der Sinn dieser Welt besteht darin, dass wir uns auf den Himmel vorbereiten, die „Aufnahmeprüfung“ bestehen und uns hier schon einmal „warm laufen“. Wer aber Gottes Größe und Güte nicht kennt (und auch nicht kennenlernen will), wer nie erfahren hat, wie schön die gegenseitige Liebe und Einheit unter den Menschen ist, der wird auch mit dem Lobpreis nicht viel anfangen können. Wie soll man sich da mit Freude auf den Himmel vorbereiten können?

7. Oktober
Wer in den Himmel kommen will, muss ein rechtschaffener Mensch und ein guter Christ sein, und darf sich nicht Träumereien hingeben.

Der Weg in den Himmel ist deutlich vorgezeichnet. Gott hat nicht nur den Menschen erschaffen, sondern ihm auch eine „Gebrauchsanweisung“ mitgegeben, nämlich die Heilige Schrift. Außerdem gibt es noch ein „Super-Navi“, nämlich das Gewissen. Man muss es nur richtig einstellen und lernen, damit umzugehen.

8. Oktober
Väter und Mütter sollen ihre Kinder tugendhaft aufziehen und sie eher als Gottes Kinder ansehen, denn als ihre eigenen; Leben, Gesundheit und alles, was sie besitzen, sollen sie als Darlehen betrachten, die sie von Gott haben.

Man sagt auch: Kinder sind eine Leihgabe! Sie werden den Eltern für einige Jahre anvertraut, gehören ihnen aber nicht, sondern müssen immer wieder und immer mehr Gott zurückgegeben werden. Damit die Kinder tauglich werden für das Leben auf dieser Welt und für den Himmel, brauchen sie in Theorie und Praxis eine gute Einschulung: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es vor dem Herrn recht ist. Ehre deinen Vater und deine Mutter: Das ist ein Hauptgebot und ihm folgt die Verheißung: damit es dir gut geht und du lange lebst auf der Erde. Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn! (Eph 6,1-4).

9. Oktober
Wenn wir das Vaterunser beten, sollen wir daran denken, dass wir Gott zum Vater im Himmel haben und so Wort für Wort fortfahren, indem wir eine Betrachtung darüber machen.

Das Vaterunser ist das Urmodell christlichen Betens. Jesus selber hat uns dieses Gebet anvertraut: Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht (Lk 11,1-2): Vater unser…

10. Oktober
Um sich von den irdischen Dingen loszumachen, ist es gut, ernstlich an das Ende derselben zu denken und dann sich selber immer wieder zu fragen: „Und dann? Und dann?…“

Wir dürfen nicht das Ziel aus den Augen verlieren, wenn wir den richtigen Weg einschlagen wollen. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Seht euch also vor und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist (Mk 13,31-33).

11. Oktober
Der Teufel, der ein überaus hochmütiger Geist ist, wird nie wirk-samer und vollständiger überwunden, als durch Demut des Herzens und durch ein einfaches, klares und unverstelltes Bekenntnis unserer Sünden und Versuchungen in der Beichte.

Auch hier spricht Philipp Neri aus Erfahrung, kein Exorzist „von Amts wegen“, aber in dieser Maxime erfahren wir vom „Geheimnis“ seiner zahlreichen Siege über den Satan: Legt deshalb die Lüge ab und redet untereinander die Wahrheit; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden. Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum! (Eph4,47-27).

12. Oktober
Wir sollen in der Regel nicht an Prophezeiungen glauben, oder sie wünschen; denn es ist möglich, dass manche List des Teufels darin enthalten ist.

Mit „Privatoffenbarungen“ und prophetischen Worten und Bildern muss man sehr vorsichtig umgehen, denn es gibt den großen Verführer, der sich auch manchmal sogar als „Engel des Lichtes“ (2Kor 11,14) ausgibt. Darum muss jede Prophezeiung durch charismatisch begabte Personen von den Verantwortlichen der Kirche geprüft werden: Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt! (1 Tess 5,20-22). – Andererseits darf man das Kind auch nicht mit dem Bade ausschütten. Der hl. Petrus zitiert in seiner Pfingstpredigt den Propheten Joel: In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein (Apg 2,17-18, vgl. Joel 3,1-5).

13. Oktober
Wenn wir sehen, wie ein anderer seinem Nächsten irgendeine geistliche Wohltat erweist, so ist es höchst nützlich, wenn wir danach streben, durch Gebet an diesem guten Werk, das der Herr durch die Hand eines andern wirkt, teilzuhaben suchen.

Es geht zunächst darum, dass man sich über die guten Taten anderer freut. Man kann zudem auch an den Verdiensten der anderen teilhaben, wenn man sie im Gebet unterstützt.

14. Oktober
Bei der Heiligen Kommunion sollen wir um die Befreiung von jenem Laster bitten, zu dem wir uns am meisten hingezogen fühlen.

Die Heilige Kommunion ist die deutlichste und stärkste Vereinigung mit Gott auf dieser Erde. Sie ist (oder sollte es wenigsten sein) eine Begegnung unter Freunden. Was läge näher als der Wunsch von dem frei zu werden, was dem Freund wehtut. Warum nicht um Hilfe bitten?!

