Geschichte

Was ist das Oratorium?

Hl. Philipp Neri

Ein alter Oratorianer meinte einmal: “Wir sind nur eine Randbemerkung in der Geschichte der Kirche.” Und doch sind wir eine eigenartige "Randbemerkung", denn schon seit vierhundert Jahren gibt es die Oratorianer, und doch haben wir weder Gelübde noch Versprechen. Wir haben ein intensives Gemeinschaftsleben und eine Regel, die im Grunde die Beschreibung des Familienlebens ist, das der Hl. Philipp im 16. Jhd. in Rom begonnen hat. Jener hat übrigens Jahre gebraucht, bis er mit den Niederschriften der ersten Regel zufrieden war. Denn Philipp betonte immer wieder, dass er überhaupt keinen neuen Orden gründen wollte. Eigentlich war es die Kirche selbst, die dieser Familie des Oratoriums in Rom der Renaissance Bestand geben wollte, und deshalb im Jahre 1575 das Oratorium anerkannte.

Hl. Philipp Neri - Darstellung aus der Wallfahrtskirche in Aufhausen

Wer hat das Oratorium
gegründet?

Später, als die kleine Gemeinde aus Laien und Priestern auch in San Girolamo keinen Platz mehr hatte, zog man in die “neue Kirche”, die “Chiesa Nuova”, im Herzen Roms um. Damals war dann auch schon die sogenannte "Kongregation" entstanden, eine Gruppe von Weltpriestern, die zusammenlebte und deren erste Aufgabe es war, das Oratorium, als große Gruppe von Laien und Priestern, zu betreuen.

Angefangen hat also das Oratorium tatsächlich mit dem Hl. Philipp Neri. Den Grund des Oratoriums hat aber ein anderer gelegt, wie Philipp immer wieder betonte. Kurz vor seinem Tod hat er das Geheimnis aufgedeckt: Während er wieder einmal, wie oft, sich in den Katakomben von St. Sebastian in Rom zum Gebet zurückgezogen hatte, erlebte er auch körperlich die Begegnung mit der Liebe Gottes. Nach dem Zeugnis von P. Consolini, der Philipp in seiner letzten Lebenszeit besonders vertraut war, sah Philipp eine feurige Kugel in seine Brust eindringen und spürte dann, wie seine Brust sich über dem Herzen ausdehnte ... Der Kirchenhistoriker von Pastor schreibt über dieses Ereignis: “Diese mystischen Zustände, die Philipp sein ganzes Leben lang begleiteten, erreichten ihren Höhepunkt an Pfingsten 1544 in einem Ereignis, das man mit den Wundmalen des Hl. Franz von Assisi vergleichen mag.” Er nannte es auch einen Einbruch des Hl. Geistes in sein Leben, ein Ereignis, das nicht mit Worten zu fassen war, aber genau datierbar ist und ihn auch äußerlich veränderte. Wichtiger aber ist, dass daher seine beharrliche Weigerung stammt, seine Gemeinschaft durch Versprechungen und Gelübde zu binden. “Einziges Band ist die gegenseitige Liebe”, daran hielt er fest. Und damit ist das stärkste Band genannt, das es gibt: die Liebe.

Die Kirche "Chiesa Nova" in Rom

Kardinal Newman sagte von Philipp Neri: „Er ließ keine äußeren Formen oder Gebräuche zu, die als Eigenart des Oratoriums gelten sollten, außer der gegenseitigen Liebe und harter Arbeit.“

Aber Philipp Neri hat wie Paulus erfahren, dass die Bindung der Liebe erst die wahre Freiheit des Christen ermöglicht. Das ist ja das Geheimnis des Hl. Philipp: Seit seinem "Pfingsterlebnis" in den Katakomben weiß er sich gebunden an den Heiligen Geist, gepackt von seiner Liebe, die er weitergeben muss, aber auch ganz frei von dem, was die meisten Menschen treibt. Kein Wunder, dass seit Philipp Neri die Oratorianer eine besondere Verehrung für den Hl. Geist pflegen, denn mit dem Pfingstereignis hat beim Hl. Philipp Neri alles angefangen.

Gründung und Entwicklung
des Aufhausener Oratoriums

Pfarrer J. G. Seidenbusch. Glasfenster, Aufhausen

Der aus München stammende und im Ruf der Heiligkeit verstorbene Propst Johann Georg Seidenbusch (1641-1729) gründete im Jahre 1676 (bzw. 1695) in Aufhausen bei Regensburg eine Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri. Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern stellte am 28. Dezember 1678 einen Dotationsbrief aus; am 19. Mai 1692 folgte die bischöfliche Konfirmationsurkunde, und am 6. Juli 1695 errichtete Papst Innozenz XII. die Kongregation des Oratoriums in Aufhausen. Johann Georg Seidenbusch wurde der erste Propst, und seinem Einfluss und seiner Willenskraft war es zu verdanken, dass von dem kleinen Aufhausen aus Zweigniederlassungen in München und Wien gegründet werden konnten.

Im Jahre 1886 starb der letzte Priester des ursprünglichen Instituts, Pfarrer Jakob Sellmayr. Die Benediktinerabtei Metten übernahm am 15. Oktober 1890 die Verwaltung der Pfarrei und des so genannten „Nerianerinstitutes“ also des Patrimoniums des Aufhausener Oratoriums.

Im Jahr 2012 wurde mit Zustimmung des damaligen Bischofs von Regensburg, Dr. Gerhard Ludwig Müller, die ursprüngliche Gemeinschaft der „Brüder vom Heiligen Blut“ durch den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. in die „Kongregation des Oratoriums des Hl. Philipp Neri in Aufhausen“ umgewandelt, und so erlebte das von Johann Georg Seidenbusch begründete Oratorium einen Neubeginn. Im Hinblick auf die Verehrung des Kostbaren Blutes Christi, die weiterhin in Aufhausen gepflegt wird, nennen sich die Mitglieder dieses Oratoriums auch "Oratorianer vom Heilgen Blut".

Weltweit

Derzeit gibt es auf der ganzen Welt 84 Oratorien des hl. Philipp Neri verteilt auf 19 Länder mit wenigstens 10 verschiedenen Sprachen. Die einzelnen selbständigen „Kongregationen“ (Hausgemeinschaften) gehören der internationalen Konföderation an, die von einem Generalprokurator repräsentiert wird. Er vertritt die Belange aller Oratorianer dem Heiligen Stuhl gegenüber. Der Heilige Stuhl ernennt umgekehrt einen Visitator, der darüber wacht, dass die einzelnen Oratorien gemäß den Konstitutionen und Generalstatuten leben und wirken.

Quelle: Confoederatio Oratorii Sancti Philippi Nerii