Heiliger Philipp Neri

Der Heilige Philipp Neri war der Gründer des ersten Oratoriums in Rom und eine große Gestalt der Gegenreformation. Er trägt den Ehrentitel „Apostel von Rom“. Schon als Jugendlicher sorgte er für Arme und Kranke. Mit 19 kam er nach Rom mit der Absicht eines Jurastudiums. Er beschloss jedoch angesichts der Not der schutz- und obdachlosen Rompilger, sich der Beherbergung und Versorgung der Armen und Kranken zu widmen. Auf Anraten seines Beichtvaters wurde er 1551 Priester. Philipp drängte zunächst, nach Indien als Missionar zu gehen, daraufhin erhielt er jedoch die Anweisung „Dein Indien ist Rom“. Dort begann er zunächst mit seinen Freunden die Abendandachten mit Gebet, Hymnen und Lesungen. Er belebte die heute berühmte Wallfahrt zu sieben Kirchen Roms und die 40-stündige Andacht vor dem Allerheiligsten. 1564 übernahm er, zusammen mit der aus dem Abendstreffen erwachsenen Priestergemeinschaft die Seelsorge an der Nationalkirche San Giovanni dei Fiorentini, wo er seine Oratoriumstreffen fortsetzte. Für die ständig wachsende Gemeinschaft wurde am 15. Juli 1575 durch eine päpstliche Bulle das Oratorium als Kongregation errichtet. Der Heilige Philipp wurde zum ersten Superior (=Oberen) der neuen Kommunität. Philipp Neri war bekannt, neben zahlreichen übernatürlichen Gaben und Charismen, für seinen Humor und Menschennähe, sowie für seine Bescheidenheit. Er schlug die Kardinalswürde mehrmals ab. Er starb als einfacher Priester in Rom. 


Was uns an Hl. Philipp Neri anspricht?

Die Daten sind schnell aufgezählt: geboren wurde er 1515 in Florenz, und bis zum hohen Alter hat man ihm das Florentinische, die feinsinnige Kultur, die markante Freiheitsliebe angemerkt. Auf seiner Reise in den Süden, wo er zum Kaufmann ausgebildet werden sollte, ist er in Rom hängengeblieben. Niemals ist er davon losgekommen, darin Sokrates ähnlich, der immer in Athen blieb; aber ihm mehr noch ähnlich, weil er wie Sokrates auf seine liebenswürdige Weise die Menschen befragen konnte, bis sie hinter dem sinnlosen Treiben der Renaissance wieder den Grund fanden. Eine seiner freundlichen Fragen, die so leicht in Verlegenheit und in die Tiefe führten, lautete: „Wann wollen wir denn anfangen, Gott zu lieben?“ Spät erst wurde er auf Drängen seines Beichtvaters zum Priester geweiht. Und dann suchten ihn immer mehr Menschen als Beichtvater und Ratgeber.

Wie ein Magnet zog Philipp die Menschen an, und um sie nicht wieder zu verlieren, begann er mit denen, die bei ihm beichteten, das „Oratorium“. Zuerst war es eine kleine Gruppe, die sich bei ihm im Zimmer traf. Im Mittelpunkt standen Gebet und die Heilige Schrift, die gemeinsam gelesen und erklärt wurde. Bald kamen Vorträge und Musikstücke dazu, Prozessionen und Krankendienste in den Spitälern Roms. So sehr war das Oratorium gewachsen, daß aus der Zelle ein Haus wurde, dem man auch den Namen „Oratorium“ gab. Mitten im verweltlichten Rom war noch einmal die Urkirche lebendig geworden, von der die Heilige Schrift sagt, daß die Christen alles gemeinsam hatten und ein Herz und eine Seele waren. Als Philipp alt wurde, drängte man ihn, diesem Oratorium eine feste Regel und damit Dauer zu geben. Schließlich gab er nach, aber er gab doch so wenige Vorschriften wie möglich. Philipp sagte den Seinen immer: „Sorgt dafür, dass ihr unbekannt bleibt.“

Er lebte in einem dramatischen Jahrhundert. Um ihn herum der Stolz über die großen Entdeckungen und Erfindungen, die Bewunderung für die heidnische Klassik, der neue Humanismus und die überschwängliche Hinwendung zur Welt. Philipp brachte es zuwege, nichts Positives zu verachten, die Welt und die Kunst in ihrer Schönheit zum Klingen zu bringen. Aber dennoch tat er mit seinen Freunden das, was notwendig war und andere übersahen: Er ging in die Hospitäler, half den Kranken, den Gefangenen und Pilgern, kümmerte sich um die Kinder und die verwahrloste Jugend. Und in all dem wilden und bunten Leben bewahrte er den Glauben und lebte ihn auf eine so fröhliche und ansteckende Weise, dass man ihn bald den Apostel Roms nannte und dass ihn heute noch die Römer als solchen verehren.

Am 26. Mai 1595 ist Philipp gestorben. Dass es in der Nacht des Fronleichnamsfestes war, ist wohl eine glückliche Fügung für ihn, der eine tiefe und ganz persönliche Verehrung für den Herrn in der Brotgestalt hatte. 

 Unter dem wenigen, was er nicht verschenkt oder verbrannt hatte, gibt es ein Sonett, das mit dem Vers schließt: „Vivere! Vivere semper in Dio e a sè morire.“ „Leben! Immer in Gott leben und sich selber sterben".

 

Wer etwas anderes will als Christus, weiß nicht, was er will. Wer etwas anderes verlangt als Christus, weiß nicht was er verlangt. Wer für jemand anderen arbeitet als Christus, der weiß nicht, für wen er arbeitet...
Hl. Philipp Neri