15. Oktober
Für den, der Gott wahrhaft liebt, gibt es nichts Unangenehmeres, als der Mangel an Gelegenheit, für ihn zu leiden.

Diese Wahrheit setzt eine tiefe Gotteserfahrung voraus. Eine große Liebe wächst durch das Leiden für den Geliebten. Darum gibt es Heilige, die in ihrem Hunger nach immer größerer Liebe, Gott um Leiden angefleht haben. Sie sahen keinen Sinn mehr im Leben, wenn sie nicht noch mehr leiden konnten. Es ist eine besondere Gnade, zu einer solchen Glaubenserfahrung zu gelangen.

16. Oktober
Wir sollen niemand hassen; denn Gott kehrt nie da ein, wo keine Liebe zum Nächsten ist.

Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm (1 Joh 4,15-16).

17. Oktober
Wir müssen unseren eigenen Tod und den unserer Verwandten annehmen, wann immer Gott uns denselben schickt. Wir sollen ihn nicht zu einer andern Zeit wünschen, denn es ist zuweilen zu unserem eigenen Besten und zum Seelenheil aller notwendig, dass der Tod gerade in jenem Augenblick eintritt.

Der Umgang mit dem Tod ist ein Prüfstein des Glaubens. Wer sich ein ganzes Leben auf den Heimgang zum Vaterhaus bei Gott vorbereitet hat, ist jederzeit bereit, dorthin gerufen zu werden.

18. Oktober
Die Vollkommenheit eines Christen besteht darin, dass er sich aus Liebe zu Christus abzutöten weiß.

Das Wort „Abtötung“ klingt in unseren Ohren fremd. Es ist ein Bild, das man gut verstehen kann, wenn man etwa an das Abschneiden von Wildwuchs an den Bäumen denkt. Jedes bösartige Krebsgeschwür muss abgetötet werden, damit man nicht stirbt.

19. Oktober
Wer Verzückungen und Visionen wünscht, weiß nicht, was er wünscht.

Der hl. Philipp spricht aus Erfahrung. Er hat solche außergewöhnlichen Dinge nicht gesucht, aber er musste viel unter ihnen leiden, z.B. die Erweiterung seines Herzens. Wer sich solche Phänomene wünscht, liebt mehr sich selbst als Gott.

20. Oktober
Diejenigen, die Visionen, Träumen und dergleichen nachjagen, müssen wir an den Füßen halten und sie mit Gewalt zu Boden werfen, damit sie nicht in die Netze des Teufels fallen.

Hinter der Sucht nach außerordentlichen übernatürlichen Erlebnissen, versteckt sich gewöhnlich eine krankhafte Sensationslust. Sie scheint oft nicht weit weg zu sein von der Sucht nach Nervenkitzel z.B. durch Krimis, Kriegs-Filme, Abenteuerreisen oder auch durch esoterische Experimente.

21. Oktober
Nach den Regeln der Wüsten-Väter und der alten Mönche, muss jeder die Welt gering schätzen, wer in der Vollkommenheit weiter kommen will.

Denn: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon (Mt 6,24).

22. Oktober
Nichts missfällt Gott mehr, als wenn wir von Stolz und Eitelkeit aufgeblasen sind.

Es ist pervers, wenn man sich selber für den Nabel der Welt hält, sich (wenn auch unbewusst) für die wichtigste Peron einstuft und sich so zum Götzen macht.

23. Oktober
Wer es versteht, seinen eigenen Willen zu brechen und seiner Seele zu verweigern, was sie begehrt, hat einen hohen Grad in der Tugend erlangt.

Hier geht es nicht um Verachtung des eigenen Willens, sondern um seine Beherrschung: Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde (1Kor 9,25-27).

24. Oktober
Wenn jemand in eine Krankheit fällt, so muss er nachdenken und sich sagen: „Gott hat mir diese Krankheit geschickt, weil er etwas von mir will; ich muss mich daher entschließen, mein Leben zu ändern, und besser zu werden.“

Die Krankheit ist keine Bosheit Gottes, sondern eher ein Erziehungsmittel. Es kann eine Gnade sein, wenn jemand durch eine Krankheit aus allzu großem Aktivismus herausgezogen wird und Zeit zum Nachdenken bekommt, was sich heilsam für Leib und Seele auswirken kann. Es gibt auch die Krankheit, die eine besondere Berufung ist, stellvertretend zu beten, zu leiden, zu sühnen – siehe die hl. Anna Schäffer!

25. Oktober
Wenn jemandem ein Leid von Gott gesendet wird und er ist ungeduldig, so können wir zu ihm sagen: „Du bist nicht würdig, dass Gott dich heimsucht; du verdienst diese Gnade und Wohltat nicht!“

Die hl. Katharina von Siena erklärte zu diesem Thema: „Alles, was Gott schickt oder zulässt, das geschieht zu unserer Heiligung.“

26. Oktober
Armut und Trübsal werden uns von Gott als Prüfungen unserer Treue und Tugend gesendet und auch, um uns mit dauerhafteren und wahreren Schätzen zu bereichern.

Mangel und Traurigkeit kann man also auch positiv sehen: Gott ist am Werk. Er hat mich nicht aufgegeben, sondern schenkt mir die Chance, im Glauben weiter zu wachsen. Er will mich reich machen mit Schätzen, die auch in der Ewigkeit ihren Wert behalten: Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz (Lk 12,33-34).

27. Oktober
Skrupel müssen sorgfältig vermieden werden, da sie den Geist beunruhigen, und den Menschen melancholisch machen.

Skrupel sind eine starke Behinderung im geistlichen Leben. Darum muss man lernen, mit ihnen gut umzugehen. Man bringt sie kaum weg, aber der volle Gehorsam dem Seelenführer gegenüber, macht es möglich, gut mit diesem Umstand zu leben.

28. Oktober
Wir müssen uns in die Arme Gottes werfen und dürfen überzeugt sein, dass er, wenn er etwas von uns will, uns zu allem fähig machen wird, was er von uns haben will.

Die christliche Beziehung zu Gott ist nicht Furcht, sondern Vertrauen. Gott fordert von uns nicht mehr, als was wir mit seiner Hilfe tun können. Aber man muss sich helfen lassen und der Barmherzigkeit Gottes immer wieder vertrauen.

29. Oktober
Nichts hilft dem Menschen mehr, als Gebet.

Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten (Mt 7,7-11).

30. Oktober
Müßiggang ist eine Pest für den Christen. Wir sollen daher immer beschäftigt sein, besonders, wenn wir in unserem Zimmer allein sind, damit der Teufel nicht hereinkommt und uns müßig antrifft.

Es ist eine alte Erfahrung: „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. Wer seine Pflichten erfüllt hat und nicht im Schlaf ausruhen kann, oder im Augenblick keinen Schlaf braucht, der soll sich fragen: Wer baucht meine Hilfe, mein Gebet, einen Brief…?

31. Oktober
Wir müssen immer auf der Hut sein, und dürfen nie auf uns selbst unser Vertrauen setzen; denn der Böse greift uns plötzlich an und verfinstert unseren Verstand, und wer nicht aufpasst, wird sofort besiegt, weil er keine Hilfe vom Herrn annimmt.

Es gibt eine heilsame Furcht, die zu größerer Wachsamkeit mobilisiert. Ohne Selbstvertrauen ist ein gesundes Leben und Wirken kaum möglich, aber die Übertreibung in Form von Selbstsicherheit ist genauso gefährlich. Darum mahnt der hl. Petrus: Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch. Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! (1 Petr 5,6-9).
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November

1. November
Die Hauptsache ist, dass wir heilig werden.

„Heilig“ bedeutet so viel wie „göttlich“. Kein Mensch kann von sich aus heilig werden, aber wir können ganz in Gott eingetaucht werden und an seiner Liebe teilnehmen. Das ist unsere eigentliche Berufung. Dazu hat Gott uns erschaffen, dass wir uns aus freiem Willen vom Heiligen Geist erfüllen lassen, um so fähig zu werden an einer Freundschaft mit Gott teilzunehmen. Oft hört man sagen: „Hauptsache, dass wir gesund sind!“ Wenn Gesundheit die volle Einheit mit Gott meint, dann stimmt das sogar…

2. November
Um in den Himmel zu kommen, müssen wir gerechtfertigt und gereinigt sein.

„Gerechtfertigt“ sind wir durch das Blut Christi, also durch das Sühneopfer Jesu am Kreuz, durch sein Leben, Sterben und Auferstehen. Wenn wir diese Rechtfertigung auf dieser Welt verspielen, können wir sie durch das Sakrament der Buße und Versöhnung wieder gewinnen. Im Fegefeuer (Purgatorium) müssen wir noch von allem gereinigt werden, was die volle Einheit mit Gott verhindert. Wie groß ist doch das Erbarmen Gottes, das uns erlaubt und befähigt, den Verstorbenen in der so schmerzlichen Reinigung helfend beizustehen und so dieses Leiden zu „verkürzen“.

3. November
Der Jüngling hüte sich vor der Fleischeslust und der Greis vor dem Geiz, und wir werden alle miteinander heilig werden.

Der erfahrene Seelenführer Philipp Neri weist hier auf zwei besonders häufig auftretende Hindernisse hin, die den Weg zur vollen Freundschaft mit Gott erschweren. Wie gut, dass wir uns mit Hilfe von guten Hirten wehren und schützen können!

4. November
Wo keine große Abtötung, da ist auch keine große Heiligkeit.

Heiligkeit ist vor allem ein Geschenk Gottes. Diese Gnade braucht aber unbedingt unsere Mitarbeit. Wir müssen uns durch "Abtötung" fähig machen, den Heiligen Geist zu empfangen und unter seiner Leitung zu leben. Das darf ruhig auch einmal wehtun!

5. November
Die Heiligkeit eines Menschen liegt in der Breite von drei Fingern (dabei berührte der hl. Philipp mit drei Fingern seine Stirn), d. h. in der Abtötung des eigenen Urteils, das gerne über alles mit einer gewissen Besserwisserei diskutieren möchte.

Selbstverständlich müssen wir auch immer wieder unseren Verstand gebrauchen, um den Willen Gottes zu erkennen. Das aber genügt nicht immer. Im Glaubens-Gehorsam werden wir fähig, sinnvoller Weise auch Entscheidungen anzunehmen, die wir in dem Augenblick noch nicht verstehen.

6. November
Wer sich wirklich wünscht ein Heiliger zu werden, der darf sich nie verteidigen, außer in einigen seltenen Fällen. Er muss sich vielmehr immer so sehen, als ob er im Unrecht wäre – selbst wenn das unwahr ist, was gegen ihn vorgebracht wird.

Die Heiligen stehen über allem. Sie brauchen sich nicht zu verteidigen – das besorgt zu gegebener Zeit Gott selber: Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise! Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute! (Röm 12,16-21).

7. November
Was wir von den Tugenden der Heiligen wissen, ist der geringste Teil davon.

Die Heiligen sind ein bleibendes Rätsel, weil sie Gott so nahe gekommen sind. Wir tun gut daran, wenn wir danach streben, sie immer besser kennen zu lernen. Es geht nicht darum, sie zu kopieren. Aber ihr Beispiel hilft uns, in der eigenen Situation ähnlich wie sie, auf die Liebe Gottes zu antworten.

8. November
Die Reliquien der Heiligen sollen verehrt werden, und es ist lobenswert, wenn wir sie in unseren Zimmern aufbewahren; aber es ist nicht gut, sie ohne eine wichtige Ursache bei sich zu tragen. Denn es wird dann oft der Fall sein, dass sie nicht mit all der Hochachtung behandelt werden, die ihnen gebührt.

Wir brauchen die Nähe zu unseren Heiligen und auch gleichzeitig einen gewissen Abstand durch die Ehrfurcht, mit der wir ihre Reliquien behandeln. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass die Reliquien der Heiligen auch viel Schutz geben vor dem Wirken der bösen Geister.

9. November
Die alten Patriarchen besaßen Reichtümer, ohne aber ihr Herz an diese Dinge zu hängen; sie besaßen sie zwar, aber sie erlaubten sich nur den Gebrauch davon, und waren bereit, alles zu verlieren, wenn Gott es von ihnen forderte.

Auch wir besitzen verschiedenste Dinge und Talente, aber wir sind nur Verwalter all dessen, was uns zur Verfügung steht. Wichtig ist die innere Freiheit davon. Wir sollen bereit sein, auch alles zu verlieren – nur nicht Gott selber!

10. November
Wir müssen Gott inständig bitten, dass er in uns täglich das Licht und die Wärme seiner Güte vermehre.

Der Ofen darf nicht ausgehen – wir sollen und wollen immer wieder Brennmaterial nachlegen. Es genügt uns nicht, nur korrekt und „in Ordnung“ zu sein. Wir dürfen die Wärme und Güte Gottes ausstrahlen.

11. November
Es ist ein alter Brauch bei den Dienern Gottes, dass sie stets einige Stoßgebete bereit haben, um sie häufig während des Tages wie Pfeile zum Himmel zu schießen. So erheben sie ihren Geist von dem Schmutz dieser Welt zu Gott. Wer diese fromme Übung annimmt, wird ohne viel Mühe große Frucht daraus ziehen.

Es geht darum, dass wir immer mehr in der Gegenwart Gottes leben und alle Dinge in seinem Licht sehen, annehmen, behandeln…

12. November
Wenn wir unsere Leiden aus Liebe zu Gott geduldig ertragen, so scheinen sie zwar anfangs bitter zu sein, aber sie werden süß, wenn man sich an den Geschmack gewöhnt hat.

Wir brauchen unsere Leiden, aber es ist ein großer Unterschied, ob man sie nur passiv und mit Murren und Stöhnen erträgt, oder ob man sie bewusst mit den Leiden Jesu Christi vereint. Das aufgeopferte Leiden ist das stärkste Gebet…

13. November
Wer Gott aufrichtig von Herzen liebt und ihn über alles schätzt, vergießt zuweilen im Gebet Ströme von Tränen, und fühlt eine Menge von geistlichen Gnaden mit solcher Heftigkeit auf sich eindringen, dass er ausrufen muss: „Herr es ist genug!“

Nicht alle Menschen haben die „Gabe der Tränen“. Das hängt auch von der Natur des Beters ab, ob er die Gnaden auch gefühlsmäßig empfindet. Entscheidend für das Gebet ist die Hingabe an Gott und die Bereitschaft jeden Willen Gottes, mit Glaube und Liebe anzunehmen – auch, wenn das ein Kreuzweg ist.


14. November
Man darf aber diese fühlbaren inneren Glücksgefühle beim Gebet nicht absichtlich suchen; denn man kann da leicht vom Teufel getäuscht werden und außerdem noch Gefahr laufen, seiner Gesundheit zu schaden.

Wichtig im Gebet ist vor allem, ganz auf Jesus zu horchen und sich nach seinen Wünschen zu richten. Wie schön ist es doch, wenn jemand nicht zuerst für sich selber Trost sucht, sondern vor allem daran denkt, Jesus zu trösten…

15. November
Wenn die Seele voll Ergebung in den Händen Gottes ruht und sich damit begnügt, die Wünsche Gottes zu erfüllen, so ist sie wirklich in guten Händen und hat die größte Sicherheit, dass es ihr gut gehen wird.

Wahre Liebe stellt keine Bedingungen und macht auch keinen Handel. Der Mensch, der im Glauben angenommen hat, das Gott die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,8.16), weiß, wem er sich ohne Wenn und Aber anvertrauen kann.

16. November
Ganz in den göttlichen Willen ergeben sein, ist wahrhaft ein Weg, auf welchem wir nicht irre gehen können, und es ist der Weg, der uns dahin führt, jenen Frieden zu kosten und zu genießen, von welchem sinnliche und irdische Menschen nichts wissen.

Das offene Geheimnis des christlichen Friedens ist in der Ganzhingabe an Gott verborgen. Es geht darum, diesen Frieden nicht nur selber zu genießen, sondern ihn auch in die Welt hinaus zu tragen durch das eigene Zeugnis.

17. November
Die Ergebung in den göttlichen Willen ist für den Kranken alles in allem. Er soll zu Gott sagen: „Herr wenn du mich willst, hier bin ich! Obwohl ich (ohne dich) nie etwas Gutes getan habe – tu mit mir, was du willst!“

Die wichtigste Aufgabe eines Kranken ist die volle und bedingungslose Hingabe an den Willen Gottes. Das ist Vollendung und Krönung des Lebens. Glücklich, wer diesen Schritt nicht so sehr in Resignation, sondern vielmehr in echter Liebe tun kann!

18. November
Mache nie irgendein Geräusch in der Kirche, wenn es nicht wirklich notwendig ist.

Auch der Raum der Kirche ist geheiligt und verlangt vom Gläubigen Ehrfurcht. Die Körpersprache kann da viel zum Ausdruck bringen: Schweigen, Verneigen, Kniebeuge, Stehen, Falten der Hände…

19. November
Die Geduld ist für die Diener Gottes notwendig; wir dürfen im Unglück nicht kleinmütig werden, sondern müssen auf Trost warten.

Geduld ist die Frucht des Duldens. Jesus in der Passion, ist der große Dulder, der schweigend für seine Peiniger betet: Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lk 23,34).

20. November
Wenn Weltleute einmal ihren Stand gewählt haben, so sollen sie auf diesem Weg verharren und auf ihm ihre geistlichen Übungen und ihre Werke der Nächstenliebe weiterpflegen. Dann werden sie in der Todesstunde zufrieden sein.

Es ist das Wichtigste, auf welchem geistlichen Weg und in welchem Stand man sich entfaltet. Ein Wechsel ist selten sinnvoll, denn „alle Wege führen nach Rom“ – man kann auf jedem Weg und in jedem Stand heilig werden, denn alles ist eine Gelegenheit zu lieben.

21. November
Die Berufung zum Klosterleben ist eine der größten Wohltaten, welche die Mutter Gottes von ihrem Sohne für diejenigen erlangt, die ihr in Andacht ergeben sind.

Die Berufung zum Kloster- oder Ordensleben ist eine besondere Gnade. Wer sie erlangen möchte, tut gut daran, die Mutter Jesu um Hilfe zu bitten.

22. November
Es gibt nichts Gefährlicheres im geistlichen Leben, als wenn man sich nach seinem eigenen Gutdünken leiten will.

Nicht jede Gefahr muss zur Katastrophe führen, aber man sollte nicht leichtsinnig und ohne Not, kein solches Risiko eingehen.

23. November
Zu den Dingen, um die wir Gott bitten sollten, gehört die Beharrlichkeit in einem guten Leben und im Dienst des Herrn. Denn wenn wir wirklich Geduld haben und in dem guten Leben, das wir begonnen haben, ausharren, werden wir einen sehr hohen Grad christlicher Vollkommenheit erlangen.

Von der Beharrlichkeit im Wettkampf hängt letztlich der Sieg ab. Man sagt auch, dass die Liebe durch die Treue gekrönt wird. Ein Dienen ohne Geduld und Ausdauer verliert seinen Wert und endet in der Enttäuschung.

24. November
Wer verachtet, verachtet zu werden, ist ein vorbildlicher Jünger in der Schule Christi, zumal wenn er sich bei der Selbstverachtung freut und sich für ein Nichts hält.

Es wird viel Energie, Zeit und Gesundheit vertan, weil man sich für so wichtig nimmt und jede kleine Beleidigung an die große Glocke hängt. Wie gut, wenn sich jemand selber für gering hält, ohne dabei in Minderwertigkeits-Komplexe zu geraten.

25. November
Der Weg, den Gott mit den Seelen einschlägt, die ihn über alles lieben, ist eine wahre Vermählung zwischen ihm und ihnen. Das zeigt sich an den Versuchungen und Schwierigkeiten, die er ihnen schickt.

Wahre Liebe macht ähnlich. Wer Gott liebt, den lässt er an der Dornenkrone und an den Nägeln teilnehmen. Jesus zieht ihn in sein geöffnetes Herz.

26. November
In den Versuchungen des Fleisches muss der Christ sogleich seine Zuflucht zu Gott nehmen, dreimal das Zeichen des Kreuzes über sein Herz machen und sprechen: „Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!“

Es gibt keine Sicherheit vor den Angriffen des Bösen – besonders dann nicht, wenn es eine Zeit lang ganz gut gegangen ist. Umso notwendiger ist es, in einer Versuchung, die ihr Wetterleuchten vorausschickt, sofort um Hilfe „von Oben“ zu bitten und sich auch helfen zu lassen, indem man sofort auf die inneren Einsprechungen eingeht.

27. November
Was die Versuchungen betrifft, so werden einige durch die Flucht vor ihnen überwunden, andere durch Widerstand und andere durch Verachtung.

Es gibt keine allgemeingültige Regel für das Verhalten bei Versuchungen. Bei Angriffen auf die Reinheit hilft meistens die Flucht am besten. Bei Angriffen auf die eigene Ehre ist wohl die Verachtung zu empfehlen. Wiederstand müssen wir leisten, wenn uns Faulheit und ähnliches plagt. Letztlich muss es jeder selber bei sich ausprobieren, aber dann entschlossen handeln.

28. November
Um Klugheit zu erlangen und ein richtiges Urteil zu fällen, müssen wir lange gelebt haben und mit vielen Leuten genau bekannt gewesen sein.

Manche Dinge lernt man nicht aus Büchern, sondern durch den Umgang mit vielen Menschen in den verschiedensten Situationen

29. November
Bescheidenheit und die Achtung der Regeln von Anstand und guten Sitten, sind Zeichen eines Herzens mit großer Vollkommenheit.

Auch Höflichkeit ist eine Tugend! Die Anstandsregeln sind meistens Ausdruck von Hochachtung für andere, mit denen man z.B. bei Tisch ist.

30. November
Wir müssen Christus dort suchen, wo er nicht (mehr) ist, also am Kreuz und in den Leiden der Passion. Aber wenn wir auf diesem Weg durchhalten, werden wir ihn in der Glorie finden.

Es gibt keinen anderen Weg zur Herrlichkeit des Himmels als das Kreuz. Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Liebe, im Kreuz ist Segen…
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Dezember

1. Dezember
Die häufige Beichte ist ein großes Gut für die Seele, denn sie wird dadurch gereinigt, geheilt und im Dienste Gottes bestärkt. Wir dürfen daher die Beichte an unseren festgesetzten Tagen nicht (leichtfertig) um einer Erledigung willen unterlassen, sondern wir müssen zuerst zur Beichte gehen und nachher tun, was zu tun ist. Und das erstere wird dem letzteren helfen.

Wer der regelmäßigen Beichte vor anderen Geschäften den Vorrang gibt, wohnt in einem gepflegten Haus, das immer in Ordnung ist. Wie wohl wird sich der Heilige Geist fühlen, wenn seine lebendigen Tempel so geachtet sind!

2. Dezember
Wenn wir zur Beichte gehen, müssen wir davon überzeugt sein, das wir in der Person unseres Beichtvaters Jesus Christus selber begegnen.

Wir können Jesus Christus auf verschiedene Weise begegnen: In den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein, in der Mitte, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, in jedem Mitmenschen allgemein, besonders in den Armen und Kranken. Eine Gegenwartsweise, die leider oft in den Hintergrund tritt, ist jene in den Priestern – besonders wenn sie die Sakramente spenden. Gerade im Buß-Sakrament ist es wichtig, diese übernatürliche Beziehung zwischen Beicht-Vater und Beicht-Kind zu betonen.

3. Dezember
Gebt mir zehn Männer, die wirklich von der Welt losgeschält sind, und ich habe den Mut zu glauben, dass ich die Welt mit ihnen bekehren könnte.

Wie weit bin ich selber von der Welt „losgeschält“, oder „befreit“? Gibt es nicht doch immer wieder Anhänglichkeiten oder Bequemlichkeiten, die mich in der Arbeit für das Reich Gottes behindern?

4. Dezember
Wer oft kommuniziert, wie er soll, bringt gute Früchte hervor, die Frucht der Demut, die Frucht der Geduld, die Frucht aller Tugenden.

Leider bringt unser (fast) täglicher Empfang der Heiligen Kommunion nicht so viele Früchte, weil wir uns nicht genügend auf die Feier der Eucharistie vorbereiten, und in die Feier sich zu viel Routine einschleicht.

5. Dezember
Man soll nicht aus weltlichen Absichten zur Beichte gehen, etwa um Almosen zu erhalten und dergleichen.

Nicht die Sympathie für den Beichtvater, oder die Hoffnung, sich endlich einmal ausweinen zu können oder verstanden zu werden, dürfen in der Beichte die Oberhand gewinnen. Es geht immer in erster Linie um die Bekehrung. Darum ist auch ein konkreter Vorsatz so wichtig, über den man auch mit dem Beicht-Vater sprechen sollte.

6. Dezember
Wir dürfen eine unbescheidene Person nicht zu hoch einschätzen – unabhängig davon, wie viel Tugenden und Fähigkeiten sie sonst besitzen mag.

Bescheidenheit wirkt sich auf alle Bereiche des Menschen aus – wie auch das Gegenteil!

7. Dezember
Der Heilige Geist sagt von Prälaten und Hirten der Kirche: „Wer seine Oberen hört und ihnen gehorcht, hört mich und gehorcht mir, und wer sie verachtet, verachtet mich und ist mir ungehorsam“ (vgl. Lk 10,16).

Der hl. Philipp hatte es nicht leicht mit seinen kirchlichen Oberen in Rom. Einerseits war er von einigen überaus geschätzt – dann aber wurde er wieder verdächtigt und erniedrigt. Und trotzdem hat er in den Würdenträgern – unabhängig von deren persönlichen Lebensführung – immer die besondere Gegenwart Gottes geachtet und ihnen entsprechend gehorcht.

8. Dezember
Wenn ein Diener Gottes mit größter Sicherheit durch so viele Fallstricke hindurchgehen will, die überall gelegt sind, so muss er die Mutter Gottes zur Mittlerin bei ihrem Sohne nehmen.

Das Vertrauen zu Maria wächst nicht nur aus theologischen Erwägungen, sondern ist auch die Sache des Herzens und der persönlichen Erfahrung.

9. Dezember
Der Kranke darf sich wohl wünschen gesund zu werden, vorausgesetzt, er besiegelt seinen Wunsch immer mit einem: „Wenn es Gott gefällt“, „Wenn es zum Besten meiner Seele ist“. Denn wir können in der Gesundheit manches Gute tun, woran uns die Krankheit hindert.

Andererseits kann auch das aufgeopferte Leiden in einer Krankheit viel Segen auf die Kirche und Welt herabziehen. Wie gut und schön ist doch das Gebet des Aussätzigen, der Jesus so außergewöhnlich bescheiden um Heilung bittet: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde (Lk 5,12).

10. Dezember
In der Krankheit müssen wir Gott bitten, uns Geduld zu geben, weil es oft der Fall ist, dass ein Mensch, wenn er gesund wird, nicht nur das Gute nicht tut, das er sich in der Krankheit vorgenommen hat, sondern dazu noch seine Sünden und seine Undankbarkeit verviel-fältigt.

Eine Krankheit kann eine echte geistliche Übung werden, auch wenn die Gebete andere Formen haben. Es ist eine Gelegenheit viele Tugenden zu üben, die man vielleicht mehr braucht als die physische Kraft. Krankheiten können wirkliche Exerzitien sein!

11. Dezember
Der Maulwurf ist, wie man sagt, ein blindes Tier, das immer unter dem Boden lebt; es frisst Erde und höhlt dieselbe aus, wird aber nie satt daran; ebenso verhält es sich mit dem Geizigen.

Geiz ist eine der vielen Formen von Abhängigkeiten, die sich bis zur Sucht steigern können. Und wie jede Sucht macht auch diese den Menschen blind für andere Werte.

12. Dezember
Ein Beichtkind soll nie ein Gelübde machen, ohne den Rat seines Beichtvaters.

Versprechen aus einer Zeit der Euphorie können zu einer wirklichen Last werden und dann noch zusätzlich ein Problem für das Gewissen. Manche Leute sammeln durch Versprechen so viele Pflichtgebete an, dass sie sich nicht mehr frei bewegen können und ihre Pflichten vernachlässigen. Ein kluger Beichtvater wird diese unglücklichen Leute von diesen Verpflichtungen dispensieren und darüber wachen, dass sich nicht wieder zu viel Gebetsübungen ansammeln.

13. Dezember
Wenn wir solche Gelübde machen, ist es am besten, sie bedingt zu machen, z.B.: „Ich mache ein Gelübde, am Tage der heiligen Lucia zwei Messen lesen zu lassen, unter der Bedingung: „Wenn ich kann, wenn ich es nicht vergesse; denn wenn ich mich nicht daran erinnere, will ich nicht gebunden sein.“

Das Versprechen, bestimmte Gebete oder Werke zu verrichten, kann eine Hilfe für das geistliche Leben sein. Wichtiger aber sind, meines Erachtes, Leitsätze, die dabei helfen, nach dem Evangelium zu leben und alle Bereiche mit übernatürlicher Liebe zu durchdringen.

14. Dezember
Wenn etwas zu kaufen ist, so soll man es nicht tun, weil man zu der Sache eine besondere Neigung hat, sondern aus Bedürfnis und Notwendigkeit.

… ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt (Phil 4,11-13).

15. Dezember
Gewisse kleine freiwillige Neigungen der Eigenliebe müssen wir durchschneiden; sodann müssen wir rings um sie graben und die Erde entfernen, bis wir tief genug hinab kommen, um den Ort zu finden, wo sie wurzeln.

Es genügt nicht, gewisse Schwächen (wie z.B. Esslust) zu beichten. Man muss sich nach den Ursachen und Wurzeln fragen, wenn man diese Schwäche wirklich bekämpfen will.

16. Dezember
Man muss bereit sein, viel auszuhalten, wenn man von anderen deshalb gedemütigt wird, weil man danach strebt, treu nach dem Glauben und Gewissen zu leben – selbst wenn Gott es zulässt, dass man deswegen von anderen schief angesehen und wie ein Aussätziger behandelt wird.

Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten (Joh 15,18-20).
Manchmal dringt die „Welt“ auch bis ins Kloster vor!

17. Dezember
Unser Feind, der Teufel, der mit uns kämpft, um uns zu besiegen, will uns entzweien und Unfrieden anstiften, weil er uns so überwindet und uns zu seinen Sklaven macht, während wir miteinander streiten.

Unser Widersacher, der Teufel, hat so seine Methoden, auch in geistliche Familien und Klöster einzudringen: Wie im Paradies weckt er Misstrauen und sät Zweifel. Dann stiftet er Unfriede und Spaltungen. In den so vorbereiteten Ackerboden sät er dann seine Saat. Der hl. Paulus kennt das Problem. Darum fleht er seine Gemeinden an: … macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und Einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht (Phil 2,2-4).

18. Dezember
Wer nicht an die Wohltaten denkt, die er in diesem Leben von Gott empfängt und an jene größeren, die seine Barmherzigkeit im andern Leben aufgespart hat, nährt nicht die Liebe zu Gott, sondern erkaltet sie.

Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt
(1 Kor 11,24-26).

19. Dezember
Wenn eine Seele sich gänzlich von lässlichen Sünden enthalten könnte, so wäre die größte Pein, die sie empfinden könnte, in diesem Leben zurückgehalten zu werden; so groß würde ihre Sehnsucht sein, sich mit Gott zu vereinigen.

„Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann (Phil 3,18-21).

20. Dezember
In den Verfolgungen, welche böse Menschen gegen die Frömmigkeit und Andacht erregen, müssen wir unser Auge auf Gott richten, dem wir dienen, und auf das Zeugnis eines guten Gewissens.

Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Der Jünger muss sich damit begnügen, dass es ihm geht wie seinem Meister, und der Sklave, dass es ihm geht wie seinem Herrn. Wenn man schon den Herrn des Hauses Beelzebul nennt, dann erst Recht seine Hausgenossen. Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! (Mt 10,24-26).

21. Dezember
Mit welcher Geduld trug Christus, der König und Herr des Himmels und der Erde, die Apostel, arme und rohe Fischer! Wie viel mehr sollten wir unseren Nächsten ertragen, wenn er uns unhöflich behandelt!

Wir ermahnen euch, Brüder: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun (1 Tess 5,14-15).

22. Dezember
Wir müssen uns ganz Gott hingeben.

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen (Mt 11,25-26).

23. Dezember
Gott macht die Seele ganz sein eigen, die ihm gänzlich ergeben ist.

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht (Mt 11,28-30).

24. Dezember
Es ist in der Regel ein schlimmes Zeichen, wenn man nicht ein besonderes Gefühl der Andacht an den Hauptfesten des Jahres empfindet.

Es kommt darauf an, wie man sich auf die hohen Feiertage vorbereitet, z.B. auf Weihnachten. Da gibt es so viel zu betrachten, z.B.: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes (Mt 2,13-15).

25. Dezember
Bedenkt, dass das Wort den Himmel verlassen und sich erniedrigt hat, für uns Mensch zu werden.

Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1,10-11).

26. Dezember
Wir sollen nicht nur denjenigen verzeihen, die uns verfolgen, sondern auch mit der Täuschung Mitleid fühlen, in welcher sie leben.

Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln (Lk 6,27-28).

27. Dezember
Für denjenigen, welcher Gott wahrhaft liebt, gibt es nichts mühseli-geres, als das Leben.

Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit (Hebr 12,11).

28. Dezember
Junge Leute sollen heiter sein und sich den Erholungen hingeben, die für ihr Alter passen, wenn sie nur der Sünde aus dem Weg gehen.

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Phil 4,4-6).

29. Dezember
Es ist ein wahres Mistbeet der Laster, nicht zu wissen, wie man der Seele ihre eigenen Wünsche verweigern soll.

Halte fest an der Zucht und lass davon nicht ab, bewahre sie; denn sie ist dein Leben (Sprüche 4,13).

30. Dezember
Alle erschaffenen Dinge bezeugen die Güte und Freigebigkeit des Schöpfers; die Sonne verbreitet ihr Licht, das Feuer seine Wärme; der Baum streckt seine Arme aus und reicht uns die Frucht, die er trägt; Wasser und Luft und die ganze Natur verkünden die Freigebigkeit des Schöpfers, und wir, sein leibhaftes Bild, stellen ihn nicht dar, sondern verleugnen ihn durch unser ausgeartetes Wesen in der Tat, während wir ihn mit dem Mund bekennen.

Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos –, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn! Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn! (Eph 5,18-20).

31. Dezember
Die Stunde ist vorüber – dasselbe können wir auch vom vergangenen Jahr sagen; aber die Zeit Gutes zu tun, ist noch nicht vorbei.

Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun. Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles (1 Tess 5,15-18).

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